Alles halb so schlimm? Halb volles oder halb leeres Glas? Man sei mit Umfragen um die 25 Prozent gestartet und habe nun um zehn Prozent mehr erreicht, betonten ÖVP-Spitzenkandidat Anton Mattle und seine Parteifreunde am Sonntag Abend, nachdem die Tiroler Landtagswahl geschlagen war. Und zeigte sich zufrieden. Das ist die eine Rechnung. Die andere: Die ÖVP verlor gegenüber den letzten Landtagswahlen vier Jahre zuvor fast zehn Prozent. Der taumelnde Mattle wird nun mit knapp 35 Prozent der Stimmen wohl Landeshauptmann, vermutlich in einer Koalition mit der SPÖ. Denn eine Fortsetzung der neun Jahre regierenden schwarz-grünen Koalition geht sich nicht mehr aus. Schwarz-grün abgewählt - vorerst nur in Tirol - wann auch im Bund?
Wählerbedürfnis. Ein - gelinde gesagt - ungewöhnlicher Wahlabend in Innsbruck: Kein Karl Nehammer, keine Pamela Rendi-Wagner, kein Werner Kogler bemühten sich nach Tirol. Oder wagten sie es nicht? Auch Herbert Kickl ließ sich zunächst nicht blicken, so blieb Beate Meinl-Reisinger die einzige Bundesparteichefin, die sich im Innsbrucker Landhaus zeigte. Dabei hatte auch sie wenig zu jubeln. Noch weit betrüblicher fielen die gestrigen Landtagswahlen für Schwarz und Grün aus - da helfen keine Beschwichtigungsversuche von schwarzer/türkiser Seite. Und von grüner ebenso wenig. Roter Jubel ist freilich genauso nicht angebracht - wenn wie gestern in Tirol die Landeshauptmannpartei um die zehn Prozent verliert und die SPÖ im - vermeintlichen - bundespolitischen Aufwind davon so gut wie nicht profitieren kann. Da wachsen auch keine Bäume in den Himmel. Erst recht, wenn die Sozialdemokraten sogar noch von den Freiheitlichen überholt werden, die ihr Post-Ibiza-Tief nun endgültig überwunden haben. Der große Sieger des Tages aber ist eine Liste jenseits der etablierten Parteienlandschaft. „Fritz“ sahnte richtig ab und muss den „Altparteien“ von ÖVP über SPÖ bis Grün genauso zu denken geben wie all jenen, die über neue bundesweite Listen nachdenken. Das hat der Sonntag bewiesen: Das Wählerbedürfnis nach einem Angebot jenseits des alteingesessenen „Systems“ ist groß.
Kommen Sie gut durch den Montag!









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