Vier Entführte tot

Kolumbien: FARC-Geisel nach 12 Jahren entkommen

Ausland
27.11.2011 10:36
Rund zwölf Jahre nach seiner Entführung ist einem kolumbianischen Polizisten (Bild) die Flucht aus der Geiselhaft der linksgerichteten Guerillaorganisation "Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens" (FARC) gelungen. Vier weitere Entführte, drei Polizisten und ein Soldat, seien jedoch grausam umgebracht worden, erklärte Präsident Juan Manuel Santos am Samstag in Bogotá.

Die Entführten gehörten zu den am längsten festgehaltenen Geiseln der Guerillagruppe. Der entkommene Polizist sei laut Angaben des Verteidigungsministeriums von den FARC-Kämpfern verfolgt und am Kopf verletzt worden. "Als er die ersten Schüsse hörte, entschied er sich für die Flucht", sagte Pinzon. Auf den heimkehrenden Polizisten warteten zwei Töchter.

Die Guerillas hätten demnach auf die Geiseln geschossen, als sich Regierungstruppen ihrem Standort näherten, erklärte Verteidigungsminister Juan Carlos Pinzon (zweites Bild, Mitte). Drei der vier Getöteten wiesen den Angaben zufolge Kopfschüsse auf, der vierte wurde von hinten erschossen. Der getötete Soldat José Libio Martinez befand sich demnach bereits seit 1997 in der Hand der FARC. Der Vater eines der erschossenen Polizisten machte die kolumbianischen Streitkräfte für den Tod seines Sohnes verantwortlich.

Nach Tod von Alfonso Cano neuer Chef gekürt
Die Guerillagruppe soll noch knapp 20 Angehörige der Sicherheitskräfte in ihrer Gewalt haben. Erst vor wenigen Tagen hatte die Organisation einen neuen Chef benannt. Timoleon Jimenez alias Timoschenko wurde laut Medienberichten zum neuen Kommandanten gewählt, nachdem sein Vorgänger Guillermo Leon Saenz Vargas alias Alfonso Cano Anfang November bei einem Gefecht mit der Armee getötet worden war (siehe Infobox). Jimenez gehört der Bewegung seit Beginn der 1980er-Jahre an und zählte zuletzt zu den sieben Führungsmitgliedern der FARC.

Gruppe zählt noch rund 8.000 Kämpfer
Die FARC gilt als bedeutendste Rebellenorganisation Kolumbiens. Ihr gehören nach offiziellen Angaben rund 8.000 Kämpfer an, die vor allem in den Grenzgebieten zu Venezuela und Ecuador aktiv sind. Seit den 1980er-Jahren versucht die FARC durch Entführungen von Beamten und Politikern Druck auf die Regierung auszuüben. Die prominenteste FARC-Geisel war die Politikerin Ingrid Betancourt. Die Franko-Kolumbianerin war 2002 entführt und Mitte 2008 nach sechseinhalb Jahren freigelassen worden.

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