Polizist im Visier

Schwere Mobbingvorwürfe gegen Spitzenbeamten

Steiermark
25.02.2026 05:00

Ein hochrangiger steirischer Polizeibeamter soll eine Abteilungsleiterin über Jahre hinweg schikaniert und sogar ausspionieren haben lassen. 43 Vorfälle sind in einer Anzeige aufgelistet. Eine interne Prüfung der Anschuldigungen läuft.

Für Aufsehen sorgt die Anzeige gegen einen hochrangigen Polizeibeamten, die in den allgemeinen E-Mail-Posteingang der Landespolizeidirektion (LPD) rutschte und so für zahlreiche Bedienstete abrufbar war. Wie gemeinsame Recherchen von „Steirerkrone“ und APA ergaben, erhebt eine Abteilungsleiterin Mobbing-Vorwürfe gegen ihren Vorgesetzten, der disziplinär schon einmal verurteilt worden ist.

„Mobbingtagebuch“ geführt
Auch die Frau selbst war in einem Verfahren von der Bundesdisziplinarbehörde schon einmal schuldig gesprochen worden: Ihre Stellvertreterin, die dem besagten Vorgesetzten gut gesinnt sein soll, fühlte sich von ihr denunziert. Dagegen legte sie allerdings Beschwerde ein – und wurde vom Bundesverwaltungsgericht daraufhin freigesprochen. Die Richter des Senats hatte irritiert, dass die Stellvertreterin von ihrem ersten Arbeitstag an ein „Mobbingtagebuch“ gegen ihre Chefin führte, was „mit besonderer Vorsicht zu betrachten“ sei.

Mitarbeiterin ausspioniert?
Die Liste der nunmehrigen Vorwürfe gegen den steirischen Spitzenbeamten umfasst gleich 43 Punkte. Teils haarsträubende Situationen sollen sich abgespielt haben: Unter anderem soll er seine Mitarbeiterin nicht zur Beerdigung einer Kollegin gehen haben lassen, mit der Begründung, sie solle zuerst „ihre Aufgaben erledigen“. Er selbst sei sehr wohl beim Begräbnis gewesen und habe dort über sie geschimpft, heißt es in der Anzeige.

Die Causa wird bei der Landespolizeidirektion Steiermark intern geprüft.
Die Causa wird bei der Landespolizeidirektion Steiermark intern geprüft.(Bild: Christian Jauschowetz)

Außerdem habe sie der Beamte von ihrer Stellvertreterin „ausspionieren“ lassen. Und: Er habe von ihr ausgesprochene Weisungen aufgehoben, ohne sie zu informieren, und persönliche Gespräche gänzlich eingestellt. Bei seinem Geburtstagsfrühstück soll er zudem alle, mit Ausnahme der Betroffenen, begrüßt haben.

Einmal sei sie zudem von ihrem Vorgesetzten getadelt worden, da sie ihn nicht über eine Dienstreise nach Wien informiert hätte. Jedoch stellte sich heraus, dass sie ihn sehr wohl darüber unterrichtet hatte. Die Reaktion ihres Chefs laut der vorliegenden Anzeige: Er könne sich schließlich nicht an alles erinnern ...

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Die Behauptungen basieren auf der persönlichen Einschätzung der Abteilungsleiterin und sind naturgemäß subjektiv.

Der beschuldigte Spitzenbeamte

„Führungskraft von Aufsicht entbunden“
Anwalt Andreas Kleinbichler, der die betroffene Frau vertritt, wollte sich vorerst nicht äußern. Sehr wohl aber der Beschuldigte, der von „subjektiven, unrichtigen Behauptungen“ gegen sich spricht und auf Verbesserungsbedarf in der Kommunikation in ihrer Abteilung hinweist.

Der steirische Polizeichef Gerald Ortner wiederum beteuert, es hätte mehrere Gespräche gegeben, die jedoch zu keiner „nachhaltigen Lösung“ geführt hätten. Bis zur Klärung des Sachverhalts werde der Beschuldigte von der Dienst- und Fachaufsicht gegenüber der Frau aber entbunden.

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Die mit den Vorwürfen konfrontierte Führungskraft wurde bis zur Klärung von der Dienst- und Fachaufsicht gegenüber der betreffenden Mitarbeiterin entbunden.

Landespolizeidirektor Gerald Ortner

Geprüft wird der Fall übrigens in der LPD intern. Befangen sei die prüfende Person nicht, da sie einem anderen Geschäftsbereich als der Beschuldigte zuzuordnen sei.

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