Ach, übrigens...

Workshop unterm Giebelkreuz

Vorarlberg
23.02.2025 12:55

In seiner neuen Kolumne hat sich „Krone“-Autor Harald Petermichl mit den derzeitigen Geschehnissen beim Österreichischen Fußballbund beschäftigt. 

Einige Quellen berichten, dass man in Norddeutschland noch im 16. Jahrhundert zur Gefahrenabwehr echte Pferdeköpfe auf Stangen neben dem Haus aufgestellt hat. Irgendwann wurden diese eher ungustiösen Accessoires durch hölzerne Nachbildungen ersetzt und so entstand irgendwann das Giebelkreuz mit zwei stilisierten Pferdeköpfen, breitete sich über weite Teile des Kontinents aus und hat sogar Eingang in die Gemeindewappen von Bad Fallingbostel und Wipshausen gefunden. Hierzulande ist das Symbol aber zweifellos als Logo des Österreichischen Raiffeisenverbandes am bekanntesten, der es auf seiner Website als „Symbol für ein behütetes Haus“ bezeichnet, das früher am Dachgiebel „zum Schutz der Bewohner vor allen Gefahren angebracht wurde“.

Eben bei diesem Raiffeisenverband, millionenschwerer Sponsor des ÖFB, ist man not amused darob, wie sich der Fußballverband derzeit präsentiert und hat allmählich die Faxen dicke, weil das Chaos kein Ende findet. Beispielsweise mit den Kündigungen der Geschäftsführer Thomas Hollerer und Bernhard Neuhold, die dann umgehend widerrufen worden waren. Und zwar mit einem Abstimmungsergebnis von 2:0, weil Wolfgang Bartosch in seiner Doppelfunktion als ÖFB-Chef und Präsident des steirischen Verbandes gleich zweimal dafür war und alle anderen Präsidiumsmitglieder sich enthielten. Man erwarte sich künftig „einen geschlossenen und professionellen Auftritt des gesamten ÖFB in der Öffentlichkeit sowie eine Präsidiumsführung, die aufgrund ihrer Managementqualitäten und ihrer Kompetenz überzeugt“. Ansonsten würde man sich vorbehalten, „die zukünftige Zusammenarbeit mit dem ÖFB stark infrage zu stellen“.

ÖFB-Präsident Wolfgang Bartosch will das Gespräch in einem Workshop suchen.
ÖFB-Präsident Wolfgang Bartosch will das Gespräch in einem Workshop suchen.(Bild: Christian Jauschowetz)

Das wiederum findet man beim ÖFB nicht sonderlich lustig, zumal Raiffeisen mit Kurt Svoboda und Roland Schmid auch gleich zwei dem Finanzinstitut nahestehende mögliche Kandidaten für die Wahl des neuen Präsidenten vorschlägt, möchte aber „verlässliche Partner, wie die Raiffeisen-Bankengruppe, im Boot behalten“. Bartosch will jetzt (wer hätte das gedacht) „das Gespräch suchen“ und man hat sogar schon einen Workshop mit Raiffeisen- und ÖFB-Personal zum Thema „angedacht“, damit bis zur Hauptversammlung am 18. Mai in Bregenz mit Wahl des Präsidiums alles wieder eitel Wonne ist und der ÖFB wie Phönix aus dem Bodensee erfrischt auftauchen kann. Da wäre man schon sehr gerne dabei, wenn die Damen und Herren mit wichtigen Mienen bunte Zettelchen an Moderationswände kleben und Binsenweisheiten auf Flipcharts kritzeln. Könnte tatsächlich sehr unterhaltlich sein.

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