Wörgls zweiter Vizebürgermeister Roland Ponholzer („Wir für Wörgl“) zieht die Notbremse und tritt wegen tiefliegender Probleme und fehlender Transparenz der Stadtführung vom Amt zurück.
Wörgls 2. Vizebürgermeister Roland Ponholzer tritt zurück – und nennt als Gründe Vorgänge, die aus seiner Sicht zeigen, wie weit sich die Stadtpolitik von Transparenz und Verantwortung entfernt hat. Der Rücktritt mit 27. Mai 2026 ist für Roland Ponholzer das Ende eines langen inneren Konflikts, den er folgendermaßen kommentiert: „Ein Amt zu verlassen ist nie leicht. Aber es ist leichter, als gegen die eigenen Überzeugungen zu handeln.“
Russischer Kaviar, Audi A6 und viele offene Fragen
Er spricht von „verhärteten Strukturen“ und Entscheidungswegen, die zunehmend von parteipolitischen Interessen und persönlichen Netzwerken geprägt seien. „Wenn man mehr Zeit damit verbringt, gegen Mauern zu laufen als für die Menschen zu arbeiten, muss man Konsequenzen ziehen.“
Einer der brisantesten Punkte betrifft laut Ponholzer Ausgaben öffentlicher Gesellschaften, darunter Reisespesen – insbesondere die der „Wörgler Wasserwelt GmbH & Co KG“, deren Geschäftsführer Bürgermeister Michael Riedhart ist. Die „Krone“ hat ebenfalls Unterlagen vorliegen, die Hinweise auf mehrere sogenannte „Bäderreisen“ bestätigen. Dienstfahrten einer teilweise mehrköpfigen Kommission in Österreich und Deutschland – um Bäder zu besichtigen, die als Beispiele für das Wörgler Schwimmbad dienen könnten. Deren Zweck und Kostenstruktur wurden aber laut Ponholzer „nicht ausreichend transparent den Gemeinderäten kommuniziert“.
Rechnungen zeigen etwa: Für eine „Bäderreise“ im Frühjahr 2023 wurde ein Audi A6 gemietet, um zwei Kommissionsmitglieder vom Flughafen Bremen nach Amsterdam zu bringen – 749,66 Euro brutto. Die Übernachtung im „Motel One Amsterdam“ kostete 434,70 Euro brutto. Am Flughafen München im „Dallmayr“ konsumierten die städtischen Kommissionsmitglieder unter anderem: zwei Weißwürste (13,90 Euro), ein dazu passendes „Helles“ und man höre und staune russischen Kaviar der Marke „Siberian Malossol“ um 35 Euro sowie einen Lugana-Weißwein um 45 Euro. All das – und unzählige weitere Posten – auf Kosten der Bürgerinnen und Bürger, die bis heute auf ein Schwimmbad in Wörgl warten.
Der Bürgermeister kontert
Dazu hält Bürgermeister Michael Riedhart fest: „Dass ich Geschäftsführer der Wörgler Wasserwelt bin – das ist grundsätzlich richtig, jedoch erst seit Mai 2024. Die angesprochenen Reisespesen, Ausgaben und Kosten fallen jedoch ausschließlich in die Geschäftsführungszeit des mittlerweile ausgeschiedenen Geschäftsführers und ehemaligen Stadtamtsdirektors Philipp Ostermann-Binder!“
Politik braucht Mut. Mut zur Veränderung, Mut zur Wahrheit und manchmal auch Mut zum Abschied.
Roland Ponholzer, 2. Vize-BM Wörgl
Weitere strukturelle Defizite in Wörgl
Ponholzer nennt darüber hinaus Informationsdefizite bei Großprojekten wie der Begegnungszone und dem „Wave“-Areal, unklare Personalentscheidungen, 39 Sonderverträge mit dokumentierten Mängeln sowie Kontrollberichte, die erst nach Intervention – und dann nicht öffentlich – behandelt wurden.
„Politik braucht Mut, Mut zur Veränderung!“
„Politik braucht Mut. Mut zur Veränderung, Mut zur Wahrheit und manchmal auch Mut zum Abschied.“ Mit Ponholzers Rücktritt verliert die „Energiemetropole“ Wörgl eine zentrale Figur der Stadtführung. Sein Stadtratsmandat übernimmt Gemeinderätin Astrid Rieser, die von Ponholzer gegründete Fraktion „Wir für Wörgl“ führt künftig Gemeinderätin Patricia Kofler an. Der bekannte und beliebte Mittelschuldirektor Gottfried Schneider rückt in den Gemeinderat nach. Ponholzers Schritt ist ein Appell an eine politische Kultur, die aus seiner Sicht wieder näher an den Menschen hin muss.
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