Handys sind aus dem Alltag der meisten Kinder und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken. Doch wie damit umgehen und richtig in der digitalen Welt begleiten? Mit einem neuen Lehrgang und einem medienpädagogischen Konzept will Jugend am Werk Steiermark diesen Herausforderungen begegnen.
Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Auch hier gilt für Eltern Aufsichtspflicht. Für Kinder und Jugendliche, die nicht mehr bei ihren Eltern wohnen können, fällt diese Aufsichtspflicht an die Betreuer*innen in den jeweiligen Einrichtungen. „Mediennutzung ist bei uns immer ein Thema“, beschreibt zum Beispiel Kerstin Weinmeister. Sie arbeitet als Betreuerin bei MOB, dem mobil betreuten Wohnangebot bei Jugend am Werk. Ihre Aufgabe ist es, die Jugendlichen dabei zu unterstützen, selbstständig in einer Wohnung zu leben.
Unverzichtbar?
Das Smartphone ist dabei nicht nur ein praktisches Hilfsmittel, sondern auch eine Konkurrenz. „Wir kämpfen schon um die Aufmerksamkeit der Jugendlichen, zum Beispiel bei Gesprächen.“ Gleichzeitig ist das Handy für viele Dinge unverzichtbar, wie die MOB-Jugendlichen selbst berichten: Es ist komfortabel und enthält vermeintlich „lebensrettende“ Apps wie ChatGPT oder TikTok, birgt aber gleichzeitig Risiken.
Permanent vernetzt
In einer Zeit, in der Apps zunehmend mit dem Ziel gestaltet werden, süchtig zu machen, müssen die Betreuer*innen von Jugend am Werk auch Orientierung bieten. „Unsere Mitarbeiter*innen sehen es als ihren Auftrag, die Kinder und Jugendlichen aufzuklären und steuern im Bedarfsfall die Handynutzung“, beschreibt Elke Maurer. Sie ist stellvertretende Leiterin des Geschäftsbereichs Kinder, Jugendliche und Familien.
Klare Regeln
Der Umgang mit neuen Medien im mobil betreuten Wohnen, aber auch in Wohngruppen und Kriseneinrichtungen hat Jugend am Werk in einem umfassenden medienpädagogischen Konzept festgelegt. So müssen Kinder und Jugendliche in Wohngruppen einen Mediennutzungsvertrag unterschreiben. Außerdem gibt es medienfreie Räume und handyfreie Zeiten.
Risikoprävention
„Wir haben aber nicht nur eine Kontroll-, sondern auch eine Erkundigungspflicht. Das heißt, unsere Mitarbeitenden sprechen mit den Kindern und Jugendlichen über ihren digitalen Alltag und gestalten Mediennachmittage.“ Dabei werden verschiedene Themen bearbeitet, etwa Körperideale und Influencer, aber auch Gefahren der digitalen Welt, wie Sexting und Cybermobbing. „Dafür ist es wichtig, den Wissensstand unserer Mitarbeiter*innen ständig aktuell zu halten“, sagt Maurer.
Digital Natives
2025 hat Jugend am Werk deshalb erstmals einen Lehrgang für medienpädagogische Beratung angeboten. „Der rasante technologische Wandel, den wir erleben, kann überfordernd sein. Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter*innen auch die sogenannten „Digital Natives“ gut begleiten können“, schließt Maurer.