31.07.2013 08:31 |

"Vorbelastet"

Bereits angespielt: "Wolfenstein: The New Order"

Was wäre, wenn die Alliierten 1944 nicht in der Normandie gelandet wären und Hitlers Regime somit kein Ende gesetzt hätten? Bethesda Softworks meint die Antwort zu kennen: In "Wolfenstein: The New Order" zeigt der Publisher eine Dystopie, in der die Nazis nach wie vor das Sagen haben. B.J. Blazkowicz, Held jener Spielreihe, die das Egoshooter-Genre einst begründete, hat aber glücklicherweise auch noch ein Wörtchen mitzureden. krone.at hat sich mit ihm noch vor dem offiziellen Release des Spiels in die Schlacht gestürzt.

Wir schreiben das Jahr 1960. Hitlers Regime konnte den Krieg mithilfe einer geheimnisvollen hochentwickelten Technologie für sich entscheiden. Mit gnadenloser Brutalität und menschenunwürdigen Einschüchterungen hat es selbst die mächtigsten Nationen in die Knie gezwungen und herrscht mit eiserner Faust über die Welt. Der einzige Mann, der es wagt, sich gegen diese gewaltige Armee zu stellen, ist ein guter alter Bekannter: Soldat B.J. Blazkowicz.

"Vorbelastetes" Spiel
1992 kämpfte er in "Wolfenstein 3D" zum ersten Mal gegen die Nazis und begründete damit das Genre der Egoshooter. Der Kampf selbst blieb für das Spiel nicht ohne Konsequenzen: Aufgrund der Verwendung "verfassungswidriger Kennzeichen", sprich Hakenkreuze, wurde der Titel 1994 in Deutschland bundesweit beschlagnahmt und indiziert. Die Marke "Wolfenstein" gilt seitdem als "vorbelastet", wie man es bei Bethesda vorsichtig umschreibt.

Im Zuge der bevorstehenden Veröffentlichung von "Wolfenstein: The New Order" bemüht sich der Publisher daher, darauf hinzuweisen, dass die Geschichte und der Inhalt des Spiels "weder die Billigung, Verherrlichung oder Gutheißung von Denkmustern, Ideologien, Ereignissen, Handlungen, Personen oder Verhaltensweisen des nationalsozialistischen Regimes noch die Verharmlosung der im Namen des Nationalsozialismus begangenen Kriegsverbrechen, Völkermord oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit" beabsichtigen und auch keinesfalls so verstanden werden sollten.

Schließlich zieht man als Kriegsheld Blazkowicz ja auch gegen und nicht für die Nazis in die Schlacht. Wie sich das spielt, konnte krone.at bei einem Besuch des Publishers in der Redaktion selbst erleben. Ausgangspunkt der rund halbstündigen Demo: das besetzte London, genauer gesagt ein Weltraumforschungszentrum, rüsten sich die Nazis in dieser alternativen Realität doch für ihren ersten Flug ins All.

Durchschlagkräftig
Dass es dies zu verhindern und nebenbei ein Stück der fortschrittlichen Technologien zu sichern gilt, liegt auf der Hand. Blazkowicz stehen dafür wie gewohnt allerlei Waffen zur Verfügung, erstmals können jedoch zwei von ihnen gleichzeitig bedient werden, was für ordentlich "Wumms" und Durchschlagkraft im Kampf gegen Nazis und deren Kriegsmaschinen sorgt.

Das mit dem Durchschlag ist dabei durchaus wörtlich zu verstehen, erlaubt die dem Spiel zugrundeliegende "id Tech 5"-Engine der "Wolfenstein"-Schöpfer von id Software doch im Gegensatz zur Vorgänger-Engine nun die Zerstörung von Mauerwerk und Co. Ein realistischeres Spielgefühl ist die Folge. Gleiches gilt für das neue Deckungssystem, welches es dem Spieler erlaubt, hinter Ecken hervorzuschauen sowie blind zu feuern.

"First Person Action Adventure Shooter"
Bethesda selbst will sein Spiel aber nicht als reines Ballerspiel verstanden wissen und spricht stattdessen von einem "First Person Action Adventure Shooter". So kommt es, dass wir in der Demo auch immer wieder kleinere Rätsel lösen müssen. Dabei behilflich ist uns unter anderem ein kleiner Bunsenbrenner. Er durchtrennt nicht nur Ketten, sondern schweißt beispielsweise auch Bleche auf, wodurch sich neue (Flucht-)Wege eröffnen.

Während der Demo hielt sich der Schwierigkeitsgrad der Rätsel im Gegensatz zu den äußerst bleihaltigen Auseinandersetzungen jedoch in Grenzen. Es bleibt also abzuwarten, was das schwedische Entwicklerstudio MachineGames, das sich aus ehemaligen Mitarbeitern der Starbreeze Studios ("Riddick", "Darkness") rekrutiert, für die finale Version noch bereithält. Erscheinen soll diese übrigens gegen Ende des Jahres sowohl für die aktuelle als auch die kommende Konsolengeneration und den PC.

Vorläufiges Fazit: Bethesda Softworks scheint sich mit "Wolfenstein: The New Order" auf das Wesentliche zu konzentrieren: reichlich fordernde Action. Während der Demo sind wir jedenfalls mehr als einen virtuellen Tod gestorben. Abzuwarten bleibt, ob es dem eher simpel gestrickten Shooter dank des durchaus interessanten Szenarios sowie der Action-Adventure-Elemente gelingt, an Spieltiefe zu gewinnen, ohne dafür an anderer Stelle einzubüßen. Gegen Ende des Jahres wissen wir mehr.

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