Vor 30 Jahren schrieb Hans Kammerlander Alpingeschichte: Mit seiner Rekordbesteigung des Mount Everest setzte der Südtiroler Ausnahmebergsteiger einen Meilenstein im Alpinismus. Die „Bergkrone“ traf die Bergsteiger-Legende in seiner Heimat Südtirol.
„Die Verhältnisse haben gepasst – und ich hatte Glück“, sagt Hans Kammerlander über eine Aktion, die als Meilenstein des Alpinismus gilt. In nur 16 Stunden und 40 Minuten stieg er am 24. Mai 1996 über die Nordroute zum höchsten Punkt der Erde – ohne künstlichen Sauerstoff.
„Ich habe alles auf Geschwindigkeit ausgelegt. Kein unnötiges Gewicht, kein Zögern – und wenn es nicht geht, drehe ich um.“ Danach fuhr er als erster Mensch vom Gipfel mit Skiern über die Nordflanke hinunter bis ins vorgeschobene Basislager (ABC). Am Ende stand eine Zeit, die bis heute unerreicht ist: 23 Stunden und 50 Minuten rauf auf den Everest und wieder runter.
Drei Jahrzehnte später hat diese Kombination aus Geschwindigkeit und Risiko nichts von ihrer Strahlkraft verloren. „Ich war fit und der Schnee war vom Berg abgeblasen“, erinnert sich Hans im Gespräch mit der „Bergkrone“.
Während der Aufstieg als außergewöhnlich gilt, liegt die eigentliche Dimension dieses Abenteuers in der Skiabfahrt. Denn Skifahren über 8000 Metern Höhe, in einer der exponiertesten Flanken des Himalaya, bedeutet permanente Grenzerfahrung. „Ich fuhr, wo es möglich war und trug die Skier, wo das Gelände keine Abfahrt zuließ“, schildert Hans: „Du musst ständig entscheiden. Links, rechts, weiter oder stoppen.“
Bis heute wurde diese Linie in dieser Konsequenz kaum wiederholt. Erst im Jahr 2025 durchfuhr der Pole Andrzej Bargiel die Südflanke des Everest. Hans: „Heute wird man von einem Team unterstützt, mit Drohnen, Sherpas und Fixseilen. Ich hatte das alles nicht.“
Amazon Prime-Serie über Kammerlander geplant
Beim Besuch in Ahornach wurde die „Bergkrone“ vom bekannten Bergfilmer Gerald Salmina begleitet, der aktuell an einer mehrteiligen Amazon-Prime-Serie über Kammerlander arbeitet.
Im Fokus steht dabei nicht der spektakuläre Coup am Mount Everest, sondern die Entwicklung eines Alpinisten. „Wenn man sein ganze Leben zwischen Eisflanken, Achttausendern und Grenzerfahrungen verbringt, gehört ein Haufen Glück einfach dazu“, sagt Hans, der sich am Berg auch nie schwer verletzt hat.
Offen spricht der Südtiroler, dass er in jungen Jahren vieles falsch gemacht hat: „Wir sind drei Nordwände in den Zillertaler Alpen in 24 Stunden durchstiegen. Später hat jemand meinen Eintrag im Gipfelbuch mit dem Satz ,Ohne Hirn ist leicht marschieren‘ ergänzt.“ Erst Reinhold Messner, mit dem der heute 69-Jährige sieben der 14 Achttausender bestieg, hat Hans immer wieder gebremst, der so gelernt hat, wie wichtig Geduld, Planung und taktischen Denken sind.
Ein Leben nach den Achttausendern
Auch deshalb blickt der Südtiroler differenziert auf den modernen Alpinismus. „Die Veränderung ist krass“, sagt er. Besonders das Sportklettern bewundert Hans, weil sich dort Athletik und Technik in eine neue Dimension entwickelt hätten.
Im Expeditionsbergsteigen hingegen hat sich weniger getan „Es hat sich vielmehr ein Tourismus entwickelt. Heute stehen am Everest Hunderte gleichzeitig in der Gipfelflanke. Das alte Abenteuer, das Abgeschiedene, das völlige Auf-sich-gestellt-Sein – all das ist verschwunden.“
Hans Kammerlander hat sich längst vom extremen Höhenbergsteigen zurückgezogen – drei bis viermal pro Jahr führt er Trekkinggruppen durch Nepal und Buthan. Seine Leidenschaft für Bewegung und Technik ist aber geblieben. Mit derselben Hingabe, mit der er einst Linien im Eis suchte, sammelt und restauriert er heute historische Fahrzeuge.
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