Österreichs Abnehmer

Italien prüft Verbot von Pferdeschlachtungen

Ausland
18.02.2026 21:00

Zum ersten Mal prüft das italienische Parlament einen Gesetzentwurf, der Pferde und Maultiere als Haustiere einstuft und folglich deren Schlachtung sowie Nutzung zu Nahrungszwecken verbietet. Dies könnte auch Österreich betreffen, denn jedes Jahr gehen zahlreiche Fohlen, besonders Haflinger und Noriker, welche nicht als Reit- oder Zuchtpferde verkauft werden, nach Italien in die Schlachtung. 

Der Gesetzentwurf biete eine „außerordentliche Gelegenheit, einen kulturellen Wandel zu verwirklichen, der bereits im Herzen der Mehrheit der Italiener verankert ist“, erklärte die Parlamentarierin und Tierschützerin Michela Vittoria Brambilla, Initiatorin des Entwurfs.

Pferdefleischkonsum soll untersagt werden
Der Entwurf umfasst 13 Artikel und sieht ein umfassendes Schutzsystem vor: Untersagt werden die Schlachtung, der Export zu Schlachtzwecken, der Verkauf und Konsum von Fleisch, die Teilnahme an gefährlichen oder stressigen Aufführungen, übermäßige Ausbeutung, Nutzung zu wissenschaftlichen Experimenten einschließlich Klonen sowie jede Tätigkeit, die der Würde oder physischen Leistungsfähigkeit von Equiden widerspricht.

Pferdeschlachtungen seit 2012 rückläufig
Laut dem italienischen Statistikamt Istat ist die Zahl der Pferdeschlachtungen seit 2012 von über 70.000 auf rund 22.000 im Jahr 2024 stark zurückgegangen. Eine Umfrage von Ipsos aus Mai zeigt zudem, dass der Konsum von Pferdefleisch in Italien minimal ist: Nur 17 Prozent der Fleischkonsumenten geben an, mindestens einmal im Monat Pferdefleisch zu essen. Unter den Nicht-Konsumenten nennen 42 Prozent Mitgefühl gegenüber den Tieren als Grund, 31 Prozent betrachten sie bereits als „Haustiere“.

  Die Südtiroler Senatorin Julia Unterberger, Unterstützerin des Gesetzentwurfs, betonte, dass die Anerkennung von Equiden als Haustiere in eine rechtliche Entwicklung falle, die den Tierschutz in Italien über Jahre kontinuierlich gestärkt habe. Die Schlachtung von Hunden und Katzen sei bereits durch die Kombination aus dem Strafrecht und dem Rahmengesetz über Haustiere verboten. Jüngste Änderungen hätten die Strafen für unberechtigtes Töten von Tieren weiter verschärft.

Pferdefleisch gehört in Italien zur traditionellen Küche, doch auch dort geht die Nachtfrage ...
Pferdefleisch gehört in Italien zur traditionellen Küche, doch auch dort geht die Nachtfrage zurück.(Bild: APA/Caroline Seidel)

Traditionelle Gerichte in Italiens Küche
Der Gesetzentwurf stößt jedoch auch auf Kritik. Unter anderem äußerte sich der Vizepräsident des Senats und Ex-Landwirtschaftsminister Gian Marco Centinaio (Lega) ablehnend. „Ein Verbot des Pferdefleischkonsums würde ein Stück Geschichte der italienischen Küche – Teil des UNESCO-Weltkulturerbes – und auch der Identität bestimmter Regionen auslöschen. Deshalb kann ich die derzeit in der Abgeordnetenkammer diskutierten Gesetzesvorschläge nicht unterstützen“, sagte Centinaio.

Der Senator verwies auf traditionelle Gerichte wie die „Pastissada“ von Verona, Fleischbällchen aus Catania oder den Eselschmorbraten in der Lombardei. Pferde- und Eselfleisch sei seit Jahrhunderten Teil der italienischen Esskultur und habe sich als feste Tradition etabliert. „Ich respektiere die Entscheidung derjenigen, die aus emotionalen, moralischen oder ideologischen Gründen keine Produkte bestimmter oder aller Tiere konsumieren möchten. Aber ich halte es für richtig, denselben Respekt für die Kultur vieler lokaler Gemeinschaften einzufordern, die sich auch über ihre traditionellen Gerichte definiert“, so der Senator.

Großer Abnehmer heimischer Fohlen
Sollte Italien tatsächlich die Schlachtung von Pferden verbieten, dürfte das auf den österreichischen Pferdemarkt durchaus Auswirkungen haben. Denn unsere südlichen Nachbarn gelten gemeinhin als die Hauptabnehmer der Haflinger- und Norikerfohlen, welche in Österreich und Deutschland auf den Auktionen „übrig bleiben“. Tierschützer kritisieren diese Gebarungen seit Jahren, da die Tiere oft zu jung von ihren Müttern getrennt und auf lange Transporte geschickt werden.

Zudem ortet die Organisation „Animal Spirit“, die sich seit Jahren dem Thema Schlachtfohlenrettung widmet, eine „Überproduktion“ durch EU-Subventionen: „Die Empfehlung der Zuchtverbände, Stuten nicht ,leer stehen‘ zu lassen, führt jedes Jahr wieder zu dieser Überproduktion von Haflinger- und Norikerfohlen. Dazu kommen noch diverse Subventionen bzw. Prämien der Zuchtverbände für sog. Elitefohlen, wodurch die Weiterzucht erst rentabel wird.“

Tatsächlich wurden in Österreich im Jahr 2024 958 Haflinger- und 1616 Norikerfohlen geboren. Wie viele davon tatsächlich als Schlachtpferde enden, ist nicht bekannt. 

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