17.02.2012 14:13 |

Priester und Piraten

"Lost Chronicles of Zerzura": Ein abenteuerlicher Mix

Eine abenteuerliche Mischung ist es, die Cranberry Productions ("Black Mirror" Teil 2 und 3) da vorlegt: Erfinder, Inquisition, Piraten, Beduinen und eine uralte Gottheit treffen in "Lost Chronicles of Zerzura" aufeinander - und das durchaus gelungen!

Feodor hat es nicht leicht. Während er versucht, mit seinem Bruder Ramon kühne Flugmaschinen zu konstruieren, ist Letzterer weniger an der gemeinsamen Erfinderwerkstatt als mehr an merkwürdigen Artefakten interessiert. Dabei wäre Hilfe dringend nötig, droht doch ein unzufriedener Kunde, den Brüdern die Inquisition auf den Hals zu hetzen. Und die verbreitet anno 1514 auch in Barcelona, dem Heimatort der Brüder, Angst und Schrecken.

Dass Ramon schon bald vom Großinquisitor entführt wird, der bereits Mutter Susanna auf den Scheiterhaufen schickte, ahnen Feodor und Ramon am Anfang ihres Abenteuers nicht. Nur der Spieler erfährt in der ersten der leider arg schmuck- und farblosen, gezeichneten Zwischensequenzen, dass der Großinquisitor Susanna jagte. Doch warum?

Klassische Bedienung per Point & Click
Dies ist nur eines der Rätsel, die es in "Lost Chronicles of Zerzura" aufzuklären gilt. Zu Beginn jedoch will die Flugmaschine für den ungeduldigen Kunden getestet sein, beim nachfolgenden Absturz lernt der Spieler die Bedienung im klassischen Point&Click-Adventure kennen. Interagiert wird mit der linken Maustaste, so werden Gespräche geführt sowie Gegenstände automatisch betrachtet und/oder ins Inventar verschoben. Genauer unter die Lupe genommen und benützt werden sie dort per Rechtsklick - so lassen sich zum Beispiel zusammengebastelte Gegenstände wieder in ihre Einzelteile zerlegen.

Tagebuch beugt Frust vor
Neben der Hotspotanzeige, die über die Leertaste aktiviert wird, steht eine weitere wichtige Hilfefunktion zur Verfügung: das Tagebuch. Dort hält Feodor zu jedem Ort und jeder wichtigen Begebenheit Hinweise fest. Das Hilfesystem ist zum Großteil gut gelungen: Meist gibt es lediglich grundlegende Hinweise, welche Aufgaben wo zu erledigen sind und was dafür wichtig sein könnte.

Keine echten Kopfnüsse
Meist müssen Inventargegenstände kombiniert werden. Diese Aufgaben sind sehr gut gelungen, sind sie doch logisch wie selten zuvor in einem Adventure in die Handlung integriert. Immer wieder muss Feodor - ganz Erfinder - etwas basteln. Welche Teile zueinander passen, wird durch die rote Färbung des Mauszeigers angezeigt. Richtige Kopfnüsse dagegen gibt es zu wenig - und sie sind zu leicht geraten, das Hilfesystem greift zu stark ein. So muss etwa am Ende ein Hieroglyphen-Rätsel gelöst werden, dabei genügt jedoch die Kombination einer Schriftrolle mit den Zeichen. Wem selbst das zu schwierig ist, der kann die wenigen Rätsel auf Wunsch überspringen. Ohne Spielhilfe mit Zettel und Stift über einer Kopfnuss zu brüten, ist in "Lost Chronicles of Zerzura" dagegen nicht vorgesehen - schade!

Gute Dialoge, schöne Hintergründe - aber öde Animationen
Diesen Mangel machen die wunderschön gezeichneten Hintergründe wieder wett, auch wenn es bei der Figurenanimation hakt. Mimik und Gestik sind quasi inexistent, die Figuren so tief im Hintergrund vergraben, dass kaum Emotionen über die Grafik übermittelt werden. Dabei sind die Sprecher durchaus gelungen, vor allem die Hauptfiguren Feodor und die sexy Piratin Jamila - immer an seiner Seite - überzeugen. Dazu tragen auch die nicht zu langen Dialoge bei, die der stets leicht überforderte Feodor und die großmäulige Jamila mit Charme und Witz vortragen.

Stimmungsvolle Hintergründe
Auch die Welt um sie herum ist durchaus lebendig - da sind Schaufensterbummler zu sehen, ziehen Hund oder Chamäleon umher, gibt es von maurischen Bauwerken bis zu ägyptischen Ruinen dank der schönen Hintergründe viel zu bestaunen. Schließlich geht es per Heißluftballon, Schiff, Kamel und per pedes vom spanischen Festland über eine Insel bis in die ägyptische Wüste und die geheimnisvolle Stadt Zerzura.

Spannende Verfolgungsjagd
Dass die Helden dabei nicht nur Piraten, sondern auch zwielichtigen Priestern, Beduinen und einer uralten Gottheit begegnen, passt tatsächlich ganz gut zusammen. Die Geschichte um die verlorene "weiße Stadt" Zerzura plätschert zwar etwas dahin, ist aber unverbraucht und spannend. Erst gegen Ende lässt sie nach, die Verwicklung des Antagonisten wirkt dann etwas unausgegoren und bemüht. Immerhin deutet der Schluss auf eine Fortsetzung hin - wir würden Feodor und Jamila gern auf ein weiteres Abenteuer begleiten.

Fazit: "Lost Chronicles of Zerzura" wird Adventure-Fans mit der zumeist fesselnden Geschichte, netten Hauptcharakteren und guter Bedienbarkeit begeistern. Allerdings ist das Spiel zu leicht ausgefallen, es fehlen echte Kopfnüsse. Zudem lassen die gezeichneten, in Brauntönen gehaltenen Zwischensequenzen kaum Spannung aufkommen und es mangelt an Mimik und Gestik. Wer Lust auf ein klassisches Point&Click-Abenteuer hat, ist hier dennoch bestens aufgehoben.

Publisher: dtp
krone.at-
Wertung: 8/10
Plattform: PC

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