Sa, 15. Dezember 2018

Am Heldenplatz

27.01.2012 13:41

Hunderte Menschen begehen Holocaust-Gedenktag in Wien

Einige Hundert Menschen, darunter Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde, Kirchenrepräsentanten und Parteiprominenz von SPÖ und Grünen, haben am Freitag auf dem Wiener Heldenplatz den internationalen Holocaust-Gedenktag begangen. Nur wenige Meter von der Hofburg entfernt, wo sich am Abend schlagende Burschenschafter zum umstrittenen Ball des Wiener Korporationsrings treffen, legten sie einen Kranz nieder und formten aus Blumen den Schriftzug "Erinnern und Zeichen setzen!".

Gedacht wurde der sechs Millionen ermordeten Juden sowie der Sinti und Roma, Homosexuellen, politisch Verfolgten und Behinderten, die dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer gefallen sind. "Ihr, die ihr heute hier tanzen und feiern werdet, wir erinnern euch an die Ermordung von zwei Dritteln des europäischen Judentums", sagte der Holocaust-Überlebende Rudolf Gelbard in seiner Rede.

"Sind Schreibtischtäter, die mich ängstigen"
Ariel Muzicant, Präsident der Wiener IKG, warnte vor der Gefahr der "Wurschtigkeit" in der Bevölkerung. Die Menschen seien bereit, eine Partei zu wählen, in der all das verherrlicht werde, was die schrecklichen Verbrechen des Nationalsozialismus ausgelöst habe, sagte er, ohne die FPÖ direkt zu nennen. "Es sind nicht die blöden Buben, die irgendwelche Hakenkreuze schmieren, die mich ängstigen, es sind diese Schreibtischtäter."

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek erinnerte an die Symbolik des Gedenkens an jenem Ort, an dem die Menschen 1938 Adolf Hitler zugejubelt hatten. "Wir sind nicht das andere Österreich, wir sind Österreich", rief sie den Teilnehmern der Veranstaltung zu. Grünen-Chefin Eva Glawischnig sprach von der abgrundtiefen Bösartigkeit der NS-Verbrechen und der Verpflichtung, diese niemals zu vergessen. "Umso perfider ist es, dass auf diesen Gräbern von Auschwitz heute getanzt wird." Einmal mehr verlangte sie den Rücktritt des dritten Nationalratspräsidenten und Burschenschafters Martin Graf.

WKR-Ball "Verhöhnung der Opfer"
Für die Kirchen gebe es "keine Schlussstrichmentalität", sagte der evangelische Bischof Michael Bünker. Er rief zur Wachsamkeit gegenüber Rassismus, Antisemitismus und rechtsextremem Gedankengut auf und bezeichnete es als ungeheuerliche Geschmacklosigkeit und Verhöhnung der Opfer, dass der WKR-Ball am Freitag stattfinden könne. Dass auch die Kirche und viele Katholiken "in den bitteren Entscheidungsjahren des 20. Jahrhunderts" teilweise versagt und Schuld auf sich geladen hätten, erklärte die Präsidentin der Katholischen Aktion, Luitgard Derschmidt.

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