Nach Säure-Attentat

Entstellte Iranerin bereut nun ihren Verzicht auf Rache

Ausland
23.11.2011 09:32
Die seit einem Säure-Attentat schwer entstellte Iranerin Ameneh Bahrami bereut es mittlerweile, auf die Bestrafung ihres Peinigers verzichtet zu haben. Der Grund: Durch ihre Unterschrift auf der Verzichtserklärung schlug sie auch den vollen Schadenersatz aus, der ihr zugestanden wäre. Nun muss sie wahrscheinlich auch das Geld abschreiben.

"Da ich damals keinen Anwalt hatte, habe ich das Verzichtsschreiben einfach unterzeichnet", sagte die 33-Jährige am Dienstag der iranischen Nachrichtenagentur ISNA. "Ich habe auf die Vergeltung verzichten wollen - nicht aber auf den vollen Schadenersatz." Doch genau das trat - ohne ihr Wissen - ein.

"Quasi keinen Anspruch mehr"
Ihrem nunmehrigen Anwalt Mohammad-Hadi Najafi zufolge hatte die Frau mit dem Verzichtsschreiben unwissend auch die volle Schadenersatzsumme - samt der Kosten für mehrere Operationen im Ausland - aufgegeben. Einen Rechtsbeistand hatte sie damals nicht. "Da sie keine juristischen Kenntnisse hatte, hat sie ein Schreiben signiert, womit sie quasi keinen Anspruch mehr auf Schadenersatz hat", so der Jurist.

Mowahedi, der seit der Tat eine zehnjährige Gefängnisstrafe absitzt, muss nun nur den gesetzlich festgelegten Schadenersatz bezahlen. Dieser dürfte, sofern er überhaupt jemals entrichtet wird, die Operationskosten aber nicht decken: Im Iran steht Frauen laut islamischem Recht nur die Hälfte des Schadenersatzes der Männer zu. Najafi will deshalb erneut vor Gericht das Recht seiner Mandantin auf Vergeltung erzwingen, falls ihr Peiniger keinen adäquaten Schadenersatz bezahle. Bahrami fügte hinzu: "Der volle Schadenersatz wurde mir sowohl vom Gericht als auch von meinem Peiniger versprochen."

"Ich habe fast alles verloren"
Das Säure-Attentat hat das Leben Bahramis zerstört: "Ich habe fast alles verloren, mein Gesicht, mein Augenlicht, meine Arbeit." Die Haut ihres Gesichts ist narbig und gespannt. Ihr rechtes Auge ist aus Glas, das linke von einem Hautstück überwachsen. Die Ärzte haben praktisch keine Hoffnung, dass sie jemals wieder sehen kann - und das wegen eines Studienkollegen, der es nicht ertragen konnte, dass sie ihn nicht heiraten wollte.

Dabei kannten sie sich nicht einmal gut, wie Bahrami sagte: "Er war kein Freund oder Verlobter. Ich hatte ihn nur in der Universität ein paar Mal gesehen." Der Heiratsantrag Mowahedis war über die Mutter des Mannes übermittelt worden. Als ihn Bahrami zurückwies, stoppte Mowahedi die junge Frau an jenem Tag im September 2004 auf der Straße in Teheran und schüttete ihr die Schwefelsäure ins Gesicht.

Nach dem Prinzip "Auge um Auge" erlaubt das islamische Recht Opfern, dem Täter gleiches Leid zuzufügen. Bahrami erstritt sich 2008 vor Gericht dieses Recht und erhielt dadurch die Erlaubnis, dem Täter unter Betäubung Säure in die Augen zu träufeln. Kurz vor der Vergeltung verzichtete Bahrami dann aber darauf.

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