Paukenschlag am zweiten Verhandlungstag um die Millionenpleite des Immobilienunternehmens Wienwert: Wiens Ex-ÖVP-Chef Karl Mahrer „räumt Fehler“ ein, will Verantwortung übernehmen. Er beantragt im Landl eine Diversion – das wird ihm gegen Zahlung gewährt.
Zweiter Verhandlungstag in der Causa Wienwert und schon zeigen sich die Beteiligten minimiert: Der Hauptangeklagte Stefan Gruze ist krank. SPÖ-Bezirksvorsteher Ernst Nevrivys Anwalt ist verhindert, deswegen sind beide nicht anwesend. Außerdem hat sich am Ende des ersten Prozesstags eine Hauptschöffin aus persönlichen Gründen entheben lassen. Dabei wurde es am Ende der Eröffnungsplädoyers spannend.
Verantwortungsübernahme
Der ehemalige Wiener ÖVP-Chef Karl Mahrer beantragt nämlich eine Diversion. Hand in Hand muss damit zumindest eine Verantwortungsübernahme für die Geschehnisse gehen. Die WKStA wirft Mahrer und seiner Ehefrau vor, die PR-Agentur der Frau habe 84.000 Euro von der Wienwert-Gruppe erhalten. Wirtschaftliche Gegenleistungen hätte es nicht gegeben. Dadurch hätte Gruze den politischen Einfluss von Mahrer nutzbar machen wollen. Die Anklagebehörde qualifiziert das als Beitrag zur Untreue.
Der Anwalt des Ehepaars Mahrer, Oliver Scherbaum, erklärt, dass seine Mandanten zwar einen Fehler einräumen, es sich aber eher um eine „ethische Schuld“ handeln würde – nicht um eine strafrechtliche. Am Nachmittag entscheidet sich der Schöffensenat für eine Diversion.
1800 Anleger um 41 Millionen Euro geschädigt
Gegen die Hauptangeklagten wird wohl noch eine Weile verhandelt werden. Gruze räumt zwar eine Teilschuld ein, eine Vielzahl an Zeugen und Gutachten wird es aber wohl trotzdem brauchen. Ihm und zwei weiteren ehemaligen Vorständen wird im Kern vorgworfen, die miserable wirtschaftliche Lage der Wienwert besser dargestellt und so Anleger betrogen zu haben. Über 1800 Anleger wurden so um insgesamt rund 41 Millionen Euro geschädigt.
Ebenfalls auf der Anklagebank sitzt der mittlerweile insolvente Immobilienunternehmer Klemens Hallmann. Dem die WKStA illegale Deals mit der Wienwert-Gruppe vorwirft. So habe er eine Liegenschaft in der Wiener Innenstadt von der Immobilienfirma viel zu billig erworben – über die wirtschaftliche Lage hätte er Bescheid gewusst. Eine Liegenschaft in Tulln (NÖ) habe er sich wiederrum viel zu teuer von der Wienwert abkaufen lassen. Sein Verteidiger Lukas Kollmann bringt vor, dass Hallmann als unmittelbarer Konkurrent ja gar keinen Einblick in die Geschäftsbücher der Wienwert-Gruppe gehabt hätte.
Auch die sieben weiteren angeklagten Personen bekennen sich großteils nicht schuldig. Darunter SPÖ-Bezirksvorsteher der Wiener Donaustadt Ernst Nevrivy. Gegen Fußball-VIP-Tickets und mehr habe er Stefan Gruze geheime Infos zu einer Liegenschaft im 22. Bezirk gegeben und so die Stadt um 850.000 Euro geschädigt. Am Montag wird weiterverhandelt.
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