Auf dem Mars hat der NASA-Rover Curiosity eine Landschaft entdeckt, die aus dem All wie riesige Spinnennetze aussieht. Doch was steckt hinter diesen bizarren Mustern? Neue Aufnahmen aus nächster Nähe liefern Hinweise – und stellen bisherige Annahmen über die Geschichte des Wassers auf dem Roten Planeten infrage.
Die US-Raumfahrtbehörde NASA teilte auf der Plattform X (vormals Twitter) mit, dass ihr Rover Curiosity eine sogenannte „Boxwork“-Struktur untersucht. Dabei handelt es sich um ein Netz aus niedrigen, sich kreuzenden Felsrücken. Diese sind etwa ein bis zwei Meter hoch, dazwischen liegen sandige Vertiefungen. Über viele Kilometer ziehen sich diese Muster über die Oberfläche.
Nach Einschätzung der Forscher deuten die Strukturen darauf hin, dass dort einst Grundwasser floss – und zwar möglicherweise später als bisher angenommen. Das wirft neue Fragen auf: Könnte mikrobielles Leben, also einfachste Lebensformen wie Bakterien, auf dem Mars länger überlebt haben, als man bislang dachte?
Solche Strukturen gibt es auch auf der Erde
Die Formationen erinnern aus dem Orbit an riesige Spinnweben. Wissenschaftler vermuten, dass früher Wasser durch Risse im Gestein floss. Dabei lagerten sich Mineralien ab, die bestimmte Bereiche verhärteten. Diese verstärkten Zonen blieben als Felsrücken stehen, während weichere Bereiche durch Wind abgetragen wurden und die heutigen Mulden entstanden.
Solche „Boxwork“-Strukturen gibt es auch auf der Erde – allerdings sind sie dort meist nur wenige Zentimeter hoch und finden sich vor allem in Höhlen oder trockenen Sandgebieten. Auf dem Mars dagegen erreichen sie eine deutlich größere Dimension.
Dunkle Linien sind auffällig
Erst durch die Nahaufnahmen von Curiosity konnte bestätigt werden, wie die Strukturen im Detail aussehen. Besonders auffällig sind dunkle Linien, die sich durch die Formationen ziehen. Schon 2014 vermuteten Forscher, dass es sich um sogenannte zentrale Bruchlinien handeln könnte – also Stellen, an denen Wasser besonders leicht durch Gesteinsrisse sickerte und Mineralien konzentrierte. Die aktuellen Untersuchungen vor Ort bestätigen diese Annahme.
Zusätzlich entdeckte der Rover kleine, knollenartige Erhebungen im Gestein. Solche Strukturen gelten als deutliches Zeichen für früheres Grundwasser und wurden auch bei anderen Marsmissionen beobachtet. Überraschend ist allerdings, dass sie nicht direkt an den zentralen Bruchlinien auftreten, sondern an den Wänden der Felsrücken und in den Vertiefungen dazwischen. Warum das so ist, können die Wissenschaftler derzeit noch nicht eindeutig erklären.
Analysen deuten auf Wasser hin
Curiosity untersuchte außerdem mehrere Gesteinsproben aus der Region. Mit einem Bohrer am Roboterarm wurde das Gestein zu Pulver verarbeitet und im Inneren des Rovers analysiert – unter anderem mit Röntgenmessungen und einem Hochtemperaturofen. Dabei fanden die Forscher in den Felsrücken Tonminerale, in den Mulden dagegen Karbonatminerale. Beide liefern Hinweise darauf, wie Wasser einst mit dem Gestein reagierte.
Die „Spinnennetz“-Region liegt am Hang des rund fünf Kilometer hohen Berges Mount Sharp, den Curiosity seit Jahren Stück für Stück erklimmt. Jede Schicht dieses Berges entstand in einer anderen Phase der Mars-Geschichte. Je höher der Rover steigt, desto deutlicher werden die Spuren einer Welt, in der Wasser allmählich verschwand.
Leben könnte möglich gewesen sein
Dass sich die Boxwork-Strukturen so weit oben am Berg befinden, deutet laut NASA darauf hin, dass der Grundwasserspiegel einst relativ hoch gewesen sein muss. Das wiederum könnte bedeuten, dass lebensfreundliche Bedingungen länger anhielten als bislang aus Aufnahmen aus dem Orbit geschlossen wurde.
Im März soll Curiosity das Gebiet verlassen. Die Region gehört zu einer Gesteinsschicht, die reich an Sulfaten ist – salzhaltigen Mineralien, die entstanden, als das Wasser auf dem Mars weiter austrocknete.
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