Psychische Erkrankungen sind die vierthäufigste Ursache von Krankenständen in Österreich. Dennoch erfährt psychische Gesundheit am Arbeitsplatz zu wenig Aufmerksamkeit. Am schnellsten kann das Umfeld eine Veränderung bemerken und bei vorhandenem Wissen zeitnahe Unterstützung bieten. Dafür gibt es „Erste-Hilfe-Kurse“ für die Seele.
Wenn jemand auf der Straße plötzlich stürzt, ruft man die Rettung. Doch was tun, wenn ein Kollege weint, apathisch oder verzweifelt wirkt, die Seele in Not zu sein scheint? Antworten auf diese Fragen und Übungen, was konkret zu unternehmen ist, liefern verschiedene Kurse von „pro mente Austria“.
Nicht nur der Körper muss versorgt werden
Analog zu klassischen Erste-Hilfe-Kursen lernen die Teilnehmer bei diesen Seminaren, wie sie anderen in psychischen Notsituationen helfen. Das ist genauso wichtig wie zu wissen, was bei einer Herzdruckmassage zu tun ist.
Rollenspiele und Übungen
„Wir haben vier Formate im Angebot, etwa einen 12-Stunden-Kurs für Erwachsene oder einen 14-Stunden-Kurs für Erwachsene, die mit jungen Menschen arbeiten. Die Teilnehmer lernen, psychische Ausnahmesituationen zu erkennen und wie sie das Gespräch suchen sowie vertiefen können. Realistische Übungen und Rollenspiele heben das Gelernte von der Theorie in die Praxis“, erklärte Romina Holzmann-Schöpf MA, Projektleiterin „Erste Hilfe für die Seele“ bei „pro mente Austria“, auf einer Pressekonferenz in Wien.
Grundwissen vermittelt
Den Schülern wird Grundwissen zu psychischen Erkrankungen vermittelt sowie konkrete Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Problemen und Krisen beigebracht. Sie beschäftigen sich überdies mit den häufigsten bzw. schwerwiegendsten psychischen Erkrankungen (Depression, Angststörungen, Psychose und Suchterkrankungen).
Hilfe aus der Chefetage
Auch „Chefs“ sind gefordert, ihre Mitarbeiter zu unterstützen. Sie lernen im „Führungskräfte-Seminar“, wie sie Anzeichen psychischer Schwierigkeiten im Anfangsstadium erkennen und frühzeitig darauf reagieren. Je früher mit den Betroffenen das Gespräch gesucht wird, desto eher kann geholfen werden. Das Richtige zu tun, hilft, menschliches Leid und hohe Folgekosten zu vermeiden.
Es braucht hierzulande nach wie vor ein stärkeres Bewusstsein für psychische Erkrankungen und den Umgang mit seelisch belasteten Menschen! Diese Seminare in einem Betrieb tragen dabei deutlich zur Enttabuisierung seelischer Krisen bei. Projekte wie diese sind weltweit bereits in 25 Ländern mit großem Erfolg im Einsatz.
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