Einfach und bequem

So helfen die neuen Regeln beim Mülltrennen

Österreich
02.02.2023 14:15

Seit 1. Jänner gibt es ein österreichweit einheitliches System zum Mülltrennen. Um noch mehr Menschen dazu zu bewegen, ist es nun sogar noch einfacher. So dürfen jetzt auch in Wien alle Kunststoffverpackungen in die Gelbe Tonne - und die nächste steht im Schnitt nur 150 Meter entfernt.

Dies schilderte Harald Hauke, Vorstand der Altstoff Recycling Austria (ARA), bei einem Pressegespräch in Wien. Bequem und einfach - das seien wichtige Motivatoren für Abfalltrennung. Das Potenzial an Menschen, die man zusätzlich dafür gewinnen könne, liege bei elf Prozent.

Die ARA hat fest vor, es auszuschöpfen, denn die EU-Vorgaben zur Kreislaufwirtschaft sehen ab 2025 höhere Recyclingquoten vor. Bei Papier und Glas etwa ist Österreich den Zielen voraus. Aber bei Kunststoff besteht Aufholbedarf, die Quote muss bis 2025 verdoppelt werden.

Klimaschutz wird immer wichtiger
Integral Marktforschung hat im Auftrag der ARA zum dritten Mal seit 2012 Verhalten und Einstellungen bei Abfalltrennung untersucht. Quer durch alle Sinus-Milieus - Gruppen mit ähnlichen Werten und sozialer Lage - sei ein gemeinsamer Nenner, dass Klimaschutz eine immer größere Bedeutung habe.

Er sei auch „der wesentliche Treiber für Abfalltrennung“. „Diese neue Einstellung müssen wir nutzen, um noch mehr Menschen zu motivieren“, meinte Hauke. Das Zuwachspotenzial an Personen, die eine Bereitschaft zu „noch häufigerer getrennter Sammlung und hoher Trenndisziplin aufweisen“, mache elf Prozent aus.

Neun von zehn Menschen trennen Müll
Details aus der Befragung: Neun von zehn Menschen trennen laut eigenen Angaben ihren Abfall, insgesamt 30 Prozent mehr als noch vor vier Jahren - allen voran im Burgenland Lebende (43 Prozent) und jüngere Menschen. Nur eine verschwindende Minderheit gab an, heute weniger Müll zu trennen als früher, berichtete Bertram Barth, Geschäftsführender Gesellschafter von Integral.

Der wichtigste Grund ist die veränderte Einstellung zum Klimaschutz (52 Prozent). Auch einfachere Sammelsysteme (41 Prozent) und bessere Informationen (39 Prozent) motivieren. Am häufigsten werden von den Befragten Altpapier (89 Prozent), Glasflaschen (85 Prozent), alte Batterien (80 Prozent), defekte Elektronikgeräte (80 Prozent) und Kunststoffgetränkeflaschen (79 Prozent) getrennt gesammelt.

Bertram Barth (Integral Geschäftsführer) und Harald Hauke (ARA Vorstandssprecher) (Bild: ARA Altstoff Recycling Austria AG/APA-Fotoservice/Schedl)
Bertram Barth (Integral Geschäftsführer) und Harald Hauke (ARA Vorstandssprecher)

Wer ist nicht motiviert?
Die größten Mengen nicht getrennt gesammelten Abfalls entfallen auf zwei Milieus, die von der Meinungsforschung als „Hedonistinnen und Hedonisten“ bzw. als „Adaptiv-Pragmatische Mitte“ eingestuft werden. Die zweite Gruppe - der „neue Mainstream“ - sei am ehesten zu motivieren. Sie umfasse 14 Prozent der Bevölkerung bzw. fast 1,1 Millionen Menschen und sei geprägt von Nutzendenken und Bequemlichkeit.

Mülltrennung könne hier als einfacher Beitrag zum Umweltschutz, als Vorsorge für die Zukunft der Kinder und als zeitgemäß und opportun funktionieren. Die Vereinheitlichung der Sammlung von Kunststoffverpackungen in der Gelben Tonne bzw. dem Gelben Sack sei ein wichtiger Schritt zur Vereinfachung und für mehr Convenience, betonte Hauke.

Hedonisten wiederum könnten mit Digitalisierung gewonnen werden. Die App „Digi-Cycle“ bietet nicht nur Informationen und Service, sie soll mit Prämien auch den Spaßfaktor bedienen. „Vielen Menschen ist es ein großes Bedürfnis, selbst etwas zum Klimaschutz beizutragen“, sagte Barth. „Mülltrennung ist ein konkreter Beitrag.“

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