Epische Soundwände und ein massiver Block voller Atmosphäre walzt am 27. März durch die Wiener Arena, wenn die Schweden von Cult Of Luna Klänge aus ihren Instrumenten drücken. Frontmann Johannes Persson gab uns einen Einblick in die einzigartige Welt der düsteren Nordländer.
Kellertiefes Gegröle, repetitive Soundkaskaden, ausufernde Kompositionen und mal aus der Realität, dann wieder aus der fiktionalen Literatur gegriffene Themenkomplexe - seit mittlerweile 25 Jahren sind die Schweden von Cult Of Luna die etwas andere Band im erweiterten Metal-Sektor. Anfangs noch als europäischer Klon der amerikanischen Sludge- und Doom-Metal-Größen Neurosis und Isis verschrien, haben sich die Nordländer in den letzten Jahren nicht nur stark davon emanzipiert, sondern sich selbst zum Genrevorreiter hochgespielt. Live-Shows und Touren sind für die umtriebigen Vollblutmusiker nur durch exakte Planung zu bewerkstelligen. Da mutet es fast wie ein Wunder an, dass die Band nun am 27. März mit Russian Circles und Svalbard wieder die Wiener Arena beehrt, datiert das letzte Stelldichein doch erst von Dezember 2019.
Keine Lust auf Vergangenheit
Mit „The Long Road North“ haben sie ihr bereits vor einem guten Jahr veröffentlichtes, allumfassend gefeiertes neues Studioalbum im Gepäck, das die Band an der bisherigen Spitze ihrer kreativen Existenz zeigt. Etwas weniger transzendental, aber dafür konsistenter und in sich geschlossener schneidet das aktuelle Werk im Direktvergleich zum 2019 veröffentlichten „A Dawn To Fear“ ab und zeigt dabei gut, dass Bands auch nach vielen Jahren der Existenz durchaus noch kreativ und progressiv ans Werk gehen können. Frei nach dem Motto „Stillstand ist Rückschritt“ schert sich das Sextett aus dem 80.000-Seelen-Städtchen Umeå nicht um die Vergangenheit und blickt lieber stringent in die Zukunft, um gleichzeitig den Moment der Gegenwart zu leben. „Mit unserem 20 Jahre alten Album ,The Beyond‘ sind wir heute nicht mehr glücklich“, erzählt Bandchef und Frontmann Johannes Persson im „Krone“-Talk, „deshalb haben wir die Songs dieses Albums komplett aus dem Liveset gekickt.“
Diese beinharte Kompromisslosigkeit zu sich selbst und der eigenen Kunst ermöglicht Cult Of Luna die Freiheit, die ihnen nicht nur im Kreativ-, sondern auch im Vermarktungs- und Wirtschaftsbereich alles höchstes Gut gilt. Erwartungshaltungen oder Wünsche seitens des Publikums sind zwar löblich, laufen bei den Vollblutmusikern aber seit jeher ins Leere. „Der Großteil der Fans will, wie bei allen anderen Bands auch, immer das alte Zeug hören, aber so ticken wir nicht“, führt Persson auf, „eine Band wie Slayer hätte sich das vielleicht nicht erlauben können, aber wir entkoppeln uns aktiv von außen und stellen ein Liveset so zusammen, wie es für uns die beste Dynamik erzeugt. Die einzige Konstante in dieser Band ist, dass wir das schreiben, was uns in den Sinn kommt. Dann verrühren wir diese Ideen und ziehen die besten für ein Album heraus.“
Klar aufgeteilte Rollen
Die vielen Längen, die zwischen Albumproduktionen und Tourneen liegen, sind wohldosiert und genau so beabsichtigt. Die Ehemänner und Familienväter legen ihre Priorität auf ein gefestigtes Privatleben, die Musik, so leidenschaftlich sie auch betrieben wird, kommt danach. „Ich möchte auch nicht mit dem Druck leben müssen, dass die Band meine Rechnungen bezahlen muss. Wir haben verschiedene Jobs und können uns so den Freiraum erspielen, niemals Kompromisse eingehen zu müssen.“ Seit den frühen Tagen sind Persson und Gitarrist Magnus Lindberg das Kreativgespann hinter Cult Of Luna. Mit klar aufgeteilten Rollen, was vieles erleichtert. Persson arbeitet hauptsächlich an Melodien, Arrangements und Texten, Lindberg bündelt die Ideen, und produziert sie dann gemeinsam mit Keyboarder Kristian Karlsson aus. Ideen und Gedanken darf jeder einbringen, doch Persson spricht am Ende das kompositorische Machtwort. „Ich glaube nicht an Diktatur, in der Musik aber auch nicht an Demokratie“, lacht er vielsagend.
Seit knapp 20 Jahren ist die Band personell stabil, was in den frühen Jahren noch nicht selbstverständlich war. „Unser früherer Gitarrist Erik Olofsson hat einmal eine Tour wegen Alkoholproblemen verpasst. Er ist ein guter Freund und ein toller Kerl, aber wenn es um die Band und die Arbeit geht, brauchen wir ein gewisses Maß an Professionalität“, erklärt Persson, „man tendiert schnell dazu, dass man das gegenseitige Auskommen als wichtiger einschätzt als Verlässlichkeit und Fähigkeiten, aber da muss man aufpassen. Ich will natürlich nicht wochenlang mit Leuten in einem Van sitzen, mit denen ich mich nicht verstehe, aber der musikalische Standard ist bei uns nun einmal hoch und muss hochgehalten werden.“ Diesen Standard kann man zumindest seit dem dritten Album „Salvation“ aus dem Jahr 2004 in gewünschter Qualität präsentieren. „Das war das erste Werk, für das wir keine Kompromisse eingehen mussten und alles so machten, wie wir es für richtig hielten. Es war finanziell endlich möglich.“
Musik statt Party
Songs, Videos, Artwork, grafische Umsetzungen - all das liegt voll in der Hand der Band. Persson dockt neben seiner Tätigkeit als Musiker auch gerne im Filmbusiness an und ist in Schweden als Regisseur für Kurzfilme oder Casting-Direktor tätig. Dieses Wissen fließt wiederum ungefiltert in die Band ein. „Wenn du kein Gefühl für gutes Songwriting hast, dann hilft dir kein technisches Wissen“, lacht er, „der beste Kameramann kann aus einem furchtbaren Skript keinen guten Film drehen. Überleg nur einmal, wie viele Alben von Künstlern heute technisch und klanglich großartig klingen, aber überhaupt kein Gefühl und keine Atmosphäre haben. Mangelnden Ideenreichtum erstickt man in Bombast, das war nie unser Stil.“ Bei Cult Of Luna kommt die Musik immer vor der Party, das gilt auch für die Livekonzerte. „Unsere Fans sind meist sehr ruhig und respektvoll. Bei uns gibt es keinen Platz für Stress und das soll auch so bleiben.“
Live in der Arena
Cult Of Luna spielen mit Russian Circles und Svalbard am 27. März in der Wiener Arena. Unter www.metalticket.at gibt es noch Karten und weitere Infos für das düstere Konzerthighlight dieses Spätwinters.
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