Di, 25. September 2018

Anonym im Netz

18.01.2014 09:00

Mit diesen Tipps wird Websurfen wieder Privatsache

Egal, was man im Internet macht: Unternehmen, Geheimdienste, Behörden und Cyberkriminelle haben größtes Interesse an unseren persönlichen Daten. Dabei stehen zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung, um jeden einzelnen Besucher einer Website zu durchleuchten. Es sei denn, man kennt einige nützliche Tricks, mit denen das Surfen endlich wieder zur Privatsache wird. Bei uns erfahren Sie, wie Sie es den Datensammlern schwer machen.

Am leichtesten lässt sich der Nutzer eines Computers über seine IP-Adresse identifizieren. Die vergibt der Provider, bei dem man den Internetanschluss bezieht, und der weiß folglich auch ziemlich genau, wer sich hinter einer solchen IP-Adresse verbirgt und welche Websites er besucht. Grundsätzlich werden diese Adressen zwar nur in Extremfällen herausgegeben, in der Vergangenheit kam es aber immer wieder zu unerfreulichen Ausnahmen. Will man also anonym im Internet unterwegs sein, so muss man vor allem seine IP-Adresse verschleiern.

Proxy-Server verschleiern die eigene IP-Adresse
Die schlechte Nachricht zuerst: Man braucht eine IP-Adresse, um sich im Internet bewegen zu können, und ist auf die Adresse angewiesen, die man vom Provider bekommt. Die gute Nachricht: Man muss Internetseiten, die man besucht, nicht unbedingt seine richtige IP-Adresse mitteilen. Über sogenannte Proxy-Server lässt sich die eigene IP mit der eines anderen Computers, des Proxys, verschleiern.

Den Proxy muss man sich wie einen Zwischenhändler vorstellen: Man fordert die Website, die man betrachten möchte, beim Proxy an, dieser lädt sie unter seinem Namen und gibt sie weiter an den eigenen PC. Für die besuchte Website ist es so, als wäre der Proxy der Besucher, nicht der eigene PC. Und für den Provider wirkt es, als würde man den Proxy ansteuern – wohin er tatsächlich weiterleitet, bleibt im Verborgenen.

Proxy-Server: Am besten mit Verschlüsselung
Zur Verschleierung der eigenen IP-Adresse über einen Proxy-Server braucht man kein Computerfreak zu sein. Im Internet gibt es zahlreiche Gratisangebote wie etwa Hide my Ass oder Anonymouse. Dort tippt man einfach die Adresse der gewünschten Website ein und schon gelangt man über den Proxy anonym dorthin. Einziger Nachteil: Über einen Proxy surft man ausgesprochen langsam, da der zwischengeschaltete Computer einem Flaschenhals gleicht, man sollte also nur dann auf Proxys zurückgreifen, wenn man sie auch wirklich braucht.

Außerdem besteht immer die Gefahr, dass Cyberkriminelle einen Proxy kapern und darüber gesendete Daten abfangen. Um das Risiko zu minimieren, sollte man deshalb stets darauf achten, dass der verwendete Proxy die übertragenen Daten verschlüsselt. Das erkennt man am besten, indem man in die Adressleiste des Browsers schaut: Steht am Anfang der Internetadresse statt des standardmäßigen "http" das Kürzel "https", handelt es sich um eine sichere Verbindung.

Sinnvoll: Ein Browser fürs anonyme Surfen
Unglücklicherweise verschleiern Proxy-Server nur die IP-Adresse, beim Internetsurfen kann man allerdings auch durch Browser-Add-ons, Cookies und Skripte identifiziert werden. Will man diese lästigen Spione loswerden, muss man schon etwas mehr Zeit investieren. Generell empfiehlt es sich, für das anonyme Surfen einen eigenen Browser zu nutzen, bei dem alle Cookies beim Start gelöscht werden und nur die nötigsten Add-ons installiert sind.

Gut eignen sich hierfür etwa Mozillas Firefox oder Googles Chrome, wobei für beide Add-ons zur Verfügung stehen, welche die Privatsphäre schützen. Empfehlenswert sind hier beispielsweise das Anti-Tracking-Tool "Ghostery" und das Tool "HTTPS Everywhere", das dafür sorgt, dass die verschlüsselte Kommunikation mit Websites erzwungen wird.

Cookies löschen macht es Datensammlern schwer
In jedem Fall sollte gleich nach dem ersten Start des Browsers eingestellt werden, dass Cookies beim Beenden automatisch gelöscht werden – die entsprechende Checkbox verbirgt sich in den Browsereinstellungen. Im Internet Explorer findet sich der Menüpunkt bei den Internet-Eigenschaften. Unter dem Menüpunkt "Browserverlauf" kann über die Schaltfläche "Löschen" ausgewählt werden, was beim Beenden des Browsers gelöscht werden soll. Dort die Cookies anwählen, speichern und schließen.

In Mozillas Firefox findet sich der entsprechende Eintrag im Einstellungsmenü unter dem Punkt "Datenschutz". Dort muss man zunächst die benutzerdefinierten Einstellungen bei der Chronik anwählen, ein Häkchen bei "Die Chronik löschen, wenn Firefox geschlossen wird" machen und in den daneben verfügbaren Einstellungen Cookies anwählen. Chrome-User müssen in den Content-Einstellungen beim Menüpunkt "Cookies" ein Häkchen bei "Cookies und andere Websitedaten beim Schließen des Browsers löschen" setzen.

Auf Nummer sicher gehen mit dem Tor-Netzwerk
Wem Proxy-Services und Browser-Add-ons noch nicht reichen, der kann mit VPN-Diensten ganz schwere Geschütze auffahren. Die meisten VPN-Firmen bieten ihre Dienste allerdings kostenpflichtig an, weshalb solche Angebote wirklich nur für jene User interessant sind, die größten Wert auf eine sichere Kommunikation legen. Eine kostenlose Alternative für Privatnutzer ist das Tor-Netzwerk. Dieser Service wird beispielsweise von Journalisten genutzt, um Informationen aus Ländern wie China oder dem Iran hinaus zu schleusen, genießt aber auch unter Online-Drogenhändlern eine gewisse Popularität.

Im Gegensatz zu den eingangs vorgestellten normalen Proxy-Anbietern läuft die Kommunikation via Tor nicht über einen einzelnen Server, sondern über eine ganze Kette zwischengeschalteter Computer. Die Daten gehen sozusagen vom eigenen Computer über etliche verschiedene Proxys ans Ziel. Dabei wird die Kommunikation zwischen den einzelnen "Mittelsmännern" nochmals zusätzlich verschlüsselt, was es extrem schwierig macht, über das Tor-Netzwerk versandte Daten abzuhören oder ihren Ursprung herauszufinden. Wie auch schon bei den normalen Proxy-Services läuft die Datenübertragung dabei recht langsam ab.

So kompliziert das Tor-Netzwerk auf den ersten Blick erscheint, so einfach lässt es sich nutzen. Einfach die zugehörige Software auf der Tor-Website herunterladen, entpacken und den mitgelieferten Browser starten. Der ist bereits so konfiguriert, dass keine weiteren Einstellungen notwendig sind. Der Browser benötigt keine Installation, kann also beispielsweise auf dem USB-Stick überall hin mitgenommen werden. Schließt man den Browser, wird die Tor-Verbindung gekappt und die Sitzung beendet.

Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht
Auch wenn es diese Tipps schwerer machen, Sie im Web zu orten: Hundertprozentigen Schutz davor, abgehört zu werden, gibt es nicht. Die vergangenen Monate haben gezeigt, mit welch ausgefeilten Methoden Geheimdienste wie die US-amerikanische NSA Daten abgreifen.

Zuletzt wurde bekannt, dass sogar Rechner abgehört werden können, die gar nicht mit dem Internet verbunden sind (siehe Infobox). Und spätestens seit dem Schlag der US-Bundespolizei FBI gegen den im Tor-Netzwerk operierenden Drogenmarktplatz "Silk Road" ist auch die Mär von der hundertprozentigen Sicherheit des Anonymisierungsdienstes entzaubert.

Aber mit Geheimdiensten ist man als Privatnutzer zum Glück üblicherweise nicht konfrontiert. Für den Durchschnitts-Surfer sind es eher Werbetreibende und soziale Netzwerke, die Daten abzugreifen versuchen. Und diesen lästigen Datensammlern schlägt man mit den genannten Tricks sehr wohl ein Schnippchen.

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