Sa, 20. Oktober 2018

Laienhaft betreut?

28.03.2012 11:35

Zwei Betagte tot: Kärntner Heim im Visier der Justiz

Der Tod von zwei älteren Patientinnen, die in einem illegalen Pflegeheim in Unterkärnten betreut worden sind, ist nun ein Fall für die Justiz. Sie ermittelt gegen die Betreiberin wegen Quälens und Vernachlässigung von Wehrlosen. Die Pensionistinnen sollen nur laienhaft betreut worden sein, obwohl sie professioneller Pflege bedurft hätten.

Wie nun bekannt wurde, kamen die beiden Frauen bereits zu Jahresbeginn vom illegalen Heim zum Sozialhilfeverband Völkermarkt. Dort stellten die Pflegerinnen bei den Patientinnen laut Anzeige schwere Verwahrlosung sowie mehrere offene Wunden und Entzündungen fest. Kurz darauf starben die beiden Pflegebedürftigen.

Der Fall wurde sofort angezeigt. Der Vorwurf gegen die Heimbetreiberin, für die die Unschuldsvermutung gilt, wiegt schwer. "Wir ermitteln wegen Quälens und Vernachlässigung von Wehrlosen", erklärt Kripo-Ermittler Manfred Dörfler. Beim Sozialhilfeverband Völkermarkt gibt man sich indes zugeknöpft. "Es ist ein laufendes Verfahren. Ich kann dazu nichts sagen", so Geschäftsführer Simon Marin.

Behörde kennt die Missstände
Der Chef der Bezirkshauptmannschaft, Gert Klösch, ergänzt: "Die Betreiberin hatte keine Bewilligung für eine Altenpflege. Sie hatte zwar öfter darum angesucht, aber nie eine erhalten. Und sie hat immer beteuert, dass sie nur Angehörige und Verwandte pflege. Zuständig ist aber eigentlich das Land." Denn in privaten Heimen dürfen nur Personen bis Pflegestufe drei betreut werden. "In diesem Fall hatten die Frauen sieben, die höchste Stufe", so ein Sozialdienstmitarbeiter gegenüber der "Krone".

Soziallandesrat Christian Ragger wies darauf hin, dass die Einrichtung von der Sozialabteilung bereits vor Jahren einen Schließungsbescheid erhalten habe. Es sei der Behörde aber aufgrund einer Lücke im Gesetz leider nicht möglich sei, "die Bewohner gegen ihren Willen zum Verlassen der Einrichtung zu veranlassen". Sogar gerichtlich bestellte Sachwalter beließen daher entmündigte Personen trotz Kenntnis der Sperre in der Einrichtung.

Insgesamt gebe es laut Ragger drei derartige "Sorgenkinder". Eines davon sei die Pflegestelle im Bezirk Völkermarkt, zwei weitere würden sich in Schiefling und Pörtschach befinden. "Verwaltungsstrafen laufen. Das sind langwierige Verfahren, wenn sie bis um Unabhängigen Verwaltungssenat bzw. sogar zum Verwaltungsgerichtshof gehen", informiert Ragger.

Betreiberin: "Land hat keine Ersatzplätze gefunden"
Die Betreiberin der Einrichtung in Völkermarkt wehrt sich gegen die Vorwürfe: "Ich betreue seit 21 Jahren alte Menschen und wurde dafür sogar gelobt. Jetzt soll mein Haus illegal sein?" Die Frau räumt aber ein, dass sie die Pensionistinnen nicht hätte betreuen dürfen: "Aber das Land hat keine Ersatzplätze gefunden. Ich bin mir keiner Schuld bewusst und habe auf die Frauen geschaut, als ob es meine Omis gewesen wären. Dass jetzt gegen mich ermittelt wird, kann ich nicht verstehen."

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