Düster und spannend

"Batman: Arkham Origins" - der junge Wilde ist los

Spiele
01.11.2013 09:00
Der dunkle Ritter ist zurück - und zwar jünger und ungestümer. "Batman: Arkham Origins" erzählt die Vorgeschichte zu den wunderbaren Batman-Spielen des Entwicklerstudios Rocksteady, "Arkham Asylum" und "Arkham City". Diesmal durfte allerdings, bis auf die erneut von Rocksteady zugelieferte Story, ein neues Studio ran, Warner Bros. Games Montreal.

"Batman: Arkham Origins", der neueste Teil der Reihe rund um den dunklen Rächer, zeigt - lange vor "Arkham Asylum" - einen jüngeren, hitzköpfigeren Batman. Kein Wunder, ist er doch erst seit zwei Jahren "im Amt" und vor allem der Bevölkerung von Gotham noch kein Begriff - die meisten, inklusive der Polizei, halten ihn für eine Erfindung. Nur die Schurken der Stadt haben begriffen, welche Gefahr von der Fledermaus für sie ausgeht, daher setzt Obergangster Black Mask ausgerechnet am Weihnachtsabend die acht besten Assassinen der Umgebung auf Batman an.

Tolle Story, heiße Kämpfe
So kommt die Handlung nach dem eher langweiligen Start dann auch in Fahrt. Bis zum Schluss wartet sie immer wieder mit Überraschungen auf, sie ist düster und mit interessanten Charakteren gespickt - hier gebührt den Machern ein großes Lob. Beim ersten Bosskampf gegen Killer Croc zeigt das Spiel weitere Stärken: Die Zwischensequenzen sind spannend, toll inszeniert und sehen richtig gut aus, außerdem geht es in den Scharmützeln heiß her. Zu den Highlights zählen sicherlich die Kämpfe gegen zähe Widersacher wie Deathstroke und Firefly.

Aber auch das Verprügeln von Standardgegnern ist wie gewohnt gelungen. Die sind im Vergleich zu den Vorgängern öfter schwerer bewaffnet und gepanzert - und gehen zudem etwas aggressiver vor. Das Blocken wurde ein wenig erschwert - der Spieler muss Batman nun mehr in Richtung seiner Widersacher ausrichten, um erfolgreich zu sein. Wer sich damit arrangiert, darf sich aber erneut über rasante Kämpfe mit geschmeidigen Kombos freuen.

Schleichen, schwingen, Gadgets
Wie in allen "Batman"-Spielen ist es abgesehen von den häufigen Gruppenkämpfen nötig, mit Köpfchen vorzugehen. Gegen Gewehre etwa kommt der dunkle Rächer nicht an - hier gilt es wieder, zu schleichen und sich durch den Raum zu schwingen, um einen Widersacher nach dem anderen auszuschalten. Auch Gadgets wie der Batarang oder die neue Fernlenkkralle - um Feinde etwa aus der Ferne an Wasserspeiern aufzuhängen - können Gegner verwirren oder zumindest kurzzeitig ausknocken.

Apropos Gadgets: Neben erwähnter Fernlenkkralle sind elektrisch aufgeladene Handschuhe neu mit dabei, die im Kampf für Extraschaden sorgen. Upgrades schaltet der Fledermausmann erneut über Erfahrungspunkte - für erledigte Missionen, aber auch das Besiegen von Gegnern - frei, mit denen er im Level aufsteigt.

Gewaltige Spielwelt - mit Schwächen
Auch sonst gilt das Motto "More of the same". Denn Spieler der Vorgänger kennen nicht nur die meisten Gadgets, auch die offene Spielwelt wurde zur Hälfte recycelt: Batman bewegt sich durch Arkham City, bevor der Stadtteil zum Gefängnis des Vorgängerspiels wurde. Die andere Hälfte besteht aus neuen Gebieten, die extra für "Arkham Origins" erstellt wurden.

Drei Dinge fallen beim Erkunden der gewaltigen Welt auf: Erstens ist die Steuerung zum Umhergleiten in den Außengebieten in "Arkham Origins" etwas ungenauer. Schuld ist, dass viele Gebäude nun wesentlich höher sind als im Vorgänger und es nun mehr Punkte gibt, an denen sich Batman mit der Seilkanone hochziehen kann. Zweitens das neue Schnellreisesystem: Nach und nach kann man Reisepunkte freischalten, die dann per Batwing erreichbar sind - selbst steuern darf man diesen allerdings nicht. Drittens ist die Stadt arg menschenleer. Das wird zwar damit erklärt, dass die Polizei eine Ausgangssperre verhängt hat und am Weihnachtsabend wohl ohnehin kaum jemand auf den Straßen ist. Doch ein bisschen mehr Leben hätte dem Erkundungsdrang schon gutgetan - ein paar Zivilisten oder Polizisten auf den Straßen in Not hätten dem Spiel mehr Tiefgang verliehen.

Seichte Spurensuche
So ist Batman, wenn er nicht gerade einem der Gangster der Stadt auf der Spur ist oder gegen die Kopfgeldjäger antritt, beim Umherflug meist damit beschäftigt, Bandenkämpfe aufzulösen oder Kriminalfälle aufzuklären. Hierbei gilt es, Spuren zu finden und per Scanner Tatorte zu untersuchen. So findet man nach und nach heraus, was sich abgespielt hat, und kann die Erkenntnisse wie in einem Film vor- und zurückspulen. Das ist zwar ganz witzig, aber spielerisch wirklich keine Herausforderung.

Das gilt auch für die neuen Rätsel des Riddler, der sich zu diesem Zeitpunkt noch Enigma nennt. Die optionalen Aufgaben, bei denen man die Stadt nach Hinweisen durchsuchen musste - etwa ein bestimmtes Poster fotografieren oder Fragezeichen finden -, wurden gestrichen. Nun müssen lediglich einfache Schalter- und Geschicklichkeitsaufgaben absolviert werden, um Datenpakete zu erhalten - schade! Auch in den lineareren Innenlevels gibt es weniger zu entdecken als in den Vorgängern.

Charakter- und ausdrucksstark
Wirklich gelungen ist hingegen, wie schon erwähnt, die Geschichte. Bis zum Schluss bleibt sie spannend, immer wieder gibt es unerwartete Wendungen. Ein Highlight sind einmal mehr die Charaktere, so erhält nun etwa Butler Alfred mehr Raum, auch Commissioner Gordon und diverse Bösewichte wie der einmal mehr teuflisch genial gelungene Joker können sich entfalten - und konfliktfrei geht es in keiner Beziehung zu. Großes Lob gebührt außerdem den Synchronsprechern, besonders auf Englisch.

Schick, aber Bugs am PC
Technisch präsentiert sich das Spiel mit hoher Weitsicht, detailreichen Charakteren und Animationen, auf dem PC wirken viele Texturen aber schärfer, außerdem gibt's nur hier zusätzliche Grafik- und Partikeleffekte, etwa für ein schickeres Batcape oder dynamischeren Schnee und Dampf. Dafür leidet die PC-Version aber auch an zahlreichen Bugs. Und zwar so sehr, dass die Entwickler selbst bei einem Plotstopper raten, dieser sei nur unter Ausnützung eines weiteren Bugs zu umgehen. Zwar versprechen sie, an einem Patch zu arbeiten, doch so viele Fehler bei einer Veröffentlichung sind eigentlich ein No-Go.

Multiplayer obendrauf
Positiv erwähnt werden muss dafür, dass Einzelspieler im Herausforderungsmodus gegen Gegnerwellen auf Punktejagd gehen dürfen - und Mehrspieler-Fans im neuen Multiplayer-Modus gegeneinander antreten können. Sechs Spieler schlüpfen dabei in Dreier-Teams in die Haut von Gangstern, zeitweise sogar Joker oder Bane, zwei sind als Batman und Robin unterwegs. Wegen der unterschiedlichen Herangehensweisen - Waffen und Spezialfähigkeiten versus Schleichen und Gadgets - ist das ein großer Spaß. Zumal es für jede Partie Erfahrungspunkte gibt, um die Mehrspieler-Charaktere aufzuwerten. Nur ein Spielmodus und vier Maps sind für den Multiplayer-Modus allerdings arg mager.

Fazit: Eine - nach anfänglichem Zögern - spannende Geschichte, ein noch kantigerer Batman, tolle Charaktere und Zwischensequenzen sowie sehr viel Raum zum Erkunden sind bei "Batman: Arkham Origins" positiv hervorzuheben. Zahlreiche Bugs auf dem PC, eine etwas unpräzisere Steuerung in der Außenwelt, die Streichung der coolen Riddler-Rätsel und kaum nennenswerte Innovationen jedoch stehen auf der Negativ-Liste. Man merkt, dass Warner Bros. Montreal wie versprochen mit viel Ehrfurcht vor den Vorgängern loslegte - ein bisschen mehr Mut zu Neuem hätte aber nicht geschadet.

Plattform: PC (getestet), PS3, Xbox 360, Wii U
Publisher: Warner Bros.
krone.at-Wertung: 8/10

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