Cool und furchtlos

David Alaba legte gegen Real Madrid die Reifeprüfung ab

Fußball
18.04.2012 10:38
David Alaba hat am Dienstag wohl den letzten Beweis abgeliefert, dass er mit den absoluten Top-Stars mithalten kann. Beim 2:1-Heimsieg seines FC Bayern im Semifinal-Hinspiel der Champions League über Real Madrid bot der Wiener neuerlich eine ansprechende Leistung als Linksverteidiger und stemmte sich erfolgreich gegen die geballte Offensivkraft der Spanier. Gegen den 19-Jährigen machten die Ausnahmekönner der "Königlichen" praktisch keinen Stich. Was von Medien und Experten wieder einmal honoriert wurde.

Die 72. Spielminute: Real-Schönling Cristiano Ronaldo zündet auf der rechten Außenbahn seinen Turbo, braust mit Volldampf in Richtung Strafraum. Mit seinem obligaten Übersteiger will Ronaldo seinen Gegenspieler ins Leere sausen lassen und Richtung Tor ziehen. Doch der Plan geht nicht auf. Denn Ronaldos Gegenspieler heißt Alaba. Und der luchst dem portugiesischen Superstar rotzfrech die Kugel ab und setzt seinerseits zum fast 100 Meter langen Sprint in die gegnerische Hälfte an.

Es war eine Aktion mit Symbolcharakter. Erstaunlich cool und furchtlos meisterte der erst 19-jährige Alaba sein bisher wohl wichtigstes Spiel auf internationaler Ebene. Wo anderen bei Namen wie Özil, Di Maria oder eben Ronaldo die Knie zu schlottern beginnen, scheint Alaba erst so richtig gut zu werden.

"Achte nicht nur auf die Gegner"
Dennoch wirkte der Wiener nach seinem gelungenen Auftritt gegen die Weltklasse-Kicker beinahe so, als hätte er nur Dienst nach Vorschrift geleistet. "Ich habe einfach versucht, mich auf meine Aufgabe zu konzentrieren und das zu machen, was ich zu machen habe. Da achtet man nicht auf die Gegner", erklärte der Jungstar und bezeichnete seine Darbietung als "im Großen und Ganzen okay".

Der Last-Minute-Sieg der Bayern durch ein Tor von Mario Gomez in der 90. Minute war laut Alaba verdient. "Wir waren die bessere Mannschaft." Allerdings werden am kommenden Mittwoch im Estadio Bernabeu von Madrid die Karten neu gemischt. "Zu Hause ist Real eine Macht. Da müssen wir uns wieder zusammenraufen und bei Null beginnen", meinte der ÖFB-Internationale, der eine Gelbe Karte vermied und daher in der Retourpartie wieder dabei ist.

Teamchef Koller: "Alaba sehr stark und ohne Hektik"
Das Spiel am kommenden Mittwoch wird Teamchef Marcel Koller vor dem TV-Gerät verfolgen, am Dienstag überzeugte er sich noch vor Ort von den Qualitäten seines Schützlings. "Er hat sehr stark gespielt, ruhig und ohne Hektik", lobte der Schweizer und wunderte sich darüber, wie locker Alaba mit dem Druck umging, gegen ein Starensemble bestehen zu müssen. "Es war schon überraschend für mich, dass er das von Beginn an gut weggesteckt hat. Man hat ihm nicht angemerkt, dass er erst 19 ist."

Trotz beständig guter Leistungen als Linksverteidiger hat Koller für Alaba im ÖFB-Team nach wie vor eine Mittelfeld-Position vorgesehen, zumal der 51-Jährige mit Schalke-Legionär Christian Fuchs ohnehin über einen hochkarätigen linken Abwehrspieler verfügt. "In der Nationalmannschaft brauchen wir David im Mittelfeld, dort ist er mit seiner Wahrnehmung und Übersicht für uns sehr wichtig", erzählte der ÖFB-Coach, ehe er vor der Allianz-Arena Gratulationen von Ottmar Hitzfeld erhielt.

Medien und Experten schwärmen
Der frühere Dortmund- und Bayern-Meistermacher beglückwünschte Koller, einen Kicker wie Alaba im Nationalteam zu haben. "Er ist ein fantastischer Spieler." Ähnlich lobend äußerten sich die deutschen Medien über den Wiener. "Immer in Bewegung. Nach vorne fein in der Abstimmung mit Ribery, nach hinten fleißig und konzentriert", urteilte die "Bild" und bedachte Alaba mit der Note zwei. Ebenfalls einen Zweier gab es von der "Abendzeitung": "Als Linksverteidiger ist der nigerianisch-philippinische Wiener die Entdeckung der Saison im europäischen Fußball. Auch gegen Real ohne Scheu."

Der "Münchner Merkur" mutmaßte: "Sollte in Madrid jemand den Namen Alaba vor dem Spiel noch nicht gekannt haben - das dürfte sich nun geändert haben." Von einer "erneut erfreulichen" Leistung schrieb die "Süddeutsche Zeitung".

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