Bei Wasser, Bier, Limonade, Fruchtsaft und Milch landen bereits vier von fünf Plastikflaschen im Müll, wie dem aktuellen Umsetzungsbericht zur Nachhaltigkeitsagenda der Österreichischen Getränkewirtschaft zu entnehmen ist. "Diese Verschwendung von Rohstoffen und Energie bei gleichzeitigem Anwachsen der Müllmenge ist anachronistisch und zeigt deutlich, dass das im Abfallwirtschaftsgesetz festgeschriebene Prinzip der Abfallvermeidung nicht ausreichend umgesetzt wird", so Alfred Brezansky von der Wiener Umweltanwaltschaft. Er fordert, ebenso wie der Vorstand des Österreichischen Ökologie-Instituts, Christian Pladerer, die Umsetzung rechtlich verbindlicher Maßnahmen.
Bonusmodell bleibt vorerst in der Schublade
Umweltminister Berlakovich hatte bereits Anfang 2010 eine Arbeitsgruppe installiert, die ein Bonus/Malus-System ausarbeitete, mit dem der Handel zu einem bestimmten Mehrweganteil gezwungen werden sollte (siehe Infobox). Der Öko-Bonusmodell-Vorschlag scheiterte - je nach Lesart - am politischen Willen bzw. am Widerstand der Wirtschaft. Das Umweltministerium spielte den Ball zuletzt an die Sozialpartner weiter. Im Sommer 2011 legten diese ein Konzept vor, das wieder auf Freiwilligkeit setzt: Der Handel wurde ersucht, Mehrweggebinde prominenter in den Supermarktregalen zu platzieren und zu bewerben.
An der Wirkungslosigkeit der freiwilligen Vereinbarungen werde jedoch auch das aktuelle Sozialpartnerabkommen nichts ändern, konstatierte Universitätsprofessor Gerhard Vogel von der Wirtschaftsuniversität Wien. Außerdem sei auch eine Öffentlichkeitsarbeitskampagne unerlässlich, um die teilweise geschwundene Wertschätzung für den Gedanken der Wiederverwendung wiederherzustellen, so Werner Hochreiter, Umweltexperte der AK Wien.
Handel und Industrie gegen Ökobonus-Modell
Handel und Industrie hatten sich in der Vergangenheit stets gegen das etwa auch von den Grünen befürwortete Öko-Bonusmodell ausgesprochen. Argumentiert hatten sie dies unter anderem mit dem hohen administrativen Aufwand und dem Verhalten der Kunden. Diese hätten in den letzten Jahren eben vermehrt zur Plastikflasche gegriffen, weil sie nicht mehr bereit seien, schwere Glasgebinde nach Hause zu schleppen. Außerdem ist umstritten, ob Glas- und Mehrwegflaschen wirklich umweltschonender sind als Wegwerfflaschen.
Deutsche Studie bringt keine Klarheit für Österreich
Die Verfechter des Ökobonus-Modells sehen sich nun durch eine neue Studie im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe bestätigt. "Die klassische Mehrwegflasche ist Einweg-Getränkeverpackungen nicht nur ökologisch, sondern unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten auch ökonomisch und sozial deutlich überlegen", argumentieren die Autoren der Studie, die von PricewaterhouseCoopers (PwC) erarbeitet und am Mittwoch in Wien vorgestellt wurde.
PwC Österreich stellte dazu jedoch fest, dass die Ergebnisse der deutschen Auftragsstudie nicht ohne weiteres auf Österreich übertragbar seien, da sich Märkte und Sammelsysteme deutlich unterschieden. Daher sei aus der Studie auch kein Urteil ableitbar, welches der beiden Systeme, Mehrweg oder Einweg-Pfand, für Österreich als vorteilhafter zu betrachten ist.
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