19.01.2012 15:03 |

Nach WKR-Diskussion

UNESCO streicht "Wiener Ball" aus Weltkulturerbe

Die österreichische UNESCO-Kommission hat das Element "Wiener Ball" - und damit auch den WKR-Ball - aus dem Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich gestrichen. "Wir bedauern, dass wir im Rahmen der Einreichung die Listung des WKR-Balls übersehen haben, und haben uns nun entschieden, die gesamte Liste der Wiener Traditionsbälle per sofort aus dem Verzeichnis zu entfernen", erklärte Eva Nowotny, Präsidentin der Kommission, am Donnerstag in einer Aussendung.

Die Aufnahme des umstrittenen Festaktes des Wiener Kooperationsrings in die UNESCO-Liste war am Dienstag bekannt geworden und hatte seitdem für Empörung gesorgt. Nowotny sah sich daher noch am Mittwochabend dazu veranlasst, Schadensbegrenzung zu betreiben.

"Wir haben es (den WKR-Ball, Anm.) auf der Liste nicht wirklich wahrgenommen", so die Präsidentin der Österreichischen UNESCO-Kommission in der "ZiB". Sie kündigte eine neue Prüfung durch den Fachbeirat an, ein Zurückziehen der Nennung wollte sie "nicht ausschließen". Bereits am Donnerstagnachmittag wurde schließlich die Entscheidung bekannt gegeben, das gesamte Element "Wiener Ball" von der Liste zu streichen.

Neuerliche Bewerbung noch offen
Es liege nun beim Antragsteller - dem Kontaktkomitee der Wiener Nobel- und Traditionsbälle -, die Liste der Bälle abzuklären. "Eine abgeklärte Liste kann selbstverständlich wieder aufgenommen werden", so Nowotny. Eine Eintragung in das Verzeichnis müsse grundsätzlich auch mit den Grundwerten und Grundprinzipien der UNESCO im Einklang stehen, "wobei Toleranz und Respekt vor anderen Kulturen und Wertschätzung kultureller Diversität besondere Priorität haben", so die Präsidentin.

Ob sich der "Wiener Ball" - ohne den umstrittenen Ball des Wiener Korporationsringes - neuerlich als Weltkulturerbe bei der UNESCO bewerben wird, ist noch offen. Das werde man sehen, im Moment gebe es noch viele Gespräche, sagte Susanne Schöner, Vorsitzende des Kontakt-Komittees der Wiener Nobel-und Traditionsbälle.

Auch Opernball und Co. verloren Status
Bis zur Entscheidung werde es jedenfalls noch dauern. Das sei ein "langfristiger Prozess", sagte Schöner. Für die heurige Ballsaison sei die Sache jedenfalls schon gelaufen. Mit der Streichung verloren auch der Opernball, der Philharmonikerball und andere bekannte Bälle ihren Status als "Weltkulturerbe".

Grundsätzlich entscheidet die UNESCO nicht von sich aus, was zum immateriellen Kulturerbe erklärt wird, sondern prüft entsprechende Anträge von Traditionsträgern. In diesem Fall war dies das Kontaktkomitee der Wiener Nobel- und Traditionsbälle.

Jelinek: "Verachten österreichische Nation"
Eine öffentliche Entschuldigung bzw. den Rücktritt des UNESCO-Komitees hatte zuvor Elfriede Jelinek, die sich zuletzt auch kritisch zur - mittlerweile geplatzten - Bestellung von "Kinderkönig" Niko Pelinka zum Büroleiter des ORF-Generaldirektors geäußert hatte (siehe Infobox), in einem Schreiben an SOS-Mitmensch gefordert.

"Ich sehe diese Aufwertung einer skandalösen Veranstaltung, die nicht zuletzt auch dem antifaschistischen Verfassungsauftrag Hohn spricht, als eine Verunglimpfung Österreichs an. Ein deklariert deutschnationaler Ball kann im Übrigen niemals Österreich zu irgendwelchen Ehren gereichen, er sollte, wenn überhaupt, in das deutsche ('und heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt') Weltkulturerbe einfließen", so Jelinek. "So sehen das sicher auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Balles. Sie wollen Deutsche sein und verachten die österreichische Nation."

Veranstalter: "Ball im Zeichen der Menschenrechte"
Der Vorsitzende des Ballausschusses des Wiener Korporationsballs, Udo Guggenbichler, verlautbarte indessen, der Ball in der Wiener Hofburg werde heuer im Zeichen von Demokratie und Menschenrechten stehen. "Freiheit und Demokratie müssen immer wieder neu erkämpft werden. Studentenverbindungen waren im 19. Jahrhundert dafür an vorderster Front tätig und sind es auch heute, wenn sich neuerlich Tendenzen zeigen, die Freiheit einzelner Gesellschaftsgruppen einzuschränken", so Guggenbichler. Die Vorbereitungen würden "trotz der Androhung massiver Proteste dank der positiven Zusammenarbeit mit den Hofburg-Verantwortlichen reibungslos" verlaufen.

Ab dem kommenden Jahr wird der Ball nicht mehr in der Hofburg stattfinden. Bereits Anfang Dezember hatte die Wiener Hofburg Kongresszentrum BetriebsgmbH mitgeteilt, dass die Hofburg nicht mehr als Veranstaltungsstätte zur Verfügung stehe. Als Begründung wurde die "aktuelle politische und mediale Dimension, welche die Abhaltung des WKR-Balles in den letzten Jahren angenommen hat", angeführt.

Da in den Storypostings keine sinnvolle Diskussion mehr stattgefunden hat und gegen die Netiquette verstoßende Postings überhandgenommen haben, sehen wir uns gezwungen, das Forum bis auf Weiteres zu deaktivieren.

Samstag, 18. September 2021
Wetter Symbol