König von Europa

Enrique nun in einer Liga mit Zidane und Guardiola

Champions League
31.05.2026 13:33
Porträt von krone Sport
Von krone Sport

Luis Enrique bleibt König von Europa. Zum zweiten Mal in Folge holte der Spanier mit PSG die Champions League, insgesamt ist es der dritte Titel für den 56-Jährigen, er zog damit mit Pep Guardiola und Zinedine Zidane gleich.

Paris Saint-Germain sitzt weiter auf Europas Fußball-Thron – und will den Platz nicht räumen. Als zweiter Verein nach Real Madrid vollbrachte PSG mit dem Finalsieg über Arsenal das Kunststück, den Champions-League-Titel zu verteidigen. „Es ist noch nicht vorbei. Jetzt haben wir den zweiten Stern. Wir werden hart arbeiten, dass der dritte folgt“, sagte Stürmer Desire Doue. Bei einem Kader mit einem Durchschnittsalter von knapp 24 Jahren könnte PSG auf Jahre hinaus diktieren.

Desire Doue
Desire Doue(Bild: AP/Denes Erdos)

  Der Titelverteidiger zerstörte im Finale von Budapest durch ein 4:3 im Elfmeterschießen den Traum der Gunners vom historischen Premierentitel in der Königsklasse kurz vor dem Ziel. Mit Innenverteidiger Gabriel leistete sich ausgerechnet der beste Arsenal-Akteur der vergangenen Saison den entscheidenden Fehlschuss. Dabei hatte Kai Havertz die Engländer durch sein Führungstor in der 6. Minute träumen lassen. Auch wenn es nicht schön anzusehen war, machte Arsenal dann lange alles richtig. Erst Mitte der zweiten Halbzeit erzielte Weltfußballer Ousmane Dembele per Foulelfmeter den Ausgleich und rettete den lange ohne Wirkung anlaufenden Favoriten in die Verlängerung.

Enrique wie Zidane und Guardiola
PSG schleppte sich am Zahnfleisch ins Elferschießen, in dem die Franzosen durch Nuno Mendes nur einen Versuch vergaben. Feiern lassen konnte sich danach vor allem Luis Enrique. Der Asturier gewann nach seinen Triumphen 2015 mit Barcelona und nun mit Paris zum dritten Mal die Königsklasse und schloss zu den Trainer-Größen Bob Paisley, Zinedine Zidane und Pep Guardiola auf. Nur Carlo Ancelotti bleibt bei fünf Siegen noch außer Reichweite.

Das Sportblatt „Marca“ ließ den PSG-Coach „in den Olymp“ aufsteigen und die ebenfalls in Spanien beheimatete „Sport“ forderte „eine Statue in Paris“. Enrique selbst wollte sich nicht in den Vordergrund rücken. „Legende? Das interessiert mich nicht“, stellte der ehemalige spanische Internationale klar. Dennoch gab der 56-Jährige zu, dass der zweite Triumph mit PSG noch schöner sei als der erste.

Luis Enrique
Luis Enrique(Bild: AFP/FRANCK FIFE)

  Nach dem Credo „Teamgeist statt Star-Allüren“ formt Enrique seit Sommer 2023 das beste Team Europas. Für viele war PSG ein mit launischen Stars überfluteter Scheichclub, der mit Misserfolgen auf der großen europäischen Bühne auf sich aufmerksam macht. Bei seinem Amtsantritt verabschiedeten sich in Lionel Messi und Neymar zwei der prägendsten Figuren des Clubs. Ein Jahr später folgte Kylian Mbappe. Enrique nutzte den Umbruch für einen Neuanfang: Statt nur auf teure Stars zu setzen, konzentrierte er sich auf Teamplayer mit großem Potenzial. Dembele entwickelte sich unter Enrique zum Weltfußballer.

PSG könnte noch länger dominieren
Enriques klare Botschaft: Beim auf Hochglanz polierten Glitzerclub ist niemand größer als der Verein. „Wir folgen ihm, wir vertrauen ihm. Wir sind nicht nur ein Team, wir sind Familie“, betonte Rechtsverteidiger Achraf Hakimi. Enriques Vertrag in Paris läuft bis Sommer 2027. Er sei „etwas ganz, ganz Besonderes – als Trainer, als Mensch, als Persönlichkeit“, schwärmte der katarische PSG-Präsident Nasser Al-Khelaifi. Er könne zwar die Frage nach Enriques Zukunft nicht direkt beantworten, aber sei sehr zuversichtlich. „Es geht um das Projekt, und er ist der Beste für dieses Projekt“.

  Ein Blick auf die Altersstruktur des Kaders dürfte den Rest Europas zittern lassen. Leistungsträger wie Joao Neves, Willian Pacho, Nuno Mendes, Vitinha, Khvicha Kvaratskhelia und Desire Doue sind alle höchstens Mitte 20. Diese Mannschaft könnte in dieser Zusammensetzung noch viele Jahre spielen – und Enrique eine ganze Ära prägen. „Dieser Wille, immer mehr zu gewinnen – dafür ist Luis Enrique verantwortlich. Ich hoffe, er treibt uns an, noch mehr zu gewinnen“, erklärte Taktgeber Vitinha.

Mikel Arteta ging mit den „Gunners“ leer aus.
Mikel Arteta ging mit den „Gunners“ leer aus.(Bild: EPA/ANNA SZILAGYI)

Arteta fordert Entscheidungen
Beim Finalgegner war die Gefühlslage nach der ersten Niederlage im 15. Spiel dieser Champions-League-Kampagne selbstredend eine andere. „Es ist verheerend“, sagte Declan Rice, nachdem seinem Team vom Elfmeterpunkt die Nerven versagten, sodass wie schon 2006 gegen den FC Barcelona nach eigener Führung eine bittere Finalniederlage zu Buche stand. Rice gratulierte PSG und richtete in der bitteren Stunde bereits den Blick nach vorne: „Der Verein hat im Laufe der Jahre viele Enttäuschungen erlebt, und jetzt ist seine Zeit gekommen. Wir werden weiterarbeiten, weiter Druck machen und versuchen, selbst etwas Großes zu erreichen.“

Trainer Mikel Arteta monierte einen nicht gegebenen Elfmeter in der Verlängerung, nachdem Noni Madueke zu Boden gegangen war. Der Spanier wollte dies aber nicht als Ausrede gelten lassen. „Wenn, wenn, wenn – es ist nicht passiert“, sagte Arteta. Er forderte vom Club „sehr wichtige Entscheidungen“, um weiter eine wichtige Größe national und in Europa zu bleiben. Trösten kann sich Arsenal immerhin mit dem ersten Titelgewinn in der Premier League seit 22 Jahren, auch wenn Rice meinte: „Wir haben eine große Trophäe gewonnen, aber haben die größte verpasst.“

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