Mo, 21. Jänner 2019

Trend zum "Hybriden"

12.10.2012 15:47

Die umstrittene Kreuzung von Haus- und Wildkatzen

Das Verlangen des Menschen nach immer exklusiveren Haustieren hat in den letzten Jahren zu einem fragwürdigen Trend in der Katzenzucht geführt: der Verpaarung von Wild- und Hauskatzen mit dem Ziel, sich einen Hauch von Wildnis ins Wohnzimmer zu holen. Dass diese besonderen Rassen aber nicht mehr viel mit der Haltung und Aufzucht der Hauskatze, wie man sie kennt, zu tun haben, ist vielen nicht bewusst.

Vor allen Dingen der erhebliche Größenunterschied (die zur Zucht herangezogenen Wildkatzen erreichen eine Schulterhöhe bis zu 60 Zentimetern) führt immer wieder zu Komplikationen. So werden die weiblichen Hauskatzen bei der Paarung oft durch den Nackenbiss der Kater getötet oder es kommt aufgrund der für die Hauskatze unnatürlich großen Welpen zu Problemen bei der Geburt. Notkaiserschnitte oder Totgeburten sind daher keine Seltenheit. Zudem sind männliche Hybride oft einige Generationen lang steril, weswegen immer wieder ihre wilden Artverwandten zur Paarung herangezogen werden müssen.

Die bekanntesten Hybridrassen sind die Savannah-Katze (afrikanischer Serval x Europäische Kurzhaarkatze, im Bild), die Caracat (Karakal x Maine Coon) und die Bengal-Katze (Bengale x Europäische Kurzhaarkatze). Besonders das "Experiment Caracat", das von einer österreichischen Maine-Coon-Züchterin ausging, führte vor zwei Jahren zu einem Aufschrei unter Tierschützern.

Die meisten Hybride sind genehmigungspflichtig
Je nach Generation, also nach dem Anteil von Wildtiergenen, werden diese Rassen in sogenannte F-Klassen unterteilt. F1 stellt die erste Generation mit einem Wildtieranteil von mindestens 50 Prozent dar, F5 bezeichnet die fünfte Generation mit einem Wildtieranteil von rund drei Prozent. Aussehen, Größe und Preis der Tiere ändern sich den Generationen entsprechend. Die F1-Klasse einer Savannah erreicht beispielsweise eine Schulterhöhe von 45 Zentimetern und ein Gewicht von zehn Kilogramm. In vielen Ländern ist eine Haltung bis einschließlich der Klasse F4 genehmigungspflichtig und mit bestimmten Auflagen verbunden.

Hybridkatzen stellen hohe Ansprüche an den Halter
Von Züchtern wird diesen Hybriden gerne ein sehr "hündischer" Charakter nachgesagt, doch es ist nicht zu verleugnen, dass in den vermeintlich domestizierten Katzen eine gehörige Portion Wildtier steckt. Sie neigen zu territorialem Verhalten und zum Markieren, selbst bei Kastration. Dementsprechend ist die Haltung in Wohnungen weder empfehlenswert noch artgerecht. Hybride benötigen ein großes und gut gesichertes Außengehege mit ausreichend Beschäftigungsmöglichkeiten, gerne nehmen sie auch Wasserstellen zum Baden an.

Forscher fürchten Attacken auf Menschen
Für diese Katzen sind Sprünge über zwei Meter kein Problem, und selbst das Öffnen von Türen sollen sie in vielen Fällen schnell erlernen. Deshalb ist eine sichere Unterbringung dieser Rassen von höchster Wichtigkeit. Katzenforscher fürchten sich bereits vor den ersten Berichten, dass eine Hybridkatze einen Menschen angefallen hat, und stellen die Frage in den Raum, ob dies der Beginn der Stigmatisierung bestimmter Katzenrassen als "Kampfkatzen" entsprechend den sogenannten Listenhunden sein könnte.

Schlussendlich bleibt zu diskutieren, wie viel Exotik man sich als Tierfreund ruhigen Gewissens in sein Wohnzimmer holen kann und ob die Züchtung solcher Rassen in Zeiten heillos überfüllter Tierheime tatsächlich notwendig ist.

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