Derzeit sind im größten Krankenhaus des Landes 172 Ärzte pro Nacht bzw. am Wochenende im Einsatz. Diese Zahl wird nun auf 146 reduziert. Das würde "wahrscheinlich ein Einsparungsvolumen von sechs Millionen Euro bringen", rechnete Schütz vor, was zwei Drittel der einzusparenden Summe entspräche. Die restlichen drei Millionen Euro sollen durch die Nicht-Nachbesetzung von Stellen eingespart werden. Die Medizinische Universität wird heuer mit einem Minus von neun Millionen Euro abschließen.
"Interne Gesprächsrunde" mit vier Klinikleitern
Dieser Prozess habe schon im Herbst begonnen, so Schütz. Ungefähr 20 Stellen seien heuer nicht mehr nachbesetzt worden, 30 weitere sollen 2012 folgen. Wie es 2013 weitergeht, wisse man nicht: "Das wird sich bis Ende des Jahres weisen", erklärte der Rektor. Bis Ende 2011 müsse das Budget für die Unis für 2013 bis 2015 stehen.
Dass die Reduktion der Journaldienste erst ab 1. Februar 2012 und nicht schon ab 1. Jänner erfolgt, hat laut Schütz zwei Gründe: Es werde eine "interne Gesprächsrunde" mit vier Klinikleitern geben. Dabei solle genau definiert werden, "welche Leistungsreduktionen ab 1. Februar im klinischen Bereich zu erwarten sein werden".
Schütz kritisiert Stadt Wien
Zudem soll im Jänner ein Runder Tisch mit Vertretern des Bundes, der Stadt Wien, AKH-Chef Reinhard Krepler und Schütz stattfinden, wo unter anderem die künftige Struktur des Krankenhauses besprochen wird. Es solle Klarheit geschaffen werden, wie das AKH mittel- bis langfristig geleitet werden solle, unterstrich Schütz. Eine Möglichkeit wäre eine Betriebsgesellschaft: "Wesentlich muss sein, dass diejenigen, die bestimmen, was zu leisten ist, auch zahlen, auch die Finanzierung festlegen." Derzeit laufe dies parallel: "Lehre und Forschung einerseits, Krankenversorgung auf der anderen Seite."
Dabei kritisierte Schütz die Stadt: "Die Stadt Wien definiert nicht, was an Krankenversorgung zu leisten ist, und wir müssen, da wir alle Ärzte im AKH stellen, bei Zunahme der Versorgungstätigkeiten immer mehr Ärzte stellen. Und das passt nicht zusammen."
"Haben bisher diese Vereinbarung immer erfüllt"
Der Hintergrund des Konflikts: Es gibt eine gültige Vereinbarung zwischen Stadt und Bund, die besagt, dass die Kosten für das medizinische Personal von der Uni zu tragen sind. Das Pflege- und Erhaltungspersonal wird hingegen von der Stadt bezahlt, die auch Betreiberin und Erhalterin des AKH ist. Zudem habe im Haus Vollbetrieb zu herrschen, so der Rektor: "Wir haben bisher diese Vereinbarung immer erfüllt." Die Med-Uni habe immer Ärzte in ausreichender Zahl zur Verfügung gestellt, versicherte er.
"Diejenige Partei, die diese Vereinbarung bis jetzt nicht eingehalten hat, ist die Stadt Wien", beklagte Schütz. Die Stadt reduziere laufend das Personal für Pflege und Leitstellen, sodass permanent Teile von Stationen, Betten und Leitstellen gesperrt seien. Er betonte: "Das heißt, der nicht bestehende Vollbetrieb, der jetzt herrscht, ist auf die Stadt Wien zurückzuführen und nicht auf die Ärzte." Er forderte Bund und Stadt zur Einigung auf.
Weitere Protestaktionen seitens der AKH-Belegschaft geplant
Erst am vergangenen Dienstag hatte die Ärztebelegschaft im AKH eine Betriebsversammlung abgehalten (siehe Infobox). Dabei war beschlossen worden, weiter gegen die drohenden Einsparungen zu protestieren. Als nächster Schritt soll am Dienstag eine Protestveranstaltung gegen die Einsparungsmaßnahmen abgehalten werden. An dieser öffentlichen Versammlung werden auch prominente Ex-Patienten teilnehmen.









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