Schon wieder geht es im Landesgericht Wien um Ehre: Denn ein 24-Jähriger soll die Mutter des Angeklagten beleidigt haben - der Afghane stach ihm mitten ins Herz. „In meinem Kopf war eine Explosion“, versucht er die Gunst der Geschworenen zu erlangen. Vergeblich: 20 Jahre Haft!
Rechtfertigung über Rechtfertigung liefert ein Afghane im Wiener Landesgericht. Er versucht verzweifelt dem Schwurgericht zu erklären, warum der Messerstich mitten ins Herz seines Opfers ein Versehen war, er völlig ohne Mordabsichten gehandelt habe. „Ich hatte wirklich keine bösen Absichten“, fleht er die vorsitzende Richterin fast an.
„Er hat meine rote Grenze überschritten“
Seine Version der Dinge: Am 4. Jänner dieses Jahres wartete er in der Nähe eines Kebaplokals in Wien-Margareten auf seinen Mitbewohner, beobachtete dabei einen stark alkoholisierten jungen Mann. „Was schaust du so?! Schau nicht so dumm! Ich bring‘ dich um!“, habe er in Richtung des Angeklagten geschrien. Ein verbaler Schlagabtausch zwischen den zwei Männern folgte.
Schon als man sich wieder getrennt hatte, beide in unterschiedliche Richtungen gingen, soll das spätere Opfer noch einen draufgelegt haben: „Er hat meine rote Grenze überschritten - zweimal. Er hat meine Mutter beschimpft“, entrüstet sich der 28-Jährige. Es kam zur Rangelei, das Messer habe aber der Getötete in der Hand gehabt - der Angeklagte nahm es ihm ab.
„Dann kommen drei Stiche, die er zutiefst bereut“, eröffnet Verteidiger Rudolf Mayer - der Angeklagte nickt in der Mitte des Großen Schwurgerichtssaals zustimmend. Einer davon ging mitten ins Herz. Noch vor Ort - auf dem Gehsteig - stirbt der 24-Jährige.
Messerstich brach dem Opfer eine Rippe
Anwalt Mayer versucht, die Mordanklage zu entkräften: „Es war ein ganz schneller Ablauf. Das ist ein Unglück, dass das passiert ist.“ Er pocht auf eine Verurteilung wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang. „In meinem Kopf war eine Explosion. Ich wollte ihm nur weh tun“, wiederholt auch sein Mandant immer wieder. Gerichtsmediziner Wolfgang Denk bezeichnet die Messerstiche als „sehr wuchtig“, sogar eine Rippe des Opfers wurde gebrochen ...
Erst ein paar Tage später konnte der Afghane ausfindig gemacht werden, der ganz in der Nähe wohnte. Nach der Tat habe er einen Fluchtplan gehabt, sich um einen Pass bemüht. „Das Leben war voll unangenehm“, sagt er vor den Geschworenen, sogar an Suizid habe er gedacht. Die Tatwaffe konnte nicht mehr gefunden werden. Sein Mitbewohner habe sich darum gekümmert, erinnert sich der Mann.
Zwei der acht Geschworenen überzeugte der 28-Jährige mit seiner Darstellung. Sechs, also die Mehrheit, sprechen ihn jedoch wegen Mordes schuldig. Er muss 20 Jahre in Haft. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.
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