24.06.2022 08:36 |

„Krone“-Kolumne

Fehlgeburt: „Warum ich?“

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller diesmal zum Thema Fehlgeburt und den Verlust eines ungeborenen Kindes.

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Bis zur 11. Woche der Schwangerschaft war noch alles okay gewesen. Doch dann hatte Katharina eine Fehlgeburt. „Warum ich?“, fragt Katharina sich und die Welt seither. Ein Grund, warum sie ihr Baby verloren hat, ist nicht bekannt. Psychologisch gesehen ist das schlecht, weil dadurch Raum bleibt, sich zu fragen, was man anders hätte machen können. Die Hilflosigkeit mündet oft in Schuldgefühle. Obwohl sich Katharina alleine fühlt, ist sie es eigentlich nicht. Denn schätzungsweise jede fünfte Schwangerschaft endet nicht mit der Geburt eines lebenden Babys.

Studien zeigen, dass eine Fehl- oder Totgeburt sowohl Depressionen als auch Angststörungen auslösen kann. Langfristig können Frauen sogar von Traumafolgestörungen betroffen sein, etwa wenn sie von Erinnerungen überflutet werden, nicht mehr zur Ruhe kommen und versuchen, das Thema Kind und Geburt zu vermeiden. Die Belastung ist meist für jene Frauen am größten, die mehrere Fehlgeburten hatten, keine soziale Unterstützung erfahren und schlussendlich kinderlos bleiben. Auch die Partner bzw. Partnerinnen leiden unter einer Fehlgeburt, allerdings generell etwas weniger stark als die Person, die ungewollt nicht mehr schwanger ist.

Egal ob Geburt, Menstruation, Schwangerschaftsabbruch oder unerfüllter Kinderwunsch: Die reproduktive Gesundheit von Frauen ist noch immer ein gesellschaftliches Tabu. Dass über Fehlgeburten nicht gesprochen wird, verstärkt die Isolation und Trauer der Betroffenen. Interessanterweise kennt auf Nachfrage jeder jemand, der schon einmal eine Fehl- oder Totgeburt in sein Leben integrieren musste. Über schwierige Lebensereignisse zu sprechen, ist vielen Menschen unangenehm, weil sie nicht wissen, was sie sagen sollen. Warum nicht einfach nachfragen: Wie geht es dir heute damit? Trauer kann ein langwieriger Prozess sein. Sie lässt sich im Reden besser verdauen als im Schweigen.

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Barbara Rothmüller
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