Ezio meuchelt wieder

Eine Offenbarung: "Assassin's Creed Revelations"

Spiele
23.11.2011 12:15
Nicht weniger als eine Offenbarung verspricht Publisher Ubisoft Gamern dem Titel nach mit seinem jüngsten Ableger der "Assassin's Creed"-Serie, "Revelations". Den sichtlich gealterten Meister-Assassinen Ezio Auditore verschlägt es darin ins Herz des Osmanischen Reiches nach Konstantinopel, wo er in die Fußstapfen seines Mentors Altair tritt, um sich einer Armee von Templern entgegenzustellen.

Seinen Anfang nimmt "Assassin's Creed Revelations" aber in der Zukunft, inmitten des Animus, also jener Maschine, mit der sich die in der DNA gespeicherten Erinnerungen eines Menschen noch einmal durchleben lassen. Protagonist Desmond, der bereits in den Vorgängern in die Rollen von Altair und Ezio schlüpfte, bekam der Wechsel zwischen den Persönlichkeiten allerdings nicht gut: Er sitzt im Animus fest und droht allmählich den Verstand zu verlieren.

Damit das nicht passiert, macht er sich in der surreal anmutenden Welt des Animus auf die Suche nach seiner Vergangenheit. Die an Valves "Portal" erinnernden und in der Ego-Perspektive spielenden Puzzle-Level bilden dabei einen sowohl in optischer als auch spielerischer Hinsicht harten Kontrast zu den eigentlichen "historischen" Missionen, in deren Mittelpunkt abermals Ezio und sein Mentor Altair stehen.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unter einem Hut
Wer die bisherigen "Assassin's Creed"-Teile nicht kennt, wird sich dementsprechend schwer tun, den Wechsel zwischen den unterschiedlichen Zeitebenen und ihren Darstellern – Desmond, Ezio, Altair – nachzuvollziehen. Wirklich wichtig ist dies aber ohnehin nicht, auch wenn es Ubisoft erstaunlich gut gelingt, die drei Erzählebenen zusammenzuführen und dabei noch Platz für neue Handlungsstränge, allen voran eine Romanze zwischen Ezio und der schönen Sofia, zu finden.

Sichtlich ergraut, aber erfahren
Was "Assassin's Creed Revelations" nämlich vor allem auszeichnet, ist die Möglichkeit, in eine verblüffend real wirkende virtuelle Welt einzutauchen und in dieser aufzugehen. Diente dafür zuletzt noch Rom als Kulisse, so ist nun das Osmanische Reich mitsamt seiner Hauptstadt Konstantinopel Schauplatz.

Hier muss ein inzwischen sichtbar gealterter, aber auch dementsprechend erfahrener Ezio zusammen mit einer lokalen Assassinen-Belegschaft erneut in den Kampf gegen die Templer ziehen und verhindern, dass diese ihren Einfluss auf das Reich ausweiten. Es beginnt ein Wettrennen gegen die Zeit, genauer gesagt um eine Handvoll Schlüssel, die das Tor zu einer Schatzkammer voll längst verloren geglaubtem Wissen öffnen sollen.

Neue Gadgets fürs alte Gameplay
Um an sie zu gelangen, muss Ezio wie bereits im Vorgänger "Brotherhood" zahlreiche Meuchelmorde begehen, neue Assassinen rekrutieren, seinen Einflussbereich durch Investitionen im Immobilienbereich ausweiten und immer wieder klettern – vom höchsten Minarett bis in tief unter der Erde liegende Verliese. Fans der Serie kommt dies sicherlich bekannt vor, weshalb sich die Entwickler einige Neuerungen einfallen haben lassen.

Dazu zählt zum Beispiel die Hakenklinge, mit der Ezio schneller an Mauern hochklettern und weitere Sprünge wagen kann. Der Hybrid aus Waffe und Werkzeug eignet sich außerdem dazu, an jenen Seilen entlang zu rutschen, die neuerdings über den Dächern der Stadt gespannt sind und eine hervorragende Gelegenheit zur schnellen Flucht bieten.

Bomben für jeden Geschmack
Neu hinzugekommen zum Gadget-Arsenal des Assassinen sind neben einem Fallschirm außerdem zahlreiche Bomben, die Ezio aus überall in der Stadt versteckten und auch käuflich erwerbbaren Komponenten zusammenbasteln kann. Unterschieden wird dabei zwischen tödlichen Spreng- oder Giftfallen und solchen, die für Täuschungs- oder Ablenkungsmanöver gedacht sind.

Die Vielzahl an unterschiedlichen Bomben dürfte letzten Endes auch zu einer kleinen Änderung des Tastenlayouts geführt haben. Gamer können nun über zwei Schnellwahlräder ihre Primär- und Sekundärwaffe festlegen, um dann zwischen diesen sowie zwei weiteren Ausrüstungsgegenständen per Hotkey wechseln zu können.

Sturm auf die Assassinen-Feste
Überarbeitet wurde schließlich auch das Steckbrief-System, genauer gesagt: Es wurde entfernt. Wer unangenehm auffällt, kann nun nicht mehr einfach zur nächsten Häuserwand laufen und einen dort angebrachten Steckbrief zerreißen, um den eigenen Fahndungslevel zu senken. Stattdessen müssen zum Beispiel wie im Vorgänger – etwas aufwändiger – in der Stadt verteilte Herolde aufgesucht und bestochen werden.

Neu ist in diesem Zusammenhang auch, dass jeder Erwerb einer Immobilie zusätzliche Aufmerksamkeit erregt und den Fahndungslevel weiter steigen lässt, bis die Templer von den Aktivitäten der Assassinen Wind bekommen und versuchen, deren Festungen zu erobern. Ubisoft führt hierbei eine Art Mini-Game ein, bei dem Ezio in bester Tower-Defense-Manier Assassinen auf den Dächern positionieren und Barrikaden errichten muss, um die in Wellen anrückenden Templer abzuwehren.

Farbenprächtige Kulisse
Obwohl das Schlüpfen in die Rolle eines Feldherren kurzzeitig für Abwechslung sorgt und das Gameplay dadurch um eine strategische Komponente erweitert wird, wirkt das Festungs-Eroberungs-Spiel ähnlich den hypermodernen Animus-Missionen etwas aufgesetzt und deplatziert, zudem ist die Steuerung in beiden Fällen verbesserungswürdig.

Spaß macht "Assassins Creed Revelations" dennoch, vor allem aufgrund der großartigen Kulisse, in der sich Ezio diesmal bewegen darf. Mit ihren Moscheen, Palästen und Basaren, auf denen die farbenprächtig gewandten Bewohner Konstantinopels flanieren, lädt diese abermals über Stunden hinweg zu Erkundungsspaziergängen ein.

Ein paar Schwächen vermag die Optik allerdings auch weiterhin nicht zu verbergen, darunter das störrische Kampfsystem und die hakelige Steuerung, die mitunter nervigen Ladepausen nach den Ableben oder beim Öffnen der Karte sowie der weiterhin nicht immer einwandfrei erklärbare Umstand, dass Wachen manches Mal auf Anhieb feindlich gesonnen sind, ein anderes Mal hingegen nicht. Im Multiplayer, der um neue Team-Modi und eine Story erweitert wurde, hat man letzteres Problem glücklicherweise nicht.

Fazit: "Assassin's Creed Revelations" bedient sich zu großen Teilen bei seinem Vorgänger "Brotherhood", bessert an einigen Stellen jedoch nach und erweitert diesen um neue Gadgets, Multiplayer-Modi und zwei gut gedachte, aber in letzter Konsequenz nicht überzeugend umgesetzte Minispiele. Das Gameplay-Rad erfindet Ubisoft damit zwar nicht neu, sorgt aber immerhin für ausreichend Abwechslung, um auch alteingesessene Fans wieder über Tage, wenn nicht sogar Wochen vor den Bildschirm zu fesseln. Einsteiger dürften es hingegen schwer haben, der zunehmend komplexeren, ja fast schon wirren Story zu folgen, zumal auch der jüngste Spross wieder etliche Fragen offen lässt. Bleibt nur zu hoffen, dass diese in "Assassin's Creed 3" endlich beantwortet werden. Bis dahin schmeißen wir uns noch ein bisschen ins Getümmel und erfreuen uns am bunten Treiben Konstantinopels.

Plattform: PS3 (getestet), Xbox 360, PC
Publisher: Ubisoft
krone.at-Wertung: 8/10

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