Nicht nur Frauenthema

Oft leiden auch Männer an schwacher Blase

Gesund Aktuell
28.08.2023 06:30

„Er“ leidet aus Scham oft still, isoliert sich sozial und büßt an Lebensqualität ein. Manche zögern aus Angst vor einer möglichen Folgeinkontinenz sogar onkologische Behandlungen hinaus oder verweigern diese ganz. Dabei lässt sich Blasenschwäche mittlerweile gut therapieren, wie ein Facharzt berichtet.

Jeder Fünfte - Männer und Frauen zu gleichen Maßen - ist im Laufe seines Lebens von Blasenschwäche betroffen. Die Hauptrisikofaktoren bei „ihm“ sind zunehmendes Alter und Folgen von Operationen im heiklen Bereich.

„Obwohl sich in den vergangenen Jahren schon einiges getan hat, gilt die Enttabuisierung der Inkontinenz, vor allem bei Männern, nach wie vor als sehr wichtig. Denn viele leiden stumm vor sich hin und nehmen die psychische Belastung in Kauf“, berichtet Prim. em. Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Hübner, Urologische Abteilung im Landesklinikum Weinviertel-Korneuburg, NÖ, und Koordinator des Fachbeirates im Inkontinenz-Zentrum an der Privatklinik Confraternität in Wien. „Wir beobachten auch, dass sich Betroffene aus Scham sozial isolieren, Suizidgedanken hegen bzw. aus Angst vor einer möglichen Folgeinkontinenz onkologische Behandlungen hinauszögern oder verweigern. Dabei lässt sich Blasenschwäche gut therapieren!“

Zuerst Prostatakrebs, dann inkontinent?
Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebsart beim „starken Geschlecht“. Österreichweit geht man derzeit von etwa 4400 Neudiagnosen pro Jahr aus. Im Zuge der Tumorbehandlung kann die Kontinenz leiden. Das schreckt manche Männer, wie erwähnt, von einer lebensrettenden Operation ab. Andere fühlen sich auch nach dem Eingriff psychisch belastet, weil sie durch ihre (mögliche) Inkontinenz ständig an ihre Krebserkrankung oder eine drohende Impotenz erinnert werden.

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Nur bei 5-15 Prozent der Patienten, die eine Prostatakarzinom-OP hinter sich haben, ist der Harnverlust so groß, dass man therapieren sollte.

Urologe Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Hübner

Implantate regulieren Blasenschließmuskel
„Häufig kommt die Kontinenz nach dem Ausheilen der Wunde - spätestens ein halbes Jahr nach dem Eingriff - auf natürliche Weise zurück. Nur bei 5-15 Prozent der Patienten, die eine Prostatakarzinom-OP hinter sich haben, ist der Harnverlust so groß, dass man therapieren sollte“, erklärt Prof. Hübner. „Um das Problem des Verschlusssystems, das durch die fehlende Prostata entstehen kann, zu bändigen, gibt es verschiedene Implantate, die den Widerstand auf die Harnröhre erhöhen und den Blasenschließmuskel regulieren.“

Derzeit werden diese Implantate zumeist manuell durch das Betätigen einer hydraulischen Pumpe im Körper ausgelöst. „Die Zukunft liegt jedoch in elektronischen Ansätzen. In einigen Jahren kann man die Schließmuskeln über kleine Fernbedienungen oder das eigene Handy bedienen“, wagt der Facharzt einen Blick in die Zukunft.

Höheres Alter als Risiko für plötzlichen Harndrang
Darüber hinaus können Männer an einer Dranginkontinenz bzw. überaktiven Blase leiden. Dabei kommt es zu einem überfallsartig auftretenden starken Harndrang. Das Risiko dafür steigt mit dem Alter. Zwischen 60 und 69 Jahren gelten 20-25 Prozent als betroffen.

„Medikamente, die etwa 1,5 Stunden vor Aktivitäten, bei denen nicht sofort eine Toilette zu erreichen ist, eingenommen werden, schaffen Abhilfe. Langfristig sind bei älteren Menschen Behandlungen mit Botox, das in die Blasenwand gespritzt wird, sehr effizient“, führt Prof. Hübner aus. Diese dämpfen nämlich die Blase und die Symptome verschwinden nach zwei bis vier Wochen für ein halbes Jahr.

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