„Weg in Sozialhilfe“

Mehrheit der Schulanfänger kann kaum Deutsch

Wien
07.01.2026 16:55

Alarm aus den Wiener Volksschulen: Mehr als die Hälfte der Schulanfänger gilt als „außerordentlich“. Die meisten sind hier geboren, viele besuchten jahrelang einen Kindergarten – und können dennoch kaum Deutsch.

Es sind Zahlen, die selbst bei abgebrühten Bildungsexperten die Alarmglocken schrillen lassen müssen: Mit dem Stichtag 1. Oktober 2025 waren in Wiens öffentlichen Volksschulen 50,9 Prozent der Schulanfänger außerordentliche Schüler. Übersetzt heißt das: Jedes zweite Kind, das das schulpflichtige Alter erreichte, kann dem Unterricht nicht folgen, weil die Deutschkenntnisse fehlen.

Daten mühsam zusammengetragen
Die Daten stammen aus Anfragebeantwortungen der zuständigen Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (NEOS) sowie einer Anfragebeantwortung nach dem Informationsfreiheitsgesetz und wurden von ÖVP-Bildungssprecher Harald Zierfuß über Jahre zusammengetragen. Das Bild ist düster – und es wird von Jahr zu Jahr dunkler. 2020 lag der Anteil der außerordentlichen Schulanfänger noch bei 41 Prozent. Fünf Jahre später ist die symbolische 50-Prozent-Marke gefallen.

(Bild: Krone KREATIV)

60 Prozent sind in Österreich geboren
Brisant: Die Mehrheit dieser Kinder ist in Österreich geboren. Bei den außerordentlichen Schulanfängern geben fast 60 Prozent „Geburtsland Österreich“ an. Rund ein Viertel besitzt sogar die österreichische Staatsbürgerschaft. Das Argument vom „frisch zugewanderten Kind ohne Deutschkenntnisse“ greift hier zu kurz. Es geht um ein hausgemachtes Wiener Problem. ÖVP-Landesparteiobmann Markus Figl wagt eine Prognose: „Wenn Kinder nicht ausreichend Deutsch können, haben sie im Bildungssystem weniger Chancen und sind die Mindestsicherungsbezieher von morgen.“

Zitat Icon

Wenn Kinder nicht ausreichend Deutsch können, haben sie im Bildungssystem weniger Chancen und sind die Mindestsicherungsbezieher von morgen.

ÖVP-Landesparteiobmann Markus Figl

Misere fängt früh an
Der Blick in die Kindergärten beruhigt nicht, im Gegenteil. Die meisten dieser Kinder haben mehr als zwei Jahre Kindergarten hinter sich. Trotzdem kommen sie sprachlich nicht an. Die Zahlen zur Sprachförderung sprechen eine klare Sprache: Von mehr als 16.800 Kindern mit festgestelltem Deutschförderbedarf im Kindergartenjahr 2024/25 erhielt rund ein Drittel keine gezielte Sprachförderung durch entsprechende Fachkräfte.

Was sind außerordentliche Schüler?

Als außerordentliche Schüler werden Kinder bezeichnet, deren Deutschkenntnisse so schlecht sind, dass sie dem Unterricht nicht folgen können. In einer 1. Klasse in Margareten etwa würden aktuell von 22 Kindern nur fünf den Lehrer ausreichend verstehen.

„Pro Klasse verstehen nur fünf Kinder den Lehrer“
Besonders drastisch zeigt sich die Lage in einzelnen Bezirken. In Margareten beginnen 76,6 Prozent der Schulanfänger ihre Laufbahn als außerordentliche Schüler. In Favoriten, Brigittenau oder Ottakring liegen die Quoten teils jenseits der 70 Prozent. Zierfuß rechnet vor: „In einer durchschnittlichen Klasse mit 22 Kindern verstehen dort oft nur fünf den Lehrer wirklich.“

(Bild: Krone KREATIV)

ÖVP mit Acht-Punkte-Plan
Die Wiener Volkspartei fordert daher einen radikalen Kurswechsel. Kernpunkte sind verpflichtende Sprachstandserhebungen für alle Kinder ab drei Jahren, eine verbindliche Kindergartenpflicht für Kinder mit festgestelltem Deutschförderbedarf sowie eine Ausweitung der Besuchszeit auf 30 Wochenstunden statt bloßer Einladungen.

Zitat Icon

Im Zuge des Sonderlandtages werden wir auch unsere Forderungen einbringen. Wir brauchen eine Veränderung für die Zukunft unserer Stadt.

ÖVP-Klubobmann Harald Zierfuß

Zudem verlangt die ÖVP den raschen Ausbau auf 1000 Sprachförderkräfte, nachdem aktuell rund ein Drittel der betroffenen Kinder keine gezielte Förderung erhält. Die Kindergartenförderung soll künftig an messbare Qualität der Deutschvermittlung gekoppelt werden, flankiert von strengeren Kontrollen auffälliger Einrichtungen.

Weiters fordert die Partei, dass sämtliches Kindergartenpersonal Deutsch auf hohem Niveau beherrscht und der Fachkraft-Kind-Schlüssel verbessert wird. Das Ziel sei klar, so Zierfuß: „Jedes Kind, das hier geboren wird, muss vor dem Schuleintritt ausreichend Deutsch können – alles andere ist verantwortungslos.“

Die ÖVP hat dazu bereits eine Sondersitzung des Wiener Landtags verlangt. Zierfuß warnt: „Wenn wir diesen Turnaround jetzt nicht schaffen, ist er irgendwann nicht mehr möglich.“

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt