Stadtgerücht 2026

Scharf und knackig: Sie machen Alltag zur Satire

Kärnten
01.01.2026 20:00

Noch proben sie, Köpfe rauchen, Schweiß rinnt; am 16. Jänner soll zur Premiere des Stadtgerüchtes 2026 Politik und Alltag lachtränentreibend verhandelt werden. Über die wahre Bedeutung von Restkarten und was sich die Schöffen erwarten dürfen...

„Wenn die ,Stille Zeit‘ vorbei ist, dann wird es auch wieder ruhiger“, sagte der Komiker Karl Valentin. Das trifft jedoch nicht auf die Stadtrichter zu, denn die tauchen nach Weihnachten stets in die intensive Phase ein: Proben, Proben, Proben.

Die Ideenfindung ist längst abgeschlossen, Nummern wurden geschrieben, umgeschrieben, gekürzt und optimiert. Nun gilt es, jede Pointe auf den Punkt zu bringen – mit Worten, Mimik und Gestik.

„Kurz und knackig“
Derzeit wird Nummer für Nummer im Probenraum am Messegelände einstudiert. „Wir proben mehr als 20 Nummern. Und die Sitzung wird kurz und knackig“, verspricht Spielleiter Harald Janesch. „Es gibt Musik – beispielsweise in einer Schlagernummer und einer Oper -, Politik und Alltagsgeschichten.“ Details werden noch nicht verraten, aber einige Fans können aufatmen und sich in Vorfreude baden: Der Birgamasta von Rosntol, Willi Noll, gibt wieder einen Einblick in seine Politik und sein Leben.

Erich Preckl, Werner Ortitsch und Regisseur Heiner Zaucher bei einer Probe für das Stadtgerücht ...
Erich Preckl, Werner Ortitsch und Regisseur Heiner Zaucher bei einer Probe für das Stadtgerücht 2026.(Bild: Stadtrichter zu Clagenfurth/ H. R.)
Willi Noll als Birgamasta von Rosntol: Wovon weiß er heuer zu berichten?
Willi Noll als Birgamasta von Rosntol: Wovon weiß er heuer zu berichten?(Bild: Dieter Arbeiter)
Im Vorjahr wurde die Bundespolitik in einer Faschingsoper aufgearbeitet – gesungen wird auch ...
Im Vorjahr wurde die Bundespolitik in einer Faschingsoper aufgearbeitet – gesungen wird auch heuer, worüber bleibt noch geheim.(Bild: Dieter Arbeiter)
Der Stadtsenat: Vielerorts hört man sagen, die Realität in der Klagenfurter Politik hätte alles, ...
Der Stadtsenat: Vielerorts hört man sagen, die Realität in der Klagenfurter Politik hätte alles, was die Satire bieten kann, längst übertroffen. Wir sind gespannt, wie die Stadtrichter auf Klagenfurt blicken.(Bild: Dieter Arbeiter)

Die verblüffende Zaubershow von Hans Repnig und Adi Rasperger wird auch bei diesem Stadtgerücht für Lacher sorgen. Und die Suetschach Harmonists unterbrechen wieder einmal ihre Welttournee, um die Klagenfurter Messearena zum Beben zu bringen. Der Scharfrichter, verkörpert von Harald Janesch, dürfte ob der Vorkommnisse im Jahr 2025 besonders scharf werden. Und auch, wenn die Realität manchmal von der Satire nicht mehr übertroffen werden kann: „Der Stadtsenat“ über die Politik in Klagenfurt steht 2026 wieder auf dem Programm. 

Neben den bewährten und beliebten Stadtrichtern werden auch neue Gesichter auf der Bühne zu sehen sein. Ihre erste Bewährung ist für angehende Stadtrichter stets der Running Gag.

Zitat Icon

Nur noch für einige wenige der neun Sitzungen gibt es Restkarten; Restkarten hat in dem Fall wirklich seine Bedeutung.

Stadtrichter Hans Repnig 

Fadesse – Umzug – Stadtgerücht
Wie alles begann...

Am Faschingsdienstag im Jahr 1963 hatte Hubert Struger in Klagenfurt eine Initiative gegen die Fadesse ins Leben gerufen. „Die fröhlichen Stadtrichter“ wurden am 2. März 1964 gegründet. Jahrelang wurde ein Faschingsumzug organisiert, seit 1972 tagt das heute noch so beliebte – bei Politikern vielleicht auch gefürchtete – Stadtgerücht.

In Klagenfurt gab es bereits im 14. Jahrhundert Stadtrichter, die waren jedoch nicht unbedingt unterhaltsam. Sie waren oberste Verwaltungsbeamte und Richter, bestätigten Haus- und Grundstücksverkäufe, sprachen nach Diebstahl, Raub und Mord Urteile.

Neun Verhandlungen

Premiere feiert das Klagenfurter Stadtgerücht 2026 am Freitag, 16. Jänner; in der Messearena in Klagenfurt sind bis 14. Februar weitere acht Verhandlungen anberaumt – noch Vorladungen zu bekommen, ist allerdings ein Glücksspiel...

Restkarten-Verkauf bei Gruber Reisen, Walther-von-der-Vogelweide-Platz 3 in Klagenfurt.

Die Stadtrichter im Mittelalter wurden von den Bürgern gewählt, die Stadtrichter heute werden ebenfalls gewählt: Wer Talent für die Bühne und für die Organisation mitbringt, muss dies beweisen – als Gast, als Proband und danach als Aspirant. Wird im Verein stets für ihn gestimmt, kann er bleiben und trägt das Ornat.

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