Die große Enttäuschung nach Platz acht im Einsitzerbewerb, das Baby, die Olympiamedaille: und das alles innerhalb von vier Tagen. „Es war wirklich eine Achterbahn der Gefühle“, grinst Wolfgang Kindl nach Silber im Rodel-Doppelsitzerbewerb mit Thomas Steu. Sein frischgeborenes Baby muss aber noch warten ...
„Nach dem versemmelten Einsitzerrennen war ich sehr deprimiert und sehr am Boden. Dann am nächsten Tag die freudige Nachricht, dass der Nachwuchs zwei Monate zu früh gekommen ist. Und megageil, dass wir es heute geschafft haben, in unserem ersten gemeinsamen olympischen Rennen“, fasste Kindl die letzten Tage zusammen.
An Tagen wie diesen kann es schon vorkommen, dass auch ein Wolfgang Kindl nicht weiß, wohin mit seinen Emotionen. Als wäre es nicht schon aufregend genug, während Olympischer Spiele Vater einer Tochter zu werden, darf auch eine Silbermedaille im Rodel-Doppelsitzerbewerb mit Thomas Steu bejubelt werden. Jene Disziplin, die er 2023 und damit spät in der Karriere für sich entdeckt hat. Als er mit 35 Jahren bereits in einem Alter war, in dem andere ihre Karriere beenden.
Baby-Kennenlernen vertagt
Freilich waren es keine einfachen Tage, denn seine Frau kam bereits einen Tag nach seiner Abreise zu den Spielen ins Krankenhaus, erzählte Kindl. „Das war schon auch ein bissl im Hinterkopf. Ich war einfach megahappy, dass alle gesund, munter und wohlauf sind und es beiden gut geht. Mein Sohn Luis ist heute hier gewesen. Es war cool, dass er dabei sein konnte.“ Für Steu war alles zusammen „brutal erfreulich“, er schaue sich auch gern Babyfotos an. „Wir teilen relativ viel miteinander. Wir reden über alles. Mein Bua Luis ist ein großer Fan vom Thommy. Es passt einfach“, sagte Kindl.
Zuhause sei alles im grünen Bereich, erklärte er. „Sie sind in guten Händen. Meine Frau hat auch gleich gesagt: Sie hat ihren Job zu erledigen und ich habe meinen hier zu machen. Sie hat mir abgeraten, heimzukommen. Ich habe kurz überlegt, heimzufahren, habe mich aber entschieden, dass es wichtiger ist, dass wir uns auf heute konzentrieren. Nach der Saison habe ich genug Zeit aufs Kennenlernen daheim und die Zeit mit ihnen zu verbringen.“
Aus einem Scherz wurde eine Olympiamedaille
Als Kindl/Steu ihr Doppelsitzerabenteuer begannen, wussten sie nicht, ob das funktionieren wird. „Dann haben wir den Gesamtweltcup gewonnen, wurden zweimal Europameister und Vizeweltmeister. Wir haben schon einige Erfolge gehabt, aber eine Olympiamedaille ist nicht alltäglich. Wir sind unglaublich stolz“, sagte Kindl. Begonnen hat alles aus einem Scherz heraus, der allerdings vor vielen Jahren gemacht wurde. Als dann Steu-Partner Lorenz Koller die Karriere beendete, wurde ernsthaft geredet. „Wir haben es probiert und in der ersten Saison den Gesamtweltcup gewonnen“, erinnert Steu.
Es ist das ganz große Ziel von Kindl gewesen, sich im Einsitzer und Doppelsitzer für Cortina zu qualifizieren. Dabei war die Weltcupsaison mit zwei Podestplätzen im Doppelsitzer nicht wunschgemäß verlaufen und die Qualifikation erst kurz vor der Olympianominierung fixiert. „Wir haben es uns erarbeitet. Es ist nichts von selber gegangen, aber vielleicht hat es das gebraucht“, sagte Kindl, der Einsitzer-Silberne von Peking 2022.
Teamstaffel als Schlusspunkt
Am Donnerstag steht noch die Teamstaffel auf dem Programm. „Wenn alle die Leistung abrufen, können wir mit dem Team Österreich absolut um die Medaillen mitfahren. Es wird knapp und ein spannendes Rennen, es sind einige Nationen schnell. Aber wir können uns auf morgen freuen“, sagte Kindl. Steu/Kindl bilden mit Lisa Schulte, Einsitzer-Silbermedaillengewinner Jonas Müller und den Bronzemedaillengewinnerinnen Selina Egle/Lara Kipp ein Team.
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