05.08.2022 06:01 |

Chat-Zufallsfund

Ehemaliger Kickl-Vertrauter zeigt eigene Partei an

Chats, Chats, Chats - und der nächste Polit-Aufreger: Ein Handy-Zufallsfund (wie bei Ex-ÖBAG-Chef Thomas Schmid) in einem Geheimdienst-Krimi um Verrat und Amtsmissbrauch offenbart einen internen FPÖ-Krieg. Denn bei einer Razzia bei dem mittlerweile aus der Partei ausgetretenen Vertrauten von Parteichef Herbert Kickl, Hans-Jörg Jenewein, wurde auf dessen Smartphone eine - anonym eingebrachte - Anzeige gegen die freiheitliche Spitze gefunden.

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„Krone“-Leser wissen Bescheid. Die „AG Fama“ im Bundeskriminalamt ermittelt gegen ein mutmaßlich korruptes Agentennetzwerk im früheren polizeilichen Nachrichtendienst BVT. Es geht um mögliche verkaufte bzw. verratene Staatsgeheimnisse an Russen, aber auch die Politik. Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht auch der frühere blaue Fraktionsführer im BVT-U-Ausschuss, Hans-Jörg Jenewein. Der Ex-Nationalratsabgeordnete trat - wie berichtet - eben erst aus der Partei aus.

Der offenbare Hintergrund ist brisant und liest sich wie das Drehbuch für einen Polit-Thriller, der an den bekannten Spruch „Freund, Feind, Parteifreund“ erinnert. Denn bei der Razzia wegen des Verdachts des Missbrauchs der Amtsgewalt beim einstigen blauen Granden im September des Vorjahres wurde auch sein Handy beschlagnahmt. Neben heiklen Chats mit einem von der Justiz als Beschuldigten geführten, suspendierten BVT-Beamten wurde auch eine im Oktober vorerst anonym von einem „getäuschten und enttäuschten Wähler“ eingebrachte Anzeige gegen die aktive und einstige FPÖ-Spitze auf dem Mobiltelefon gefunden.

Mutmaßlicher Missbrauch von Fördermitteln
Dabei geht es um angeblichen (Millionen-)Missbrauch von Fördermittel durch freiheitliche Vereine. Elf Personen - von Ex-Parteichef Heinz-Christian Strache über den früheren Klubchef Johann Gudenus bis FPÖ-Wien-Chef Dominik Nepp - sowie die gesamte Landespartei sind aufgelistet. Jetzt der Paukenschlag: Die „AG Fama“ stellte nach einer Auswertung des digitalen Fußabdrucks in einem Bericht an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatswaltschaft fest, dass es „lebensfremd ist, dass Hans-Jörg Jenewein die Anzeige nicht selbst geschrieben hat“.

Eine Frage, die sich jetzt stellt: Was hat FPÖ-Chef Herbert Kickl von dem offenbar hinter den blauen Kulissen tobenden Kleinkrieg gewusst? Unter Polit-Insidern ist es jedenfalls ein offenes Geheimnis, dass die Gräben zwischen der Wiener Landespartei und den „Ibiza-Protagonisten“ Strache sowie Gudenus auf der einen bzw. Herbert Kickl auf der anderen Seite tief sind. Es bleibt also spannend …

Christoph Budin
Christoph Budin
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