Wuselhelden

“The Wonderful 101”: Superheldenepos für die Wii U

Spiele
27.08.2013 15:04
Nachdem Entwickler-Ass Shigeru Miyamoto erst kürzlich mit "Pikmin 3" den Wii-U-Spielehit des Sommers gelandet hat, legt "Bayonetta"- und "Devil May Cry"-Erfinder Hideki Kamiya jetzt mit einem zweiten Wuselgame nach. "The Wonderful 101" sieht zunächst ein bisschen aus wie "Pikmin" mit Superhelden, spielt sich aber anders und deutlich actionlastiger als das Ameisenstrategiespiel. Wir haben den womöglich nächsten großen Wurf für die Wii U getestet.

Wenig einfallsreich, aber bewährt ist die Hintergrundgeschichte bei "The Wonderful 101". Die Kurzfassung: Böse Aliens, die sogenannten Geathjerk, greifen die Erde an und wollen die Menschheit vom Antlitz des Planeten tilgen. Mit Raumschiffen, Bodentruppen und allem, was dazugehört, machen die Extraterrestrischen den Menschen das Leben zur Hölle.

101 Zierden der Menschheit gegen Alien-Abschaum
Sie haben ihre Rechnung allerdings ohne die menschliche Elite-Eingreiftruppe der "Wonderful 100" gemacht. Diese mit Superkräften ausgestattete Armee der Geheimorganisation CENTINEL kommt dann zum Einsatz, wenn's hart auf hart kommt. 100 Männer und Frauen aus allen Ländern der Erde, die der außerirdischen Bedrohung Einhalt gebieten sollen, machen sich auf, die Menschheit zu retten.

Und mittendrin: Der Spieler als Held 101. Der lernt am Beginn des Games als frisch g'fangter Superheld Wonder-Red auf einem Bus, der auf eine Volksschule zurast, die Spielmechanik und seine 100 heroischen Kollegen kennen – und wird nach erfolgreicher Verhinderung der Katastrophe in der fliegenden Einsatzzentrale der wunderbaren 100 prompt zu deren Anführer ernannt. Zunächst hauptsächlich, weil Wonder-Red aus der von Aliens attackierten Stadt stammt und somit ortskundig ist.

Superhelden-Armee wächst im Laufe des Spiels 
Fortan gilt es, die außerirdischen Invasoren an Schauplätzen am ganzen Globus zurückzuschlagen, neue Superhelden zu rekrutieren – zu Beginn steht Wonder-Red nämlich nur ein kleiner Stoßtrupp der Weltverteidiger zur Verfügung – und neue Fähigkeiten zu erlernen. Auch Zivilisten wollen gerettet werden – und können teilweise auch mit Superkräften ausgestattet und der eigenen Helden-Armada angeschlossen werden. Der Clou: Manche neuen Superhelden bringen neue Fähigkeiten mit sich, alternativ können auch Spezialkräfte gekauft werden.

Für die Spezialkräfte zeichnet der Spieler entweder am Touchscreen des Wii-U-Gamepads oder mit dem rechten Analogstick bestimmte Symbole in die Spielwelt, woraufhin sich die Heldenschar in nützliche Hilfsmittel und mächtige Waffen verwandelt. Zeichnet man beispielsweise eine Linie, verwandeln sich die Wunderbaren in ein mächtiges Schwert. Ein Kreis lässt eine gigantische Faust erscheinen, mit der es sich vortrefflich auf E.T. eindrischt.

Spannende Kämpfe, auch für junge Spieler geeignet 
Mit diesen Spezialfertigkeiten verprügelt man nicht nur die Gegner, sondern löst auch andere Probleme. Vermeintlich unüberwindliche Abgründe können beispielsweise überquert werden, indem sich die Helden in eine lange Kette verwandeln. Und auch für das Ausweichen in Kämpfen haben sie einige spezielle Moves in petto. Auch wenn das jetzt kampflastig klingt und auch ist: Das Ganze ist – im Gegensatz zu manch anderem Kamiya-Game – stets so gehalten, dass es auch für jüngere Spieler akzeptabel ist, was wir ausgesprochen lobenswert finden.

Dieser Fundus unterschiedlicher Spezialfähigkeiten sorgt in Kombination mit dem steten Zustrom knuffiger Comichelden für ein angenehm abwechslungsreiches Gameplay. Im Kern bleibt "The Wonderful 101" dabei ein Actionspiel, wenngleich aus der isometrischen Perspektive gespielt wird. Betretbare Gebäude und abwechslungsreiche Missionen – einmal dürfen wir sogar ein Alien-Raumschiff kapern – sorgen dafür, dass es trotz relativ langer Spieldauer stets motivierend zugeht.

Comic-Optik mit Animationen à la "Power Rangers"
Sehr hübsch gemacht ist auch die Optik der "Wonderful 101", wenngleich sie natürlich nicht an die Opulenz aktueller PC-Games heranreicht. Das Spiel setzt auf einen Comic-Look mit scharfen Texturen und HD-Auflösung. 

Explosionen werden von hübschen Partikeleffekten begleitet, die einzelnen Charaktere sind liebevoll designt. Nett: Manch ein Mitglied der Superheldentruppe ist ein sehr untypischer Held. Beleibte Superhelden sind ebenso mit von der Partie wie heroische Omas.

Sympathisch gemacht: Jedes Mitglied der "Wonderful 101" hat neben seiner Superhelden- auch eine geheime zivile Identität. So kommt es, dass der Spieler im Verlauf des Games immer wieder auf vermeintliche Zivilisten stößt, die sich prompt mit einer spektakulären Animation à la "Power Rangers" oder "Dragon Ball" in ihr Superhelden-Ich verwandeln – teils mit unvorhergesehenen, amüsanten Einlagen.

Nervige Kameraführung, aber gute Vertonung
Etwas nervig ist die Kameraführung. Als wäre es nicht genug, dass die Kamera vom Spieler nicht frei positioniert oder gedreht werden darf, klebt sie oft auch noch recht nahe am Geschehen. Das hat zur Folge, dass man bei manch einem Rätsel nicht sofort auf die richtige Lösung kommt, weil das dafür notwendige Objekt schlicht und einfach nicht im Blickfeld des Spielers ist.

Lobenswert ist der Sound von "The Wonderful 101". Nicht nur, dass die Charaktere sehr gut vertont sind, auch die Spielmusik und die Umgebungsgeräusche wissen zu gefallen. Die Wahl der Sprecher für die Superhelden-Truppe ist unserer Ansicht nach gut getroffen.

Gewöhnungsbedürftige Steuerung, witziger Koop-Modus
Etwas gewöhnungsbedürftig fällt die Steuerung der Heldentruppe aus. Gerade zu Beginn kann es vorkommen, dass der Spieler mit der Kombination aus konventioneller Controllersteuerung und den auf den Boden zu malenden Symbolen überfordert ist. 

Erst recht in der Hitze des Gefechts, wenn es auf Schnelligkeit ankommt und man die Spezialfähigkeits-Symbole nicht schnell oder präzise genug malt. Im Laufe der Zeit geht die Steuerung aber einfacher von der Hand und man gewöhnt sich an die vielen gleichzeitig zu erledigenden Dinge.

Im Mehrspielermodus darf der Spieler gemeinsam mit bis zu fünf Freunden anstürmende Alien-Wellen abwehren und die Extraterrestrischen mit seinen Spezialfähigkeiten vermöbeln. Der Koop-Modus trägt dafür Sorge, dass man nach dem Durchspielen der Einzelspielerkampagne auch mit Freunden noch Spaß an dem Game hat, er kann allerdings in der Hitze des Gefechts unübersichtlich werden.

Fazit: Ordentlich Spielspaß für Jung und Alt
Mit den "Wonderful 101" ist Hideki Kamiya und seinem Studio Platinum Games ein Wii-U-Exklusivtitel gelungen, der nach Shigeru Miyamotos ebenfalls hervorragenden "Pikmin 3" abermals ordentlich Spielspaß auf die nur langsam in Fahrt kommende Nintendo-Konsole bringt. 

Die knuffigen Helden, von denen jeder seinen eigenen Charme hat, die herrlich klischeehafte Comic-Handlung, die hübsche Optik und der tolle Sound fesseln stundenlang an den Bildschirm – egal, wie alt man ist. Das unverbrauchte Spielprinzip macht das Wuselgame, von dem im Vorfeld der Veröffentlichung nur wenig bekannt war, zu einem Wii-U-Geheimtipp. Da kann man auch mal über leichte Schwächen bei Steuerung und Kameraführung hinwegsehen.

Plattform: Wii U
Publisher: Nintendo
krone.at-Wertung: 9/10

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Spiele
27.08.2013 15:04
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

KMM
krone.at
krone.at
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung