Kind aus Babynest

Adoptiveltern: „Wir sind dieser Frau so dankbar“

Wien
27.11.2025 19:00

Der neugeborene Michael wurde vor der Wiener Klinik Ottakring von seiner leiblichen Mutter abgegeben. Vom Babynest kam er schließlich in die liebevolle Familie M. 

Gewalt, Überforderung – es gibt zahlreiche Gründe, warum Mütter ihre Kinder nicht selbst aufziehen können. Für einige ist der letzte Ausweg das Babynest.

Seit 25 Jahren bietet dieses vor der Klinik Ottakring Müttern die Möglichkeit, ihr Neugeborenes sicher, straffrei und anonym abzugeben. Es wird rund um die Uhr videoüberwacht, jedoch werden nur die Hände gefilmt. Sobald sich die Türe öffnet, wird ein Sensor ausgelöst, das Baby sofort medizinisch erstversorgt und in die Obhut einer Pflege- oder Adoptivfamilie übergeben.

Die Babys (Symbolbild) werden sofort medizinisch versorgt.
Die Babys (Symbolbild) werden sofort medizinisch versorgt.(Bild: Ivan - stock.adobe.com)

Liebe auf den ersten Blick
Etwa in die von Familie M. Nach mehreren Fehlgeburten entschieden sie sich für eine Adoption. Und vor drei Jahren mitten in der Pandemie kam schließlich der heiß ersehnte Anruf: Ein Baby wurde im Babynest abgegeben, die Familie durfte es kennenlernen. „Mit Michael war es Liebe auf den ersten Blick. Wir wussten sofort, dass wir ihn nie mehr hergeben wollen würden“, erzählt der Vater. Mittlerweile ist der Kleine, der nach der Pflegekraft benannt wurde, die in dieser Nacht Dienst hatte, drei Jahre alt.

„Babynest ist Teil seines Lebens“
Denken sie oft an die Mutter und was sie dazu bewegt hat? „Hin und wieder. Wir sind dieser Frau so unfassbar dankbar und gleichzeitig sind wir für sie traurig. Es erfordert extrem viel Selbstlosigkeit, diesen Schritt zu gehen und dem eigenen Kind ein besseres Leben zu schenken“, so Vater M. Die Familie besucht jedes Jahr im November das Babynest, den Ort, an dem ihr Familienleben begann – heuer erstmals mit Michael. „Für uns ist es wichtig, dass er seine Geschichte kennt. Er weiß, dass das Babynest Teil seines Lebensbeginns ist“, sagt die Mutter.

Bis dato wurden dort 35 Babys abgegeben, zwei davon konnten später zu ihren leiblichen Eltern zurückkehren. Die gesetzliche Frist zur Rücknahme (bis acht Wochen) gibt Zeit, die Entscheidung zu überdenken.

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