Eine starke Blutung stoppen, ein verstauchtes Bein behandeln, eine Schürfwunde verarzten oder einem Bewusstlosen helfen und ihm womöglich das Leben retten: Das Jugendrotkreuz wappnet Tiroler Schüler für echte Notfälle.
Das Einzige, was man im Notfall falsch machen kann, ist nichts zu tun – das wissen auch Theresa, Gabriel, Emma und Leni von der Mittelschule in Kematen. Sie und zahlreiche Mitschüler sind wahre Profis im Leben retten und kennen sich etwa bei der stabilen Seitenlage, der Reanimation und dem Umgang mit einem Defibrillator bestens aus. Ihre Schule ist nämlich die erste in Tirol, in der das neue Projekt des Jugendrotkreuzes „leben.retten.lernen“ umgesetzt wird.
Ausbildung über 16 Stunden lang
16 Stunden lang – teilweise sogar an Samstagen und in ihrer Freizeit – werden die Schüler auf den Ernstfall vorbereitet. „Das Interesse an dem wichtigen Thema ist riesig“, freut sich Direktor Alexander Krickl. 25 Lehrpersonen an seiner Schule wurden im Vorjahr ausgebildet. „Zusätzlich stellt das Jugendrotkreuz Wiederbelebungsdummies oder andere Übungsmaterialien ständig zur Verfügung, sodass ohne organisatorischen Aufwand eine Unterrichtseinheit abgehalten werden kann“, betont Projektleiterin Edith Langecker. Sowohl im regulären Unterricht als auch während Supplierstunden können die Schüler somit im Laufe eines Schuljahres mehrmals Wiederbelebung oder stabile Seitenlage üben.
Praxis im Mittelpunkt
Der Fokus liegt dabei auf der praktischen Übung und nicht auf Erklärungen. Das Beherrschen der Wiederbelebungsmaßnahmen soll dadurch genauso zur Selbstverständlichkeit werden, wie etwa das Lesen und Schreiben. „Erste Hilfe ist im Prinzip einfach, trotzdem fühlen sich viele Ersthelfer in der Durchführung von Erste-Hilfe-Maßnahmen unsicher. Es fehlt die Übung, die Selbstsicherheit bringt“, weiß Thomas Rieser, Bundeskoordinator für Erste Hilfe im Österreichischen Jugendrotkreuz. In Zams, Telfs, Mieming und Imst hat das Projekt bereits an vier weiteren Schulen Einzug gefunden. Noch mehr sollen folgen ...
Krone: Welche Ziele verfolgt das Jugendrotkreuz mit „leben.retten.helfen“?
Thomas Rieser und Philipp Schumacher: Das Projekt soll Erste-Hilfe-Kurse nicht ersetzen, sondern wir wollen, dass die Kinder möglichst oft üben können und dadurch im Ernstfall selbstsicher sind.
Ab welchem Alter kann man Lebensretter werden?
Wir bemühen uns, Erste Hilfe für jedes Kind begreifbar zu machen. Mit den Programmen „Roko“ im Kindergarten und „Helfi“ in der Volksschule werden Unfallverhütung und einfache Erste Hilfe schon in jungen Jahren altersgerecht aufbereitet. Kinder greifen, wenn Hilfe nötig ist, oft schneller hin als es viele Erwachsene tun.
Wie viele Kinder wurden in Tirol bereits ausgebildet?
Bis jetzt sind es rund 6000 Schüler. In Osttirol haben wir gesehen, dass sich die Erfolge verdreifacht haben.
Kann man bei der Ersten Hilfe etwas falsch machen?
Nein!
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