Wo Österreich tanzt

Après-Ski: Erfolgsgeheimnis des Wintertourismus!

Bergkrone
19.03.2026 07:01

Wenn am Nachmittag zwischen Arlberg und Semmering die letzten Schwünge in den Schnee gezeichnet sind, beginnt in Österreichs Skigebieten oft erst der zweite Teil des Skitages. Die Skier werden vor der Skihütte abgestellt, aus Lautsprechern dröhnt Musik – und plötzlich steht die ganze Welt auf den Bänken.

Après-Ski gehört zum österreichischen Winter wie Pulverschnee und Kaiserschmarrn. Für Millionen Gäste aus aller Welt ist genau dieses Lebensgefühl aus Skifahren, Musik und ausgelassener Stimmung der Grund, warum sie jedes Jahr in die Alpen zurückkehren.

Die „Bergkrone“ hat sich im legendären Goaßstall in Hinterglemm umgesehen – einem der bekanntesten und kultigsten Après-Ski-Hotspots der Alpen.

Schon am frühen Nachmittag füllt sich hier die Terrasse, gegen 16 Uhr werden die Schirme aufgespannt, die Heizkanonen aktiviert und Chefin Melissa Enn sorgt als DJ Mel für den perfekten Après-Ski-Moment – und das seit mehr als drei Jahrzehnten.

Das Publikum ist bunt gemischt: Holländer, Deutsche, Briten, Österreicher feiern gemeinsam. Genau diese Mischung macht den unverwechselbaren Charakter des Après-Ski aus. Und im Goaßstall gilt dabei eine Regel: Über 1000 Meter Seehöhe herrscht Tanzpflicht und DJ Mel mähht lautstark ins Mirko.

Nach dem Skifahren wird getanzt und gefeiert
Nach dem Skifahren wird getanzt und gefeiert(Bild: Hannes Wallner)
Goaßstall-Chefin Melissa Enn begeistert die Skigäste als DJ Mel seit 31 Jahren.
Goaßstall-Chefin Melissa Enn begeistert die Skigäste als DJ Mel seit 31 Jahren.(Bild: Hannes Wallner)
Und DJ Mel weiß, wie sie ihr Publikum zum Feiern bringt.
Und DJ Mel weiß, wie sie ihr Publikum zum Feiern bringt.(Bild: Hannes Wallner)
Unter den Schirmen ist es schnell heiß und die Partylaune steigt.
Unter den Schirmen ist es schnell heiß und die Partylaune steigt.(Bild: Hannes Wallner)

Après-Ski-Party als Wirtschaftsfaktor
Was nach ausgelassener Feierstimmung klingt, ist für viele Skiregionen längst ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Après-Ski sorgt, dass der Skitag länger dauert, Gäste länger bleiben – und wiederkommen.

Musik, Berge, frische Luft und das gemeinsame Feiern sorgt für ein Gefühl, das viele Gäste mit Österreich verbinden. Bars, Hütten, Hotels, Skiverleihe und Taxibetriebe profitieren gleichermaßen von den Gästen, die nach dem Skitag noch nicht ins Hotelzimmer zurückkehren wollen.

„Und viele kommen genau wegen dieser Stimmung nach Österreich“, weiß Goaßstall-Chef Toni Enn. „Anfang hatten wir sechs Angestellte und 200 Gäste. Heute stehen bei Events schon einmal mehrere Tausend Menschen bei uns.“

Und im Goaßstall zeigt sich diese Dimension eindrucksvoll. „An starken Tagen zapfen wir mehrere tausend Bier“, erzählt Toni. „Wenn 4000 Halbe über den Tresen gehen, war’s ein guter Tag.“ Und die Mischung aus Red Bull und Jägermeister, kurz „Flying Hirsch“ oder „Flying Goaß“, ist weiterhin der große Renner...

Wachstum seit mehr als 30 Jahren
Die Logistik hinter dem Après-Ski-Vergnügen daher enorm: große Bierleitungen, Bierfässer in Serie geschalten, riesige Kühlanlagen, tonnenweise Eis und ein perfekt eingespieltes 42-köpfiges Team. „Wir zapfen ein Bier in unter vier Sekunden“, sagt Toni stolz, der an starken Tagen Kellerdienst schiebt, und nur Bierfässer an- und abschließt. Ein eigener Mitarbeiter ist nur damit beschäftigt, leere Dosen und Flaschen in den Pfandautomaten zu werfen ...

Und während in Österreich über Krise, Rezession und rückläufigen Wintersport diskutiert wird, schreiben Melissa und Toni ihre Erfolgsgeschichte weiter: „Wir haben heuer im Jänner 20 Prozent Umsatzplus gemacht. Seit mehr als 30 Jahren versuchen die beiden, die Gäste zufrieden zu machen. „Wenn der Gast glücklich ist, denkt er nicht mehr über den Preis nach“, so Toni zur „Bergkrone“. Dafür entwickelt Toni sogar eigene Produkte, wie Shots und Mischgetränke – manche Rezepte stammen aus der Familie.

Goaßstall-Chef Toni Enn ließ die „Bergkrone“ hinter die Kulissen blicken.
Goaßstall-Chef Toni Enn ließ die „Bergkrone“ hinter die Kulissen blicken.(Bild: Hannes Wallner)
Die Skihütte wird täglich mit Nachschub beliefert – über einen eigenen, unteridischen Zugang.
Die Skihütte wird täglich mit Nachschub beliefert – über einen eigenen, unteridischen Zugang.(Bild: Hannes Wallner)
Sechs Bierfässer sind jeweils in Reihe geschaltet, damit die Durstigen vor der Skihütte nie ...
Sechs Bierfässer sind jeweils in Reihe geschaltet, damit die Durstigen vor der Skihütte nie lange auf Nachschub warten müssen.(Bild: Hannes Wallner)
Sämtliche Mischgetränke sind vorbereitet und per Knopfdruck im Ausschank verfügbar.
Sämtliche Mischgetränke sind vorbereitet und per Knopfdruck im Ausschank verfügbar.(Bild: Hannes Wallner)
Vorbereitung ist alles: „Flying Hirsch“ oder auch „Flyling Goaß“ genannt warten auf durstige, ...
Vorbereitung ist alles: „Flying Hirsch“ oder auch „Flyling Goaß“ genannt warten auf durstige, gut gelaunte Wintersportler.(Bild: Hannes Wallner)

Für seine Frau DJ Mel hat Après-Ski aber noch eine ganz andere Bedeutung. „Unser Job ist es, die Festplatte der Leute zu löschen“, sagt sie. Nach einem Skitag, frischer Bergluft und Musik wollen viele Gäste den Alltag vergessen. „Die Leute kommen aus Großstädten, aus stressigen Jobs, haben Sorgen und Ängste. Aber hier oben – mit Musik, mit Freunden und guter Stimmung – lassen sie das alles für kurze Zeit hinter sich.“

Österreichs Winter-Markenzeichen
Tatsächlich ist Après-Ski heute ein weltweit bekanntes Markenzeichen des österreichischen Wintertourismus. Millionen Gäste verbinden ihren Winterurlaub genau mit dieser Mischung aus Sport, Musik und Geselligkeit. Und darin liegt das Erfolgsgeheimnis. „Die Leute wollen nicht nur Skifahren“, sagt Toni. „Sie möchten einfach ein Erlebnis.“

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