Nach Fertigstellung des Rohbaus der Unterflurtrasse im Süden von Graz, beginnt man nun Gleise zu verlegen. Die Koralmbahn ist damit nach fast 25 Jahren auf der Zielgeraden. Baustellen, Budget, Projekte: Welche Überraschungen noch auf uns warten.
Hätte der ursprüngliche Plan gehalten, dann würden Grazer Zug-Passagiere schon seit fünf Jahren nach nur 45 Minuten Fahrzeit in Klagenfurt wieder aussteigen. Tatsächlich soll das aber erst in fast 1000 Tagen der Fall sein. Mit dem jetzt fertiggestellten Rohbau zwischen Feldkirchen und Weitendorf, zu dem auch die Unterflurtrasse beim Grazer Flughafen gehört, befindet sich die gesamte Koralmbahn in der finalen Phase.
Was ist im Flughafen-Abschnitt bisher geschehen?
13 Kilometer wurden völlig neu errichtet, davon drei Kilometer reine Unterflurtrasse, die unter der B 67 durchführen. Eine Million m³ Kies wurden dafür ausgehoben und für 250.000 m³ Beton aufgemahlen. Ende 2025 fahren in der Röhre zwei Züge nebeneinander mit 160 km/h. Dafür werden nun bis zum Sommer die Schienen verlegt sowie alles eingebaut, wofür Strom benötigt wird: Oberleitung, Signale, Telekommunikation. Für die Anrainer dürfte nach zweieinhalb Jahren das Schlimmste vorüber sein. Im letzten Jahr finden nur mehr Testfahrten statt.
Was ist noch ausständig?
Mit Jahresende komplett fertig wurde der viergleisige Ausbau zwischen Graz Don Bosco und Feldkirchen-Seiersberg sowie in Hengsberg der Bahnsteig 2. Noch voll im Gange sind die Arbeiten beim Bahnhof Weststeiermark in Groß St. Florian. Der Name dürfte fix sein: „Das steht bereits auf allen Fahrplänen so“, verriet ÖBB-Projektleiter Klaus Schneider. Bei unseren Nachbarn in Kärnten wird bis Anfang Mai die Jauntalbrücke eingeschoben, der Bahnhof St. Paul bis 2024 betriebsbereit gemacht.
Gibt es noch Verkehrsbehinderungen?
„Es ist nun wieder alles offen, auch die B 67 kein Provisorium mehr“, berichtet Reinhold Hödl, Geschäftsbereichsleiter der ÖBB Infra. Einzige Ausnahme ist nur noch eine kleine Gemeindestraße.
Ist noch mit mehr Kosten zu rechnen?
Nach zuletzt 5,4 Milliarden Euro spricht man derzeit von 5,6 Milliarden Euro für das gesamte Projekt: „Das ist auf die Preissteigerung zurückzuführen“, erklärt Schneider. „Ich bin fast sicher, dass wir nun kostenstabil bleiben.“ Der Abschnitt in Feldkirchen wird 500 Millionen Euro kosten - weil noch nicht einberechnet, beträgt die Gesamtsumme dann 6,1 Milliarden.
Sind große Bahn-Nachfolgeprojekte geplant?
„Den Anschluss an den Flughafen könnte man baulich erweitern“, so Projektkoordinator Mario Hirschmugl. Aktuell verzichtet man darauf, weil die S-Bahn eine bessere Taktung für Fluggäste hätte. „In einer Stunde und 10 Minuten ist man künftig von Klagenfurt am Grazer Flughafen.“
Als attraktives Zukunftsprojekt sieht man auch die Strecke zwischen Graz und Bruck: „Da gibt es aber noch keine Pläne und kein Budget.“
Bürgermeister orten „Riesen-Chance“
Beim gestrigen Termin zur Befahrung der Unterflurtrasse waren übrigens neben dem Landeshauptmann-Stellvertreter Anton Lang auch die Oberhäupter der Region anwesend: die Bürgermeister Erich Gosch (Feldkirchen bei Graz), Barbara Walch (Wundschuh), Willibald Roherer (Werndorf) und Karl Kowald (Wildon). Gosch spricht stellvertretend für sie: „Die Bahn ist ein Segen für die Region, eine große Chance.“
Dass die Gegend auch immer beliebter bei Firmen und Privatpersonen wird, ist kein Geheimnis, der Bürgermeister will der Entwicklung auch keinen Stein in den Weg legen. Ob dann alles zugebaut wird? „In der Raumordnung haben wir bereits ein enges Korsett. Nur, wenn das ökologisch vertretbar ist, stimmen wir zu.“
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