Von Touristentouren, Geburtstagen und Gesprächen zwischen den Gräbern.
Schwarze Kutte und Schaufel gehören zu Albin Sampels Berufskleidung. Der Fremdenführer hat die Kellnerschürze an den Nagel gehängt und schlüpft seit einem Jahr regelmäßig in die Rolle des Totengräbers: „Das war eine Corona-Geschichte. In dieser Zeit war der Tod auch sehr präsent.“
Und das Geschäft läuft gut: „Ich bekomme viele Anfragen.“ Halloween und Allerheiligen liefern für viele den Anstoß zu einer Tour, aber auch unter dem Jahr interessieren sich immer mehr für das Tabuthema Tod: „Etwa Schulklassen oder Firmen, die Alternativen zu klassischen Stadtführungen suchen.“
Suche nach Sinn, Nervenkitzel und Storys
Woran das liegt, habe mehrere Gründe: „Kulturinteressierte haben schon immer Friedhöfe besucht.“ Neu sei nun, dass immer mehr neugierig auf die Storys dahinter sind: etwa welche Persönlichkeiten ihre Region mitbestimmt haben. Für viele ist es auch eine Art Sinnsuche: „Gerade in der digitalen Zeit bringen diese Orte viele andere Stimmungsbilder.“ Wieder andere suchen den Nervenkitzel: „Zum Beispiel bei meinen Vollmondführungen zur Geisterstunde. “
Eine weitere wichtige Komponente für den Fremdenführer: „Man lässt sich die eigene Vergänglichkeit durch den Kopf gehen.“ Er selbst kann nun besser mit Trauer umgehen: „Man bekommt eine positivere Sichtweise. Der Tod ist ein natürlicher Bestandteil.“
An Gräbern wird auch gefeiert
Sampel bemerkte auch, dass auf Friedhöfen nicht nur getrauert wird: „Enkel kommen an die Gräber ihrer Großeltern, um zu berichten, dass sie die Matura geschafft haben.“ Andere feiern Geburtstage oder reden sich Probleme von der Seele.
Verändert hat sich auch die Kultur der Bestattung: „Urnen oder Waldbestattungen boomen. Bestatter müssen jetzt mehr Marketing betreiben.“ Daher geht man auch immer mehr auf persönliche Wünsche ein.
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