18.07.2022 09:14 |

Werte verzehnfacht

Umweltgift-Alarm: Land bleibt bei „Entwarnung“

Die HCBD-Belastung bei Fischen in Brückl ist erneut stark angestiegen. Dennoch sei alles im Sanierungsplan, betont das Land. Und: Probleme werde es wahrscheinlich noch Jahrzehnte geben...

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Um das Zehnfache sind von 2021 auf 2022 die Werte des Umweltgiftes HCBD bei Fischen angestiegen, die im Zuge einer Entnahme flussabwärts der Deponie Brückl getestet worden sind. Die Probe stammt aus dem März, die behördeninterne Mitteilung erging drei Monate später. Drei Tage, nachdem die „Krone“ das veröffentlicht hatte, meldete sich das Land offiziell zu Wort.

Fakten

Der Skandal von 2014 war eine Katastrophe für die Region. Danach wurde saniert. Jetzt gibt es Alarm um die Gurk: Bei HCBD gilt eine „Normkonzentration für Gewässerlebewesen“ von 55 Mikrogramm. Die Probe vom März: 2600! Die Norm bei HCB liegt bei 10 Mikrogramm. Die Probe wies 22 auf.

Konkret geht es um HCB sowie HCBD, Umweltgifte, die sogar krebserregende Wirkung haben können. Diese Nebenprodukte der chemischen Industrie werden durch Verbrennung, Staubverfrachtung oder auch Regen freigesetzt. Kurz nach dem Skandal von 2014 sind aufgrund der Maßnahmen wie etwa die Abdeckung einer Deponie in Brückl die Werte wie beabsichtigt gesunken. 2020 waren die Grenzwerte bei Fischen dann erstmals nicht mehr überschritten!

Zitat Icon

Ich kann komplette Entwarnung geben.

LR Sara Schaar

Land Kärnten beruhigt
Für die zuständige Landesrätin Sara Schaar (SPÖ) ist die Meldung über die extremen Grenzwertüberschreitungen „medial konstruiert“. „Ich kann komplette Entwarnung geben“, sagt sie selbstsicher. Denn die Schadstoffwerte im Wasser hätten sich stark verbessert und es werde weiterhin einmal im Jahr kontrolliert. Die Deponiesanierungen lägen auch im Plan; eine sei abgedichtet, an der zweiten werde noch gearbeitet. Fakt sei nur, dass Fische aus der Gurk flussabwärts des Chemiewerkes Brückl halt nicht gegessen werden sollten. Das sei aber schon seit zehn Jahren so und werde noch lange so bleiben.

Wie es aber zur Verzehnfachung der Werte binnen eines Jahres kam? Das Gift käme aus den Sedimenten, da würden alte Schadstoffe ausgeschwemmt. Neue würden nicht dazukommen, erklärt auch Günther Weichlinger, Chef der Abteilung Umwelt- und Naturschutz des Landes. Wenngleich: „Die Deponie K 5 direkt auf dem Gelände der Fabrik bietet eine komplexe Situation.“ Dort können man nur über Grundwasserspülungen reinigen. Dazu werden ständig neue Brunnen gegraben; bis in 100 Meter Tiefe. 26 solcher Brunnen gäbe es bei der als „saniert“ geltenden Deponie K 5, zwölf bei der nicht fertig sanierten. Und es kämen ständig welche dazu. „Wenn wir auf Hotspots stoßen“...

Gift in Fischen nicht relevant?
Die jetzt aufgetauchten Probenwerte seien also nicht relevant oder besorgniserregend. Der Höchstwert stammt aus einer Mittelprobe von fünf Fischen. „Doch der Gehalt hängt ab vom Alter der Tiere und wo sie ihr Habitat haben. Das kann extrem schwanken“, erklärt Gunther Vogl von der Lebensmitteluntersuchungsanstalt. Insgesamt erwarte man sich da „keine schnelle Besserung“. Und man könne auch nicht mehr Fische beproben. „Aus Naturschutzgründen, weil in der Gurk überhaupt wenig Fische sind“, sagt Vogl.

Zusammengefasst: Das Wasser sei okay, Fische zwischen Brückl und dem Kraftwerk Rain bei Klagenfurt halt belastet. Und das wird sich auch so schnell nicht ändern. Ob man da nicht besser und schneller sanieren könnte? Eher nicht, meinen die öffentlichen Experten. Da müsste man sehr viel Erdreich abtragen. Und so sieht das Land die jetzige Lage als „Optimum“. Solche Messwert-Ausreißer, wie jetzt bei Fischen registriert, dürfe man nicht überbewerten.

Hannes Mösslacher
Hannes Mösslacher
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