Zum Auftakt der Protestveranstaltung skizzierte der Vorsitzende des Betriebsrats des ärztlichen Personals, Ärztekammer-Vizepräsident Thomas Szekeres, erneut die drohenden Einschnitte. Er verwies etwa auf die geplanten Einsparungen bei den Journaldiensten und warnte vor verlängerten Wartezeiten bei Operationen. Werde das AKH "heruntergefahren", sei dies weder wirtschaftlich noch medizinisch sinnvoll.
"Wir kämpfen weiter"
"Das Ganze ist vergleichbar mit einem Autobus, der nur halb besetzt ist", so Szekeres. Die Betriebskosten blieben gleich, lediglich die Einnahmen würden geringer ausfallen. Der Ärztevertreter kündigte weitere Aktivitäten an: "Wir kämpfen weiter, bis die Politik das Haus finanziert."
Auch Prominente - unter anderem Schauspieler Otto Schenk und Ex-Politikerin Freda Meissner-Blau - und Patienten ließen es sich nicht nehmen, bei der Versammlung ihre Solidarität mit den Ärzten kundzutun. Die Veranstaltung in der Aula war die erste, die auch von Besuchern bzw. Patienten des Spitals mitverfolgt werden kann. Bisher gab es lediglich interne Betriebsversammlungen.
Otto Schenk: "Und dann zahlen beide nix"
Dass er ein Mann der Bühne ist, hat Otto Schenk bei der Versammlung auf jeden Fall bewiesen. Er konnte bei seinem Auftritt nicht nur frenetischen Applaus der versammelten Ärzteschaft verbuchen, sondern er zog auch Vergleiche mit seinem Berufsleben. "Ich kenne das aus der Josefstadt", verwies er auf seine Theatererfahrung: "Die Stadt sagt, sie zahlt nur, wenn der Bund zahlt. Der Bund sagt, er zahlt, wenn die Gemeinde zahlt. Und dann zahlen beide nix."
Er verdanke dem AKH sein Leben, betonte der prominente Schauspieler und Regisseur. Die Zeit als Patient hat er trotz schwerer Krankheit offenbar auch in guter Erinnerung: "Ich habe eine derartige Freundlichkeit und Aufopferung in keiner Institution je erlebt." Er sprach sich entschieden gegen Einsparungen wegen "lächerlicher neun Millionen Euro" aus: "Das ist doch heute gar nichts."
Um bei den Verantwortlichen ein Umdenken zu bewirken, dafür hatte Otto Schenk ein mögliches Rezept parat: "Ich bin dafür, dass man Politiker zu einer Hirntransplantation in dieses Krankenhaus bringt." Leistungen zu reduzieren, wäre so, als ob man den Wiener Philharmonikern sagen würde, die zweite Geige wegzulassen. Und er scherzte: "Ich kann nicht versprechen, dass ich zur verbleibenden Dienstzeit der Unfallabteilung rechtzeitig am Glatteis ausrutsche."
Sparmaßnahmen ab 1. Februar
Anlass für die Protestversammlung sind die Budgetnöte der Medizinischen Universität Wien, an der die AKH-Ärzte angestellt sind. Mit 1. Februar 2012 werden im größten Spital des Landes die Journaldienste reduziert. Künftig sollen 146 statt 172 Ärzte pro Nacht bzw. am Wochenende im Einsatz sein. Zudem ist geplant, Stellen nicht nachzubesetzen.
Gesundheitsminiter Alois Stöger zeigte sich am Dienstag vor dem Ministerrat unzufrieden mit den Sparmaßnahmen am Wiener AKH. Die Uni-Krankenanstalten hätten die Aufgabe, den Menschen auch entsprechend medizinisch zu versorgen. Stöger denkt nun gesetzliche Änderungen an, wie man die Versorgung besser garantieren könne.
Zu diskutieren ist für ihn die Uni-Autonomie, wie sie im Jahr 2002 unter Schwarz-Blau beschlossen worden war. Was genau er hier ändern würde, sagte Stöger nicht. Allerdings ist der Gesundheitsminister für die Budgetierung des AKH auch gar nicht zuständig, als Uni-Klinik fällt das AKH großteils in die Kompetenz von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle.
Töchterle: "Bessere Koordinierung der Finanzierung"
Dieser zeigte am Dienstag Verständnis für die Nöte der AKH-Leitung und erklärte, dass mittlerweile 50 Prozent des Budgets für Patientenleistungen aufgewendet werden müssten, obwohl die Uni-Klinik grundsätzlich vor allem für Ausbildung und Forschung die Verantwortung trage. Töchterle will nun eine bessere Koordinierung der Finanzierung des AKH.
Der Minister verwies darauf, dass das AKH die einzige Universitätsklinik in Österreich sei, bei der das gesamte ärztliche Personal vom Bund bezahlt werde, wo also das Land keinen Beitrag leisten muss. Aus seiner Sicht ist hier in Graz und Innsbruck eine bessere Lösung gefunden worden, wo sich die Steiermark und Tirol an den Kosten beteiligen.










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