Wer Conor Oberst bei seinem letzten Gastspiel mit Bright Eyes vor zwei Jahren in Wien gesehen hat, musste sich Sorgen machen: Der Musiker torkelte, schüttete Bier über Instrumente und sinnierte über das Sterben. Bei den Songs traf das einstige Indie-Wunderkind allerdings doch die Töne. Vielleicht geht es dem 44-Jährigen mittlerweile besser, das neue Album „Five Dice, All Threes“ von Bright Eyes deutet zumindest musikalisch darauf hin.
Die Texte verbreiten nicht unbedingt gute Laune, ausschließlich Fröhlichkeit würde man von dieser Band ja auch nicht erwarten. Aber dass man „Five Dice, All Threes“ vielleicht als das „Fun-Album im Bright-Eyes-Katalog“ bezeichnen könnte, wie es im Pressetext des Labels heißt, lässt sich aufgrund mitreißender Hooks nicht abstreiten. Der gebotene Folk-Country-Rock, der zwischendurch auch Jazz- und Bläsereinsprengsel haben darf, mal nach Garage, dann wieder nachdenklich klingt, schließt an die Klassiker der Formation an. „Ich würde sagen, diese Platte greift den Spirit unserer älteren Arbeiten auf“, meint auch Nate Walcott, Keyboarder und Arrangeur an Obersts Seite.
Indie-Rock-Würfelspiel
Wunderbar und alles andere als von Substanzen beeinträchtigt klingt die Stimme des Sängers, die den Stücken eine einzigartige Melange aus Melancholie, Traurigkeit und doch auch Kraft verpasst. Produziert hat wieder Bandmitglied und Multiinstrumentalist Mike Mogis. „Wir haben 20 Jahre gebraucht, um wieder einmal ein Album aufzunehmen, das so klingt, als würde eine Band live spielen“, meint dieser. Über den Plattentitel sagte Oberst im Interview mit dem „Musikexpress“ in Anspielung auf ein Würfelspiel: „Das Leben ist ein Spiel des Zufalls. Wir alle hoffen, dass etwas Gutes dabei herauskommt.“
„Five Dice, All Threes“ enthält fein inszenierte Gastauftritte von langjährigen Freunden wie Cat Power, Matt Berninger (The National) und Alex Orange Drink (The So So Glos). Als man ins Studio ging, entschieden sich Bright Eyes für einen „rasanten Ansatz“, wie die Band wissen ließ, „inspiriert von Einflüssen wie The Replacements und Frank Black“. Dem Ergebnis hat das hörbar gutgetan: „Five Dice, All Threes“ klingt wie ein klassisches Bright-Eyes-Werk – ohne Abstriche.
Sammler-Editionen auf Vinyl
Die Doppel-LP erscheint im Spotglanz-Cover mit Etching auf der vierten Seite. Als Alternative für Plattensammler wird u.a. eine farbige Vinyl-Pressung auf rot-orangem Splatter-Vinyl in limitierter Auflage angeboten.
APA/Wolfgang Hauptmann
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.