Kärnten spruchreif:

Hat der 20-Jährige die Cobraschüsse provoziert?

Kärnten
04.11.2022 20:00

Der Vorfall am Campingplatz Keutschach könnte eine Verzweiflungstat gewesen sein - die Ermittlungen wurden jedenfalls eingestellt.  

Was ist in der Nacht zum 24. Juni am Campingplatz Keutschach genau passiert? Ein junger Urlauber hatte sich nach wüsten Drohungen am Klo verschanzt. Die Polizei wurde alarmiert - als Cobra-Einsatzkräfte in das Sanitärgebäude vorrückten, war alles finster, eng, der 20-Jährige schaute nur kurz aus der Kabine, sperrte sich wieder ein. „Dann hörten die Beamten ein Klicken und glaubten irrtümlich, er entsichere eine Waffe“, schildert Staatsanwalt Markus Kitz. „Als er plötzlich erneut die Tür aufriss, gab ein Beamter zwei Schüsse auf ihn ab und traf in Hüfte und Schulter.“

Fakten

Wenn Sie Hilfe brauchen: Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr unter 142 erreichbar.

Psychische Ausnahmesituation
Gegen den Cobra-Profi wurde ermittelt. Ihm drohten bis zu 7,5 Jahren Haft. Doch die Staatsanwaltschaft hat zu seinen Gunsten entschieden: „Wir gehen davon aus, dass er die Situation als notwehrfähig eingestuft hat. Es war eng und dunkel, ein Tasergebrauch sinnlos.“ Zudem befand sich das Opfer nach einem Todesfall in einer psychischen Ausnahmesituation: Möglicherweise wollte es sogar einen Polizeieinsatz provozieren - diese Methode wird Suicide-by-Cop genannt. Kitz: „Wir haben es bei dem jungen Mann aufgrund aller Umstände bei einer Diversion wegen gefährlicher Drohung belassen. Die Ermittlungen gegen den Cobraschützen wurden eingestellt.“ Eine Entscheidung, die auch vom Weisungsrat des Justizministeriums abgesegnet ist.

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