WikiLeaks-Affäre
Bradley Manning zu 35 Jahren Haft verurteilt
Manning hatte im Prozess eingeräumt, während seiner Stationierung im Irak zwischen November 2009 und Mai 2010 rund 700.000 Geheimdokumente von Militärrechnern heruntergeladen und der Enthüllungsplattform WikiLeaks zugespielt zu haben. Die Veröffentlichung der Dokumente sorgte weltweit für Wirbel. Ende Juli erklärte ihn Richterin Denise Lind in 19 von 21 Anklagepunkten für schuldig, darunter Spionage sowie Diebstahl von Militärdokumenten und Depeschen der US-Diplomatie. Vom besonders schwerwiegenden Vorwurf der Feindesunterstützung wurde der Obergefreite aber freigesprochen.
Staatsanwalt forderte hartes Strafmaß als "Botschaft"
Staatsanwalt Joe Morrow hatte das Gericht am Montag aufgefordert, mit einem harten Strafmaß eine "Botschaft" an mögliche Nachahmer zu schicken. Neben mindestens 60 Jahren Haft verlangte Morrow für Manning außerdem eine Geldstrafe von 100.000 Dollar (etwa 75.000 Euro). Verteidiger David Coombs bat Lind dagegen um eine milde Strafe, die Manning ein Leben nach der Haft ermöglichen würde. "Er ist ein junger Mann, er ist ein sehr intelligenter Mann", sagte Coombs. Der Obergefreite habe bei seinem Handeln "gute Absichten" gehabt.
Die Staatsanwaltschaft wies dagegen erneut die Darstellung zurück, dass der Soldat ein naiver junger Mann gewesen sei, der lediglich eine Debatte über die Kriege in Afghanistan und im Irak habe anstoßen wollen. Der Geheimnisverrat durch Manning sei "zerstörerisch" gewesen, sagte Morrow.
In der vergangenen Woche hatte sich Manning vor Gericht erstmals für sein Handeln entschuldigt. Er bedauere, dass seine Taten Menschen verletzt und den USA geschadet hätten, sagte der Soldat. Der 25-Jährige zeigte sich auch bereit, seine Strafe zu akzeptieren. "Ich weiß, dass ich den Preis zahlen muss", sagte er.
Assange: Urteil als "wichtiger taktischer Sieg"
WikiLeaks-Chef Julian Assange bezeichnete das Urteil als "wichtigen taktischen Sieg" für die Verteidigung. Statt nach 136 Jahren, wie von der Anklage angedroht, könne Manning nun - zumindest bei guter Führung - schon nach wenigen Jahren wieder freikommen. Dennoch sei der Prozess ein "Angriff auf das grundlegende Konzept westlicher Justiz" gewesen, sagte Assange laut einer Mitteilung der WikiLeaks-Website. Der Versuch der USA, den Fall zur Abschreckung zu nutzen, sei "spektakulär fehlgeschlagen".
Die Organisation Reporter ohne Grenzen kritisierte das Strafmaß als unverhältnismäßig. "Das Urteil gegen Bradley Manning ist ein weiterer Beleg, dass die USA endlich ein Gesetz zum Informantenschutz brauchen", sagte Vorstandssprecher Michael Rediske. "Wenn Präsident Barack Obama seinen Feldzug gegen Whistleblower nicht schnell beendet, werden Journalisten in den USA bald immer weniger in der Lage sein, Fehlverhalten von Regierung und Behörden aufzudecken." Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte US-Präsident Barack Obama auf, Manning sofort auf freien Fuß zu setzen.







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