„Extrem ungewöhnlich“
Zugkatastrophe in Spanien gibt viele Rätsel auf
Bei dem fatalen Zugunglück in Spanien kamen Dutzende Menschen ums Leben – wie es zu der Tragödie kommen konnte, wirft indes viele Fragen auf. Spaniens Verkehrsminister bezeichnete sie als „extrem ungewöhnlich“: Der Zug war neu, die Strecke frisch renoviert und die Strecke gerade.
Am Sonntag um 19.39 Uhr entgleiste ein Hochgeschwindigkeitszug auf dem Weg von Málaga nach Madrid an dem Ort Adamuz und stieß mit einem entgegenkommenden Zug zusammen – krone.at berichtete. „Es fühlte sich wie ein Erdbeben an, und der Zug war tatsächlich entgleist“, schilderte ein Journalist, der sich an Bord befand, gegenüber der „Welt“. Viele Passagiere wurden eingeklemmt, andere versuchten sich mit Notfallhämmern aus den Wracks zu befreien. 500 Passagiere befanden sich in den verunglückten Zügen, mindestens 39 Menschen starben.
Überlebende: „Überall war Blut“
Es gab eine Vollbremsung, es wurde stockdunkel. Ich fiel kopfüber aus dem „Sitz. Menschen und Gepäck flogen durch die Luft, es gab Schreie, weinende Kinder, überall war Blut“, beschrieb eine weitere Passagierin die dramatischen Momente im Interview des TV-Senders RTVE. Das Unglück hatte sich in einem schwer zugänglichen Gebiet ereignet, was den Rettungseinsatz zusätzlich erschwerte. „Das Ausmaß der Zerstörung war zudem groß. Es herrschte überall Chaos, wir haben es mit offenen Brüchen zu tun“, so Feuerwehrleiter Paco Carmona.
„Das ist schon ein extrem ungewöhnlicher Unfall“, stellte Verkehrsminister Óscar Puente fest. Das Drama wirft einige Fragen auf. „Gerade Strecke, ein ziemlich neuer Zug, ein erst jüngst mit einer Investition von 700 Millionen Euro renovierter Streckenteil“, fasste der Politiker die Fakten zusammen.
Hersteller: Zug wurde vier Tage vor Unglück untersucht
Puente erklärte, dass man nun auf die Ermittlungsergebnisse warten müsse. Der Unglückszug war erst etwa vier Jahre alt, also „relativ neu“, wunderte sich Puente. Der Hersteller Iryo berichtete zudem, dass der Zug zuletzt am 15. Januar, also nur vier Tage vor dem Unglück, untersucht worden sei. Das Unternehmen versprach, uneingeschränkt mit den Behörden zu kooperieren und alle notwendigen Unterlagen zur Verfügung zu stellen, um die Ermittlungen zu unterstützen.
Sicherheitssystem hätte Unfall verhindern müssen
Auch Experten haben keine Erklärung für die Katastrophe: So ein Unglück hätte automatisch vom Sicherheitssystem verhindert werden müssen, ohne dass der Lokführer eingreifen muss, erklärte der Ingenieur Jorge Trigueros.
Indes wird befürchtet, dass die Anzahl an Todesopfern noch steigen könnte: Mehr als 70 Opfer mussten in Spitälern behandelt werden und wurden in der Nacht noch notoperiert. Regionalpräsident Juanma Moreno erklärte, in den frühen Montagmorgenstunden, dass in den „Trümmerhaufen aus Metall“ weitere Leichen liegen könnten. Die Rettungs- und Räumungsarbeiten wurden die ganze Nacht fortgesetzt.
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sicherte schnelle Hilfe zu. „Heute ist eine Nacht tiefen Schmerzes für unser Land“, schrieb er auf der Plattform X. Neben dem Königshaus in Madrid und vielen anderen sprach auch die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, den Familien und Angehörigen der Opfer sowie dem spanischen Volk ihr Beileid aus. „In dieser Nacht seid ihr in meinen Gedanken“, schrieb sie auf X auf Spanisch.
Angehörige erhalten psychologische Betreuung
Das Rote Kreuz half nicht nur den betroffenen Passagieren und Bahn-Mitarbeitern mit psychologischer Betreuung, sondern auch traumatisierten Angehörigen und Freunden der Opfer, die etwa im Madrider Bahnhof Atocha oder in Huelva vergeblich warteten.
In ganz Spanien, vor allem aber in Galicien wurden Erinnerungen an ein schlimmes Unglück vom 24. Juli 2013 wach. Ein Zug entgleiste damals in Angrois wenige Kilometer vor Santiago de Compostela mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit an einer Kurve. 80 Menschen kamen ums Leben.










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