680 Mesner auf 822 Kärntner Kirchen: Welche neuen Wege für den Dienst entstehen, was der „Obermesner“ und ein zur Mesnerei berufener Justizwachebeamter an der Aufgabe so schätzen.
„Wir rücken den Herrgott in die Mitte“, sagt Gerhard Kropivnik, der seit 22 Jahren Mesner in Ludmannsdorf ist und als Vorsitzender der Diözesanen Mesnervereinigung Kärntens bereits fast alle Kollegen besucht hat: „Ich war schon in 750 der 1000 Kärntner Kirchen. Und ich kann sagen: Die Männer und Frauen sind nicht nur am Papier Mesner, sondern dazu berufen, denn die Kirchen sind top gepflegt!“
Kropivnik hilft „seinem“ Pfarrer Johann Alois Krištof in die Kasel. „Ich könnte das alleine auch, aber er ist eben sehr hilfsbereit“, so der Priester, der sich auf seinen Mesner verlassen kann. Die Aufgaben der Mesner sind von Pfarre zu Pfarre unterschiedlich, aber immer umfangreich: Kropivnik organisiert das Reinigen und Bügeln der Messgewänder, das Waschen der Altardecken, bestellt Hostien, Wein und Kerzen, richtet Kelch, Messbuch und alles Notwendige für den Gottesdienst her.
Reinigung, Organisation, Denkmalpflege ...
„Es ist einiges an Arbeit, viel zu organisieren; vor Ostern auch eine größere Putzaktion. Wir sind ja auch irgendwie Denkmalpfleger“, so der Mesner, der wie alle Kollegen darauf achten muss, wie Statuen, Möbel, Einrichtungs- und Kunstgegenstände der Kirche gereinigt und gepflegt werden, wofür Diözesankonservatorin Rosmarie Schiestl mit Kollegen ein eigenes Buch herausgegeben hat.
Neuer Stellvertreter des „Obermesners“
„Die Kirche ist auch regelmäßig zu lüften“, ergänzt Armin Puschl, der nun das dritte Jahr Mesner in Mieger und ganz frisch Kropivniks Stellvertreter in der Kärntner Mesnervereinigung ist.
Zwischen Gefängnis und Gottesdienst
„Als unser Mesner gestorben ist, hat mich der Diakon gefragt, ob ich die Aufgabe übernehmen will. Das war eine große Ehre und Freude“, so der 42-Jährige, der nie ministriert, sondern als erste kirchliche Aufgabe gleich die Mesnerei übernommen hat.
Es gibt wenige hauptamtliche Mesner, die haben dann auch noch Hausmeistertätigkeiten dabei, beispielsweise im Dom. Die meisten sind ehrenamtlich Mesner.
Gerhard Kropivnik, seit 22 Jahren Mesner
„Da ist einiges zu lernen. Dafür gibt es einen Mesnerkurs, den ich mit meinem Kollegen Sigfried Dovjak von Rottenstein besucht habe“, so Puschl, der die Mesnerei nicht als Hobby, nicht als Leidenschaft, sondern als Berufung sieht. „Und man lernt so viel für sich, fürs Leben und über andere.“ Dieses Wissen fließe auch in seinen Alltag ein, beispielsweise in seine Arbeit als Justizwachebeamter.
Mit seinem Kollegen Dovjak besucht Puschl auch den Kurs für Akolythen und wird Ende Mai mit fünf weiteren Kandidaten vom Bischof als Helfer des Diakons und Priesters beauftragt – und zwar in Maria Rain, wo eine lebendige Pfarre ein junges Mesner-Modell lebt: Zehn Mesnerinnen und Mesner erfüllen die Aufgaben abwechselnd.
... sind in Kärntner Kirchen aktiv – noch mehr helfen in den vielen Gotteshäusern mit. Wenige sind im Hauptberuf Mesner, viele ehrenamtlich.
Mehr als 1000 katholische Gotteshäuser gibt es in Kärnten: 822 Kirchen, davon 339 Pfarr- und 465 Filialkirchen, sowie 228 Kapellen. Damit dort gefeiert werden kann, sind helfende Hände von Mesnern und Mesnerinnen notwendig. Was ihre Aufgaben sind und warum sie die Dienste gern versehen, haben sie der „Krone“ verraten.
„In einigen Pfarren sind Mesner-Teams am Werk. Einer übernimmt diese Woche, ein anderer eine andere Woche, oder sie teilen sich Aufgaben auf“, erklärt Pfarrer Krištof. „Ich habe auch schon erlebt, dass die Kirchenreinigung dorfweise organisiert wird: Einen Monat ist dieser Ort dran, im nächsten Monat ein anderes Dorf“, weiß Kropivnik.
„Einfach ist es nicht mit dem Nachwuchs. Aber ich kann jedem, der es sich überlegt, nur eine klare Empfehlung geben! Es ist schön, Mesner zu sein!“, so Puschl.
Mein Glaube ist mir wichtig, also ist wohl einem anderen sein Glaube auch wichtig. Daher ist jeder Glaube zu respektieren.
Mesner Gerhard Kropivnik
Was die Mesner Kropivnik, Puschl und Dovjak neben ihrer Arbeit in der Kirche und neben dem Glauben verbindet, ist ihr Einsatz für die Feuerwehr. Dort wie da geht es darum, für Menschen da zu sein.
Kärntner Kirchen-Rekorde
Jede Kirche, in der Menschen beten und Mesner für reibungslosen Ablauf sorgen, hat ihre Besonderheit; einige stechen besonders hervor: Die größte Kirche ist die ehemalige Dominikanerkirche in Friesach mit 74 Metern Länge. Den höchsten Turm hat die Villacher Jakobskirche: 93,87 Meter. Die größte und schwerste Glocke ist die „Maria Saalerin“: 222 cm Durchmesser, 6600 Kilo. Bis 1711 war diese Glocke in Maria Saal auch die größte Glocke Österreichs, dann wurde sie von der „alten Pummerin“ im Wiener Stephansdom abgelöst.
Die älteste Glocke Kärntens ist gleichzeitig eine der ältesten erhaltenen Glocken Österreichs. Sie stammt aus dem 11. Jahrhundert und gehörte ursprünglich zur Filialkirche „Maria Schmerzen“ am Freudenberg oder zur Kirche in Flatschach. Heute befindet sich die Glocke in der „Schatzkammer Gurk“.
In der Klagenfurter Stadthauptpfarrkirche St. Egid steht die größte Orgel Kärntens: 57 Register auf drei Manualen und einem Pedal, rund 4000 Pfeifen unterschiedlichster Größen, von wenigen Millimetern bis zu mehreren Metern. Die wahrscheinlich älteste erhaltene Orgel Kärntens stammt aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts und befindet sich in der Filial- und Wallfahrtskirche „Maria Dorn“ in Bad Eisenkappel.
Von China nach Europa haben die Glocken ihren Weg gefunden. Längst gehören sie zu den Kirchen, rufen zum Gebet, weisen auf Gefahren hin, sollen sogar Unwetter vertreiben und verlautbaren besondere Ereignisse wie den Tod eines Gemeindemitgliedes. „Die Wartung der Glocken und Balken gehört zu den Aufgaben des Mesners, der natürlich auch wissen muss, wann welche Glocken geläutet werden sollen“, so Kärntens „Obermesner“ Gerhard Kropivnik.
„In diesem Zimmer im Turm wurde seinerzeit unterrichtet – heimlich und mit Angst im Hinterkopf“, weiß der Ludmannsdorfer auf dem Weg zu den vier Kirchenglocken zu berichten: In der Turmkammer konnten die Kinder in der Kriegszeit die verbotene Sprache ihrer Vorfahren lernen, Slowenisch.
Einige nicht unbedingt typische Aufgaben hat er als Mesner übernommen, beispielsweise findet Kropivnik in Ludmannsdorf immer wieder gern neue Lektoren. „Ich freu’ mich über neue Gesichter. Und es ist ja nicht meine Kirche, die gehört uns allen, also sollen alle mitmachen.“
Und mittlerweile nutzen in Ludmannsdorf auch Ausreden wie „Ich habe meine Lesebrille vergessen“ nichts: „Ich habe einen Haufen unterschiedlich starker Lesebrillen gekauft; die liegen in der Sakristei in einer Schachtel und werden hergeborgt“, lächelt der Mesner, der auch selbst Fürbitten liest, Lieder für den Gottesdienst aussucht, den Friedhof pflegt, mit Helfern die Wege sauber hält, mittlerweile von seiner Frau gelernt hat, welche Blumen in der Kirche langlebig sind und welche er nicht kaufen soll.
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