Pfeifkonzerte und viele verbitterte Gesichter bei einer Betriebsräte-Konferenz mit anschließender Demo gegen die Sparpläne in der Pflege: Rund 2500 Protestierende versammelten sich am Mittwoch vor dem Brunauerzentrum in Salzburg und marschierten Richtung Landesspital. Nächstes Signal wird eine Parade vor dem Landtag.
Der Platz vorm Brunauerzentrum an der Salzburger Elisabethstraße füllt sich: Hunderte Betroffene und Menschen, die sich solidarisch erklären, sind gekommen. Darunter: Eine Gruppe vom Seniorenheim Kuchl. „Stellenausschreibungen wurden bei uns wieder gestoppt, weil kein Geld da ist“, schildert Personalvertreter Manfred Leitinger. „Einfach unerhört“, sagt eine Kollegin verbittert. Traurig macht sie vor allem, dass der Pflege-Bonus eigentlich Bundesgeld ist und jetzt nicht weitergereicht werden soll.
Der Zug wurde immer länger und machte sich auf den Weg Richtung Lehener Brücke und weiter zum Landeskrankenhaus. Rund 2500 Protestierende nahmen teil.
Die Landesregierung spart am falschen Ende der Gesellschaft. Es kann doch nicht sein, dass man in Salzburg reich und schön sein muss, um eine gesundheitliche Versorgung zu bekommen.

Mario Bandemer, Kammerrat der Auge/UG, Klinik Wehrle
Bild: Markus Tschepp
Die Solidarität mit den Kollegen ist mir in dieser furchtbaren Situation wichtig. Es ist einfach zutiefst schockierend, dass Zusagen der Politik überhaupt nicht mehr eingehalten werden.

Simone Monu, Betriebsrätin Salzburger Festspiele
Bild: Markus Tschepp
Es hatte jeder Geschichten parat, die zeigen, wie krank unser Gesundheitssystem mittlerweile ist. „Ich war gerade vier Monate im Krankenstand, zwei davon nur, weil ich auf einen Termin warten musste“, schilderte Karin Kadar vom Reha-Zentrum Großgmain bei der Betriebsrätekonferenz, zu der die Gewerkschaften vor der Demonstration mobilisiert hatten. Und sie meinte nachdenklich: „Das Ausgeliefertsein macht mit jedem etwas.“
Es betrifft nicht nur die Mitarbeiter in der Pflege, sondern alle Berufe, auch den Handel. Wenn Mitarbeiter immer länger auf Termine im Krankenhaus warten müssen, fallen sie am Arbeitsplatz aus.

Michael Wörthner, Lidl-Betriebsrat
Bild: Markus Tschepp
Auch unsere Klinik hängt an den Landeskliniken dran. Zu befürchten ist jetzt, dass mit dem regionalen Strukturplan weitere Einschnitte wie Bettenkürzungen kommen. Helfen wir zusammen! Es reicht!

Christian Freisinger, Betriebsrat Barmherzige Brüder
Bild: Markus Tschepp
Was vor allem auch aufregt, ist die Rechtfertigung des Landes, dass die Alternative zum Wegfall des Pflege-Bonus Stellenkürzungen gewesen wären. „Und das in Zeiten, wo überall die Pflegekräfte fehlen“, schimpfen Personalvertreter und geben zu bedenken: „Wer trägt die Verantwortung, wenn das ganze System kippt?“ Der neue rote Boss Peter Eder, mit Armschiene nach einem Eingriff, erinnerte daran, dass keine einzige Pflegekraft die Budgetkrise zu verantworten habe.
Nächste Schritte im Protest stehen fest
Die Beschäftigten aus Pflege und Betreuung wollen jetzt jedenfalls nicht leiser werden. Nächster Schritt: Wenn Ende November der Landtag zum Budget-Ausschuss zusammenkommt, soll vorm Chiemseehof eine Pflege-Parade stattfinden.
Die Entscheidung, ausgerechnet bei Pflegemitarbeitern zu sparen, nimmt nicht nur ihnen Durchhaltevermögen im Alltag. Es betrifft uns alle – von jung bis älter. Jene, die auf einen Termin im Spital warten. Jene, die doch Geld hinblättern, weil sie Schmerzen haben und drankommen wollen. Jene, die Großeltern im Seniorenheim gut betreut wissen wollen. Und wenn dann in der politischen Diskussion mitschwingt, dass bei der Wirtschaft lieber vorsichtiger gespart wird und bei der Pflege radikal, stimmt das noch nachdenklicher. Gute Pflegequalität – dann, wenn Menschen auf das Wesentliche reduziert sind – heißt noch viel mehr.
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