Seit Monaten dreht sich alles um die Schuldenkrise der meisten europäischen Länder. Dabei hat schon vorher niemand erwartet, dass ein Staat seine Schulden auch wirklich voll zurückzahlt, wie es ein privater Kreditnehmer tun muss. Vielmehr funktioniert das System so, dass Staatsanleihen mit bestimmter Laufzeit an Investoren verkauft werden. Ist diese Laufzeit zu Ende, gibt man neue Anleihen aus, um mit deren Erlös die früheren Wertpapiere zu bezahlen.
Es geht um gigantische Summen
Die Schulden werden somit eigentlich immer nur bis zum St. Nimmerleinstag weitergewälzt. Zusätzlich kommen Jahr für Jahr durch die Budgetdefizite weitere Milliarden dazu, die über den Kapitalmarkt finanziert werden müssen. Die Summen sind gigantisch. Geschätzte 6.000 Milliarden Euro müssen die elf wirtschaftlich stärksten Länder der Welt alleine heuer bei Investoren ausborgen! Österreich braucht weitere 20 bis 24 Milliarden, was dem langjährigen Schnitt entspricht.
Davon sind rund 17 Milliarden Euro notwendig, um ablaufende alte Staatsanleihen zu tilgen, der Rest ergibt sich, je nachdem wie hoch das Budgetdefizit ausfällt. "2014 gibt es einen Ausreißer nach oben, weil dann die 2009 für das Bankenhilfspaket begebenen Anleihen fällig werden", so Martha Oberndorfer, als Chefin der Bundesfinanzagentur oberste "Schuldenmanagerin" der Republik. Laut Plan sinkt in den Folgejahren bis 2037 der Finanzierungsbedarf dann wieder.
Kampf um Investoren intensiver geworden
Insgesamt sind fix 183 Milliarden Euro an bereits begebenen Staatsanleihen offen (plus je nach Defizitentwicklung eventuell weitere), die wir uns von Geldgebern neu ausborgen müssen. "Und die sind sehr wählerisch geworden, der Kampf um Investoren ist wegen der Schuldenproblematik ganz klar intensiver." 98,5 Prozent unserer Schulden wurden in Euro aufgenommen, dazu kommen 2,1 Milliarden Euro in Schweizer Franken sowie 470 Millionen Euro in Yen.
Wichtigste Geldgeber sind Versicherungen, Banken, Pensionsfonds und andere Großanleger. Diese sehen die jüngste Herabstufung unserer Kreditwürdigkeit durch die Agentur Standard & Poor’s offenbar entspannt. Dieser Tage konnten wir eine Anleihe mit der Rekordlaufzeit von 50 Jahren (!) um moderate 3,8 Prozent Zinsen locker verkaufen. Für zehn Jahre zahlen wir 3,29 Prozent – merklich weniger als der Euro-Schnitt oder die USA, allerdings mehr als der Musterschüler Deutschland.
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