Nachdem im "Kärntner Hauswürstl" und in der "Lavanttaler Bauernsalami" von Freitags Firma Pferdefleisch gefunden worden war, untersuchte die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) auch eine Rohware. Dabei stellte man fest, dass es sich um reines Pferdefleisch handelt. Deklariert hatte es der findige Fleischer allerdings als "Rind", wie die Kärntner Lebensmittelaufsicht am Mittwoch mitteilte.
Geständnis am Wochenende
Freitag hatte am Wochenende gestanden, seit eineinhalb Jahren Pferdefleisch verarbeitet zu haben. Er habe mit dem Betrug die Qualität seiner Produkte erhöhen wollen.
Der Betrug mit "Hauswürstl" und "Bauernsalami", die eigentlich nur Schwein und Rind hätten enthalten dürfen, lief laut dem Fleischer so ab: "Vor eineinhalb Jahren jubelte mir ein Lieferant Pferdefleisch unter. Ich verarbeitete es und bemerkte einen Qualitätssprung bei den Würsten." Die Einkäufer so gut wie aller Handelsketten seien daraufhin bei ihm Schlange gestanden.
"Alle haben ihn bekniet, mehr zu produzieren und zu liefern. Die Würstl seien im Verkauf ein Renner", teilte Franz Großmann, der Anwalt von Freitag, mit. Daher habe der Fleischer aus steirischen und deutschen Quellen weiter Pferdefleisch bezogen und verarbeitet. Warum er es nicht deklariert hat? Jurist Großmann: "Er hatte Sorge, dann aus allen Listungen bei den Handelsketten zu fliegen. Es gab dann einfach kein Zurück mehr." Dem Unternehmer aus dem Kärntner Lavanttal droht eine Anklage wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs, auf den bis zu zehn Jahre Haft stehen.
VinziWerke wollen Würste
Unterdessen hat sich womöglich ein Abnehmer für Freitags falsch deklarierte Ware gefunden: Die Obdachlosen-Hilfsorganisation VinziWerke will Produkte von der Kärntner Fleischerei übernehmen - insgesamt nicht weniger als zwei Tonnen.
"Da diese Lebensmittel gesundheitlich unbedenklich sind, wäre es in Anbetracht der Tatsache, dass es auch bei uns Menschen gibt, die sich nur schwer Nahrungsmittel leisten können, und erst recht in Hinblick auf den weltweiten Hunger, eine unverantwortliche Handlungsweise, diese zu vernichten", hieß es am Mittwoch in einer Aussendung.
Forderung nach höheren Strafen
Auf politischer Ebene wurden am Dienstag Forderungen nach höheren Strafen wiederholt. Gesundheitsminister Alois Stöger macht mit der angekündigten Strafverschärfung für falsche Lebensmittelkennzeichnung Ernst. Einen entsprechenden Entwurf hat er am Montag an den Koalitionspartner ÖVP übermittelt, wie Stöger am Dienstag vor dem Ministerrat bekannt gab. Nicht nur Kanzler Werner Faymann, sondern auch Vizekanzler Michael Spindelegger und Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich signalisierten Zustimmung.
Mit der geplanten Novelle des Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetzes soll eine Mindeststrafe von 5.000 Euro eingeführt werden. Die Höchststrafe steigt laut Entwurf von 20.000 auf 50.000 Euro, im Wiederholungsfall von 40.000 auf 100.000 Euro.
EU-weite Datenbank, "um Betrug zu erschweren"
Österreich und vier weitere EU-Länder verlangen als Konsequenz aus dem Pferdefleisch-Skandal eine EU-weite Herkunftskennzeichnung von verarbeiteten Lebensmitteln. Landwirtschaftsminister Berlakovich sagte am Montag nach einem Treffen mit seinen Ressortkollegen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Finnland, man verlange zudem ein Vorziehen des von der EU-Kommission im Herbst geplanten Entwurfs zur Verbraucher-Informationsverordnung auf einen Termin vor dem Sommer.
Österreich trete für eine EU-weite Datenbank zur Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln ein, so Berlakovich. Dies wäre "eine solide Basis, um Betrug und Täuschung zu verhindern", meinte der Minister. Die Herkunftskennzeichnung werde Betrug zwar nicht völlig unmöglich machen, sie wäre aber "ein Beitrag, um Betrug zu erschweren". Der Konsument solle beim Kauf von Fertigprodukten eine Wahlfreiheit haben. Bei Fleisch sollten bereits geringe Anteile gekennzeichnet werden, erklärte Berlakovich.
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